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3 Steckdosen aus 5x1,5er NYM-J abzweigen?

15/09/2009 - 18:24 von Siebert Kunze | Report spam
Moin,

kleine Frage:

Habe gerade mit einem Kollegen über deren Hausverkabelung philosophiert.
In dem Haus wurden (vor ca. 10 Jahren) 5x1,5 mm² NYM-J Leitungen verlegt,
aus denen dann angeblich mehrere 230V Steckdosen + Beleuchtung abgezweigt
wurden... angeblich 3 Sicherungskreise für jeden Wohnraum.

Meines Wissens nach ist das nicht zulàssig, gerade weil ja bei gàngiger 16A
Sicherung der Nulleiter überlastet wàre. Mal abgesehen von der Erde, die ja
ebenfalls nur einmal vorhanden ist.

Mal abgesehen davon, daß mich
So, jetzt mal die Fragen:
1. Ist dies zulàssig und gàngige Praxis?
2. War es zulàssig vor 10 Jahren?
3. Da die Verkabelung (5x1,5mm²) wohl wirklich für drei Stromkreise
zustàndig sein soll - Wie müßte der Scheiß verschaltet sein, damit es
funktioniert?
4. Geht das mit 2 Phasen? Sind es evtl. nur zwei Stromkreise die gespeist
werden und ein Leiter als Null verwendet wurde? War dies zulàssig? Müssten
dann 8A Sicherungen in der Unterverteilung zu finden sein, damit es zulàssig
ist? Wir konnten leider nicht nachsehen... Gibt es sonst Punkte die weiteren
Aufschluß geben, z.B. Drehstrohmsicherungen (s.u.)?
5. Gehe ich richtig in der Annahme, daß bei Überlastung des Nulleiters keine
Sicherung fliegt - die Automaten sichern doch die Phase, oder?
Kabelbrandgefahr?
6. Gesetz den Fall es handelt sich um einen Drehstromabgriff - Wie viele
"230V Steckdosen" könnte ich daraus machen? Da ich von Drehstrom keine
Ahnung habe bitte winzige Erlàuterung zum "Wechseln" der Phasen - das ist
hier zwar etwas fehl am Platz, aber ich hab' da noch etwas von einer
geschalteten Phase im Kopf, etc. - Ist es richtig, daß hier in einem Zyklus
quasi zwei Nulleiter zur Verfügung stehen?
7. Was wàre die Konsequenz aus einer Verwendung des Drehstroms als "230V
Steckdosen" und der Betrieb einer Steckdose zusàtzlich zum
Drehstromanschluß, also z.B. zum Herd?

Vielen Dank, Siebert
 

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#1 Ragnar Bartuska
15/09/2009 - 19:54 | Warnen spam
On 15 Sep., 18:24, "Siebert Kunze" wrote:
Moin,

kleine Frage:

Habe gerade mit einem Kollegen über deren Hausverkabelung philosophiert.
In dem Haus wurden (vor ca. 10 Jahren) 5x1,5 mm² NYM-J Leitungen verlegt,
aus denen dann angeblich mehrere 230V Steckdosen + Beleuchtung abgezweigt
wurden... angeblich 3 Sicherungskreise für jeden Wohnraum.

Meines Wissens nach ist das nicht zulàssig, gerade weil ja bei gàngiger 16A
Sicherung der Nulleiter überlastet wàre. Mal abgesehen von der Erde, die ja
ebenfalls nur einmal vorhanden ist.

Mal abgesehen davon, daß mich
So, jetzt mal die Fragen:
1. Ist dies zulàssig und gàngige Praxis?


Ja und nein. Es wird ab und zu gemacht, sehr gàngig ist es nicht.

2. War es zulàssig vor 10 Jahren?


Ja.

3. Da die Verkabelung (5x1,5mm²) wohl wirklich für drei Stromkreise
zustàndig sein soll - Wie müßte der Scheiß verschaltet sein, damit es
funktioniert?


Jede Sicherung auf einen Außenleiter (vulgo Phase) eines
Drehstromanschlusses und ein gemeinsamer Neutralleiter (das was du als
Nulleiter bezeichnest).

4. Geht das mit 2 Phasen? Sind es evtl. nur zwei Stromkreise die gespeist
werden und ein Leiter als Null verwendet wurde? War dies zulàssig? Müssten
dann 8A Sicherungen in der Unterverteilung zu finden sein, damit es zulàssig
ist? Wir konnten leider nicht nachsehen... Gibt es sonst Punkte die weiteren
Aufschluß geben, z.B. Drehstrohmsicherungen (s.u.)?


Man könnte eine LEitung mit 2 Wechselstromkreisen und jeweils einem
Neutralleiter machen, ist aber rechtlich schon Grauzone (denn der
Neutralleiter muß eigentlich blau sein, und es gibt in normalen
Leitungen nur einen blauen Draht).
Ohne die Abdeckung abzunehmen gibt es in einem durchschnittlichen
bundesdeutschen Verteiler keine wirklichen Hinweise auf die
Verschaltung, wenn allerdings nur ein Wechselstromzàhler (steht drauf)
vorhanden ist, wirkt die Sache etwas wackelig. Wenn dieese Kreise an 3-
poligen Sicherungen angeschlossen sind (also alle auf einmal
abgeschaltet werden) spricht das für den aufgeteilten Drehstromkreis.
Da drfen aber auch drei einpolige Sicherungen sein, die genauso
aussehen wie alle daneben. Voraussetzung: es gibt einen 3-poligen
Hauptschalter oder 4-poligen FI, sonst wàre das unzulàssig.

5. Gehe ich richtig in der Annahme, daß bei Überlastung des Nulleiters keine
Sicherung fliegt - die Automaten sichern doch die Phase, oder?


Korrekt, außer AFAIK in Belgien.

Kabelbrandgefahr?


Wenn es denn Drehstrom ist nein.
Wenn nicht, und auch keine zwei Stromkreise mit zwei Neutralleitern
JA!

6. Gesetz den Fall es handelt sich um einen Drehstromabgriff - Wie viele
"230V Steckdosen" könnte ich daraus machen? Da ich von Drehstrom keine
Ahnung habe bitte winzige Erlàuterung zum "Wechseln" der Phasen - das ist
hier zwar etwas fehl am Platz, aber ich hab' da noch etwas von einer
geschalteten Phase im Kopf, etc. - Ist es richtig, daß hier in einem Zyklus
quasi zwei Nulleiter zur Verfügung stehen?



Du hast 3 Phasen, die zeitverschoben ihren jeweiligen Maximalwert
erreichen. Durch diese Verschiebung hebt sich in den meisten Fàllen(!)
der Strom im Neutralleiter so auf, daß er maximal gleich dem des am
stàrksten belasteten Außenleiters, also z.B. 16A werden kann. Nennt
sich Vektoraddition und ist meiner Erfahrung nach für alle, die nicht
gerade eine technische Studienrichtung absolviert haben oder
anderweitig stàndig mit Mathematik zu tun (mich eingeschlossen, meine
Theorieausbildung ist schon wieder zu lange her) ziemlich kompliziert.

Steckdosen kannst du im Prinzip anschließen, so viele du willst - du
kannst nur immer nur mit maximal 16A pro Außenleiter (+ einer gewissen
Toleranz, da der Automat nicht exakt bei 16A abschaltet sondern in
Abhàngigkeit von der Höhe der Überlastung innerhalb einer gewissen
Zeit) belasten.

7. Was wàre die Konsequenz aus einer Verwendung des Drehstroms als "230V
Steckdosen" und der Betrieb einer Steckdose zusàtzlich zum
Drehstromanschluß, also z.B. zum Herd?



Eigentlich nur einseitige Belastung, dazu ein paar Vorschriften
zusàtzlich.

Beispiel: ein Drehstrommotor hat 3 Wicklungen und zieht immer auf
allen dreien den gleichen Strom. Teilst du aber einen Drehstromkreis
auf, kann auf einem Außenleiter eine Tischleuchte mit 9W-
Energiesparlampe sein, auf dem zweiten ein Heizlüfter mit 2000W und
auf dem dritten der Computer mit 250W. Das ist asymmetrische
Belastung. Kraftwerke mögen das nicht, aber über die Größe des Netzes
gleicht sich das mehr oder weniger aus.

Ein Herd ist genau genommen auch so eine Aufteilung, nur passiert das
im Herd - 2 Platten auf L1, zwei auf L2 und das Backrohr auf L3. Nur
in der Schweiz gibt es Herde mit echten 400V-Heizelementen.

Ein Riesenproblem hast du, wenn bei so einer Aufteilung der
Neutralleiter bricht, dann hast du Spannungen zwischen 0 und 400V auf
Geràten, die eigentlich 230 möchten, da gibt es Rauchwolken (selbst
erlebt). Wenn dich das nàher interessiert, google nach "schwebender
Sternpunkt" oder "Sternpunktverschiebung".

Deswegen macht man solche Aufteilungen im Haushalt etwas ungerne. Im
großen Maßstab ist die Zàhlerzuleitung auch nichts anderes - es kommt
Drehstrom an und nach dem Zàhler werden die einzelnen
Wechselstromkreise auf die Außenleiter verteilt. Nur rechnet man bei
den dort verwendeten Querschnitten nicht so leicht mit einem
Aderbruch. Kommt aber auch vor, beispielsweise wenn jemand die Leitung
vom Zàhler (draußen) zu den Sicherungen (drinnen) mit Lusterklemmen
stückelt und die Leitung unter Zug steht.

sg Ragnar

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