Abandonware - wo das Urheberrecht sich selbst ad absurdum fuehrt

25/02/2011 - 21:41 von Freimuth | Report spam
Das Problem:
Dem Leser wird das Problem bekannt sein. Viele Spiele, die früher sehr angesagt waren, etwa auf alten Konsolen
oder Computern, die nicht mehr von den Herstellern betreut werden, die es nirgendwo mehr zu kaufen gibt und
die dennoch unter vollem Urheberrecht stehen, das aber auch nicht mehr effektiv wahrgenommen wird.
Diese Produkte nennt man Abandonware. Es gibt viele Internetseiten, die sich um den "Vertieb" dieser Spiele
"kümmern".

Das Problem liegt darin, dass erstens diese Produkte eine rechtliche Grauzone darstellen, sofern sie
einerseits dem Urheberrecht unterliegt, aber andererseits praktisch nicht mehr geschützt sind, da Urheberrecht
letztlich immer noch privates Recht sind. Zweitens dass diese Produkte den Sinn des Urheberrechts an sich
unterlaufen, denn dieses dient dazu, sicherzustellen, dass Künstler von den Vertrieb ihrer Werke profitieren
können und sich so selbst finanzieren. Das ist aber bei nicht betreuten Werken nicht mehr der Fall.

Ein Lösungsvorschlag:
Der Autor würde vorschlagen, eine Art auslaufendes Recht an den Produkten einzuführen, dass also die
Hersteller, solange sie noch Geld an ihren Produkten verdienen, das volle Recht an ihren Produkten haben, wenn
sie aber kein Geld mehr verdienen, diese nach einiger Zeit verlieren. Etwa 5 Jahre nach Ablauf des
öffentlichen Verkaufs des Produktes unterliegt das Produkt zwar immer noch dem Urheberrecht, es ist aber nicht
mehr per Lizenz geschützt. Wenn der Hersteller es schafft, wieder Geld durch das Produkt zu verdienen, làuft
die Schutzfrist wieder an.
Wenn es dem Hersteller aber nicht mehr gelingt, ihre Produkte zu verkaufen, bleiben sie, obwohl unter
Urheberrecht stehend, gemeinfrei. Solange ein Hersteller sein Produkt unterstützt, bleibt sein Recht erhalten.

Damit wàren die meisten alten Spiele, die Emuliert werden, gemeinfrei, aber die Hersteller hàtten die
Möglichkeit, wieder Gewinne aus ihre Produkten zu schlagen, wenn sie es wollten.

Wàre diese Variante nicht sehr fair für alle Beteiligten?
 

Lesen sie die antworten

#1 Reinhard Müller
03/03/2011 - 15:41 | Warnen spam
Am 25.02.2011 21:41, schrieb Freimuth:

Wàre diese Variante nicht sehr fair für alle Beteiligten?



Ja, natürlich. Eine begrenzte Zeit, in der man sein Urheberrecht
exklusiv kommerziell auswerten kann, danach ist es Public Domain oder
eine andere frei, offene Lizenz.

Aber ... solange die, mal etwas populistisch ausgedrückt, "herrschende
Klasse" immer noch der Vorstellung ist, dass "Geistiges Eigentum" etwas
zum Anfassen wàre, solange wird diesbezüglich nichts passieren.

Aber hey, steter Tropfen höhlt den Stein. So halten derzeit 70% aller
Dànen Schwarzkopien im privaten Rahmen für gesellschaftlich akzeptabel.

http://www.rff.dk/files/RFF-site/Pu...rev_LO.pdf

Weiß jemand, ob es àhnliche Umfragen für den deutschen Sprachraum gibt?

Grüße!

Ähnliche fragen