Abzocke im Internet

21/09/2007 - 14:20 von Sandirya | Report spam
Mausklick mit Folgen
Vorsicht: Der Intelligenztest könnte teuer werden

Besonders Jugendliche sind anfàllig für dubiose Angebote. Wie alt
wirst Du? Wie schlau bist Du wirklich? Wer sind Deine Vorfahren? So
lauten die Fragen, mit denen Anbieter - in der Regel handelt es sich
um Briefkastenfirmen - junge Surfer in die Abofalle locken. Die
Inhalte sind dürftig und die Seiten meistens so aufgebaut, dass man
meint, mit dem Start-Button sei sie zu Ende.


Ist sie aber nicht. Erst beim Runterscrollen mit der Maus kommt man
auf den entscheidenden Punkt, dass nàmlich der Test die ,,einmalige
Gebühr" von 59,- Euro kostet. Verbraucherschützer sprechen angesichts
dieser Tàuschungsmethoden von ,,modernen Straßenràubern". Nahezu
tàglich rufen Opfer dieser Masche an, die mit Schreiben von Anwàlten
und Inkassofirmen belàstigt werden. ,,Das ist seit knapp zwei Jahren
unser Alltagsgeschàft", sagt Gabriele Beckers, Leiterin der
Verbraucherberatung in Frankfurt.


Verbraucherzentrale mahnt Firmen ab



Ebenso wie die Lebensprognose-Analyse
Zu den Ratsuchenden gehören vor allem besorgte Eltern. Petra Fischer
aus Dieburg zum Beispiel. Am 16. August bekam ihr Sohn Kevin, 14 Jahre
alt, erstmals Post von einem Ahnenforschungs-Portalbetreiber, und zwar
gleich als ,,letzte Mahnung". 65 Euro - fünf Euro Mahngebühren und 60
Euro Abogebühr - solle er zahlen, andernfalls werde ein Inkassobüro
engagiert.


,,Ich bin aus allen Wolken gefallen", sagt die Mutter, die ihren Sohn
gleich zur Rede stellte. Doch der habe glaubhaft versichert, sich
niemals auf einer solchen Seite angemeldet zu haben. ,,So etwas würde
er auch mit uns abklàren", sagt sie. Immerhin gelang es ihr, unter
einer 0180er Nummer einen Ansprechpartner ans Telefon zu bekommen. Sie
erfuhr, dass sich ihr Sohn am 16. Juli mit Namen, Alter und Adresse
angemeldet haben soll. Das war ein Tag, an dem Kevin jedoch im
Baseballcamp Urlaub machte. Sollte also ein Dritter die Daten des
Jungen eingegeben haben? Alles also sehr dubios. Petra Fischer hàlt
vorerst still. ,,Bis jetzt habe ich nichts mehr gehört." Der
Forderungsanspruch der Firma erlischt allerdings erst nach drei
Jahren.


Verbraucherschützer betonen, dass Anbieter auch im Internet die
Pflicht haben, Leistungen klar und deutlich zu beschreiben. Dazu
gehört auch die Widerrufsbelehrung. Andernfalls komme kein Vertrag
zustande. Immer wieder mahnt der Bundesverband der
Verbraucherzentralen Firmen ab, weil sie ihre Preise nicht deutlich
genug anzeigen.


Firmen verdienen trotz sàumiger Zahler gut


So auch die einschlàgig bekannten Gebrüder Schmidtlein aus dem
südhessischen Büttelborn, die mehrere auf den ersten Blick harmlose
Seiten im Internet betreiben (www.hausaufgaben-heute.com;
www.lehrstellen-heute.com). Diese haben sie inzwischen aber deutlich
nachgebessert - Preise und Abo-Konditionen ebenso wie die
Widerrufsbelehrung stehen neben dem Anmeldefeld. Gleichwohl sieht der
Bad Homburger Verbraucher-Anwalt Peter Lassek kaum Chancen für die
Schmidtleins, ihre Ansprüche durchzusetzen. Das Hauptproblem dabei:
,,Der Anbieter muss beweisen, dass jemand auf seiner Seite war." Lassek
kennt bisher keinen Anbieter solcher Seiten, der es auf einen Prozess
hat ankommen lassen.


Das hàngt freilich auch damit zusammen, dass die Firmen trotz sàumiger
Zahler genug Geld verdienen. Gabriele Beckers hat anhand eines
Anwaltsschreibens, aus dem hervorging, dass es sich um 1,4 Millionen
Vertragsfàlle handelt, einmal hochgerechnet. ,,Wenn nur zehn Prozent
die Abogebühr von 59 Euro zahlen, sind das allein 8,2 Millionen Euro
an eingegangenen Forderungen."


Medienjuristen wie etwa Karl-Nikolaus Peifer, Direktor des Instituts
für Medienrecht der Universitàt Köln, gehen davon aus, dass arglose
Internetnutzer künftig nicht mehr so leicht davonkommen. Die Gerichte
könnten Verbrauchern durchaus zumuten, zu den Preisangaben am unteren
Seitenrand zu scrollen. Schließlich müssten Surfer inzwischen wissen,
dass eine Internetseite größer sei als der jeweilige
Bildschirmausschnitt.


Vertragsabschluss bestreiten


So argumentiert auch Ger Neuber, Sprecher der Staatsanwaltschaft
Darmstadt, wo noch etwa 5000 Verfahren gegen die Schmidtleins anhàngig
sind. Ein Großteil sei bereits eingestellt worden, da man keinen
Betrugstatbestand habe erkennen können. ,,Dass das moralisch nicht ganz
einwandfrei ist, steht auf einem anderen Blatt", meint Neuber.


Aufklàrung tut not. Die Verbraucherzentrale Hessen ràt grundsàtzlich
zur Gelassenheit, empfiehlt aber, in jedem Fall zu reagieren und den
Vertragsabschluss zu bestreiten. Auch wenn der Verbraucher davon
ausgeht, dass kein Vertrag zustande gekommen ist und er auch nicht
ordentlich über den Widerruf belehrt worden ist, sollte er diesen per
Einschreibe-Rückschein ,,höchst vorsorglich" widerrufen, ràt Beraterin
Katharina Lawrence. Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sind nicht
oder nur eingeschrànkt geschàftsfàhig. Für einen Vertrag brauchen sie
die Einwilligung der Eltern. Diese sollten laut Lawrence ihre
Einwilligung spàtestens dann schriftlich verweigern, wenn Post vom
Anwalt kommt.

Die Verbraucherzentralen haben eine bundesweite Online-Umfrage
,,Abzocke im Internet" gestartet. Bis zum 26. Oktober können Betroffene
anonym einen Fragebogen unter www.verbraucher.de abrufen. Hilfe
bekommen Verbraucher auch unter der Hotline 09 00/1/97 20 10. Die
Minute kostet 1,75 Euro.

golden-days.spaces.live.com/
 

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#1 Hermann
21/09/2007 - 15:14 | Warnen spam
Sandirya wrote:
Mausklick mit Folgen



https://www.sicher-im-netz.de/defau...en/default

Gruß

Hermann

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