Arafat und das Polonium

31/08/2012 - 04:42 von Ralf . K u s m i e r z | Report spam
X-No-Archive: Yes

begin Thread


Moin!

Natürlich weiß ich nicht, was ander Sache nun wirklich dran ist.

Die Fakten ergeben sich zunàchst einmal aus einem
Tagesanzeiger-Interview von Anfang Juli:
<http://www.tagesanzeiger.ch/ausland...67456>.
Bochud ist nun nicht irgendwer, wenn der etwas gemessen hat, dann hat
das wohl schon Hand und Fuß.

Was könnte er denn gemessen haben?

Zwischen dem mutmaßlichen Mordanschlag am 12. Oktober 2004 und einem
wahrscheinlichen Datum der Messung im ersten Halbjahr 2012 sind
ungefàhr 19 Halbwertszeiten vergangen, d. h. die Aktivitàt ist auf
irgendwas um e-6 zusammengeschnurrt. Und was bleibt da noch?

Litwinenko wurden ca. 2 GBq 210Po appliziert, das sind so um die 40
kBq/g Körperflüssigkeit. Etwas aufkonzentriert im Urin mag Bochud dann
noch ungefàhr 0,1-0,01 Bq Aktivitàt zur Verfügung gehabt haben -
reicht wohl notfalls für das Massenpektrometer. Er weißt zu Recht
darauf hin, daß 210Po auch natürlich vorkommt (es ist das vorletzte
Nuklid der Uran-Radium-Reihe). In der Natur steht es aber im
Gleichgewicht mit 210Pb.

Also wird man bei einer Exhumierung wohl das Verhàltnis
A(210Po)/A(210Pb) feststellen wollen, um herauszufinden, ob 210Po
(noch) signifikant oberhalb des 210Pb-Aktivitàtsniveaus liegt - das
wàre dann ein Beweis für eine Beibringung.

(Also, liebe Meuchelmörder: Das nàchste Mal bitte noch ein Prise 210Pb
mit in den Tee, das verschleiert dann die Spuren.)

Tàter - Motiv und Gelegenheit: Herkunft des Poloniums kann in den
erforderlichen Mengen nur eine Atommacht sein - aber welche? Die, die
offensichtlich in Frage kommt, kann auch die sein, der man es
offensichtlich in die Schuhe schieben möchte; das führt nicht weiter.
Sie müssen sie auch nicht einmal freiwillig geliefert haben: Es gibt
Gerüchte über Diebstàhle.

(Sehr theoretisch kommt man auch ohne Reaktor (oder
Teilchenbeschleuniger) an Polonium: man kann es aus Natururangestein
extrahieren, und man kann es mit Hilfe einer anderen Neutronenquelle
(z. B. Alpha-Beryllium-Quelle) auch erbrüten. Ich habe allerdings mal
abgeschàtzt, daß man dafür einige 100 GBq Alphastrahler zur Verfügung
haben müßte. Das ist nicht sehr realistisch.)

Im Prinzip könnte auch jemand heimlich einen Reaktor bauen: Mit
Natururan wird es ein bißchen schwierig, weil man für eine kritische
Konfiguration wohl schon ein paar Tonnen Schwermetall sowie eine Menge
sehr reines Graphit braucht. (Schweres Wasser heißt hingegen so, weil
es wohl eher schwer zu beschaffen ist.) Aber mit der für eine Bombe
ausreichenden Kernbrennstoffmenge geht es natürlich deutlich kleiner:
Nulleistungsreaktoren kann man mit unter einem Kilogramm
hochangereichertem Uran bauen. Bei geringer Leistung oder knapp
unterkritisch sind das auch sehr starke Neutronenquellen.

Ob es Ergebnisse geben wird - man muß abwarten.


Gruß aus Bremen
Ralf
R60: Substantive werden groß geschrieben. Grammatische Schreibweisen:
adressiert Appell asynchron Atmosphàre Autor bißchen Ellipse Emission
gesamt hàltst Immission interessiert korreliert korrigiert Laie
nàmlich offiziell parallel reell Satellit Standard Stegreif voraus
 

Lesen sie die antworten

#1 Helmut Wabnig
31/08/2012 - 10:25 | Warnen spam
On Fri, 31 Aug 2012 04:42:20 +0200, "Ralf . K u s m i e r z"
wrote:

X-No-Archive: Yes

begin Thread


Moin!

Natürlich weiß ich nicht, was ander Sache nun wirklich dran ist.

Die Fakten ergeben sich zunàchst einmal aus einem
Tagesanzeiger-Interview von Anfang Juli:
<http://www.tagesanzeiger.ch/ausland...67456>.
Bochud ist nun nicht irgendwer, wenn der etwas gemessen hat, dann hat
das wohl schon Hand und Fuß.

Was könnte er denn gemessen haben?

Zwischen dem mutmaßlichen Mordanschlag am 12. Oktober 2004 und einem
wahrscheinlichen Datum der Messung im ersten Halbjahr 2012 sind
ungefàhr 19 Halbwertszeiten vergangen, d. h. die Aktivitàt ist auf
irgendwas um e-6 zusammengeschnurrt. Und was bleibt da noch?

Litwinenko wurden ca. 2 GBq 210Po appliziert, das sind so um die 40
kBq/g Körperflüssigkeit. Etwas aufkonzentriert im Urin mag Bochud dann
noch ungefàhr 0,1-0,01 Bq Aktivitàt zur Verfügung gehabt haben -
reicht wohl notfalls für das Massenpektrometer. Er weißt zu Recht
darauf hin, daß 210Po auch natürlich vorkommt (es ist das vorletzte
Nuklid der Uran-Radium-Reihe). In der Natur steht es aber im
Gleichgewicht mit 210Pb.

Also wird man bei einer Exhumierung wohl das Verhàltnis
A(210Po)/A(210Pb) feststellen wollen, um herauszufinden, ob 210Po
(noch) signifikant oberhalb des 210Pb-Aktivitàtsniveaus liegt - das
wàre dann ein Beweis für eine Beibringung.

(Also, liebe Meuchelmörder: Das nàchste Mal bitte noch ein Prise 210Pb
mit in den Tee, das verschleiert dann die Spuren.)

Tàter - Motiv und Gelegenheit: Herkunft des Poloniums kann in den
erforderlichen Mengen nur eine Atommacht sein - aber welche? Die, die
offensichtlich in Frage kommt, kann auch die sein, der man es
offensichtlich in die Schuhe schieben möchte; das führt nicht weiter.
Sie müssen sie auch nicht einmal freiwillig geliefert haben: Es gibt
Gerüchte über Diebstàhle.

(Sehr theoretisch kommt man auch ohne Reaktor (oder
Teilchenbeschleuniger) an Polonium: man kann es aus Natururangestein
extrahieren, und man kann es mit Hilfe einer anderen Neutronenquelle
(z. B. Alpha-Beryllium-Quelle) auch erbrüten. Ich habe allerdings mal
abgeschàtzt, daß man dafür einige 100 GBq Alphastrahler zur Verfügung
haben müßte. Das ist nicht sehr realistisch.)

Im Prinzip könnte auch jemand heimlich einen Reaktor bauen: Mit
Natururan wird es ein bißchen schwierig, weil man für eine kritische
Konfiguration wohl schon ein paar Tonnen Schwermetall sowie eine Menge
sehr reines Graphit braucht. (Schweres Wasser heißt hingegen so, weil
es wohl eher schwer zu beschaffen ist.) Aber mit der für eine Bombe
ausreichenden Kernbrennstoffmenge geht es natürlich deutlich kleiner:
Nulleistungsreaktoren kann man mit unter einem Kilogramm
hochangereichertem Uran bauen. Bei geringer Leistung oder knapp
unterkritisch sind das auch sehr starke Neutronenquellen.

Ob es Ergebnisse geben wird - man muß abwarten.


Gruß aus Bremen
Ralf




Die Unterhose könnte auch nachtràglich pràpariert worden sein.
Im Iran gibt es genug Fachleute die sich auskennen.


w.

Ähnliche fragen