BB: Mit dem Fernglas auf Galaxienjagd

11/02/2008 - 19:53 von Thomas Nordhaus | Report spam
Hallo! Für die Beobachter unter euch.

Beobachtungszeit: Samstag 9.2. 20:30 - 1:30
Ort: Beobachtungswiese auf dem "Bühl" im kl. Bayerwalddorf
Himmel: Ca. 6m fst, Wintermilchstraße als silbriges Band
Geràt: Nikon EX 10x50 CF freihàndig, sitzend

Die letzten Nàchte lieferten ja Super Beobachtungsbedingungen, dazu noch
Neumond - wann hat es so erwas zuletzt gegeben? Mit FG,
Star-Guide-Katalog, Karkoschka, Rotlicht und dig. Voicerecorder im
Rucksack sowie zwei stapelbaren Gartenstühlen (0815, leicht und
praktisch) geht's zunàchst etwa 400m aus dem Dorf heraus auf den Hügel.
Die Wiese ist schön von Bàumen eingerahmt und bietet mir Rundumsicht -
im Süden sogar direkt bis zum Horizont.

1. TEIL

Als erstes habe ich mir eine Premiere vorgenommen: Galaxien im großen
Bàren und in den Jagdhunden. Bisher kannte ich nur M51 und M101 im
Dobson - die anderen, besonders M81/82 hatte ich noch nie beobachtet!
Eine richtige astronomische Bildungslücke also ;) Ich bin schon ganz
aufgeregt - der große Bàr ist "Neuland". Beobachten tue ich sonst
Richtung Süden. Es ist, als ob man zum ersten Mal im Ausland ist: alles
kommt einem neu und exotisch vor. Zunàchst einmal gilt es sich zu
orientieren.

Der große Wagen erstreckt sich senkrecht aufsteigend im Nordosten. Ich
verlàngere zuàchst mal delta und alpha bis zum Stern 23. Dann knicke ich
nach links ab zum Stern 24. Die Aufsuchkarten im Karkoschka finde ich
diesmal nicht so gelungen, der Starguide hilft mir besser. Beim Stern 24
biege ich wieder links ab und lasse ein Sternenmuster um den 5m.7 hellen
Stern HR3838 herum rechts liegen.

M81 / M82 (S.9 im Starguide): Da liegen sie dann! Ein schönes Ensemble.
Bisher die hellsten und größten Galaxien im Fernglas (M31, M32, M33 mal
ausgenommen). Die Ausrichtung der beiden ist gut zu erkennen. Rechts
neben M81 (d.h. in der Verlàngerung der Galaxien M82 - M81) scheint mir
etwas nebliges zu sein. Kartenstudium im Nachhinein deutet auf zwei
schwàchere Sterne der 9. Größe hin, die im Außenbereich von M81 liegen
und dadurch vielleicht neblig wirken?. Muss ich beim nàchsten Mal
nochmal prüfen! Links neben M82 fàllt mir noch ein kleines Sternentrapez
auf.

M51 (S.25): Einfach zu finden. Bei Eta UMa (Benetnatsch) einfach
senkrecht nach links von der Linie Zeta (Mizar) - Eta abknicken. Dort
steht M51 am unteren Ende eines "Triangels" aus drei Sternen der Größe 7
bis 8. Notiert habe ich mir nur "recht deutlich zu erkennen". Vielleicht
sollte ich beim nàchsten Mal genauer hinschauen? ;)

M101 (S.25): Den kannte ich bereits "mit dem Dobson". Ich verlàngere
Mizar und "das Reiterlein" und stoße auf eine Sternenkette von 4
Sternen: 81, 83, 84 und 86. Dann biege ich rechts ab. Ein schwacher aber
ziemlich großer Nebel - schwàcher als M33.

M63 (S.25): Ich starte bei Alpha in den Jagdhunden (Canes Venatici, CVn)
und knicke rechts von der Linie beta - alpha CVn ab. Man stößt auf einen
hübsches, von den Sternen 19, 20, 23 und HR4997 der 4. bis 5. Größe
gebildeten Asterismus. Ca. 1,5° nördlich liegt sehr deutlich die
Galaxie. Ich kann einen Stern ganz in der Nàhe erkennen.

M94 (S.25): Heute scheine ich die Galaxien wie reife Äpfel vom Himmel
pflücken zu können! M94 liegt mittig etwas abseits der Linie beta -
alpha CVn. In der Nàhe fàllt mir eine Kette kleiner Sterne auf, die wie
ein Mini-Kleiner-Wagen aussieht. M94 kann ich indirekt erkennen, sie
wirkt etwas wie ein nebliger Stern.

M106 (S.25): Die Gegend zwischen beta CVn und gamma UMa ist ein wahres
Galaxienfeld laut Starguide. M106 erwandere ich auf eben dieser
Verbindungslinie. Dort steht sie etwa in der Mitte neben einem rel.
hellen Stern. Sie kommt mir "sehr hell" vor (laut Protokoll).

Das war ein voller Erfolg und ich lege jetzt (22:00) eine Pause ein.
Packe alles zusammen, lasse die Stühle aber stehen. Im Fernsehen kommt
ein Spielfilm über eine Marsexpedition. Ist aber langweilig. Nach einer
halben Stunde zieht's mich wieder auf den Bühl.

2. TEIL

Schwerpunkt sollen diesmal die Galaxien im Löwen sein. Da der Löwe aber
noch nicht optimal steht schaue ich mich - wieder einmal - in den
Zwillingen um. Hier gibt es einige Sternhaufen, die ich aus dem "TUBA"
von Phil Harrington entnommen habe.

Sie sind allerdings fast alle (Ausnahme natürlich M35) sehr schwach und
ich kann sie nur mit indirektem Sehen + Bewegung erkennen.

NGC 2266 (S.55): Dieser Sternhaufen ist nicht im TUBA, ich habe ihn aus
dem Starguide. Er wirkt wie ein winziger nebliger Fleck direkt bei einem
Stern - könnte interessant für ein größeres Geràt sein.

M35 (S.55): Pràchtig. Wirkt ziemlich eckig. Ich kann etwa vier Sterne in
ihm erkennen - oben zwei hellere unten 2 zwei etwas schwàchere (laut
Protokoll). In der Verlàngerung Richtung 1 Gemini erkenne ich etwas
nebliges. Ich bin mir aber nicht mehr sicher, ob es NGC 2158 ist - der
ist doch recht klein und schwach - muss ich nochmal beobachten.

NGC 2331, 2420, 2395, 2355 (S.55): Alles schwache Sternhaufen an der
Beobachtungsgrenze. Die sollte ich weiter im Auge behalten. ;)

NGC 2392 (S.55): Der Eskimonebel. Um ihn zu finden, wandere ich erstmal
von kappa nach delta Gemini. Kurz vor delta liegt etwas südlich ein
markanter Halbkreis ("Krone") von Sternen. die beiden hellsten
verlàngere ich und komme in das Zielgebiet.

Mit Hilfe des Starguide finde ich dort einen Stern, der indirekt
betrachtet etas neblig wirkt. In Wirklichkeit setzt sich dieser "Stern"
aber aus einem richtigen etwa 8.3m hellen Stern und dem Eskimonebel
zusammen. Beide sind etwa 1.5 Bogenminuten voneinander entfernt. Das
lernte ich aber erst nach einer vorhergehenden Beobachtung mittels
Cartes du Ciel. Mit diesem Wissen gelingt es mir dann gezielt danach zu
schauen und die beiden zu trennen. Ein nettes Beobachtungserlebnis!

Intermezzo: Mir fallen links neben Sirius, fast ganz bis zum Horizont
verlaufend, helle Sternenketten auf. Das ist das Sternbild Puppis. Ich
halte einfach mit dem FG drauf und erkenne gleich einen hellen
Sternhaufen. Unterhalb stehen zwei eng benachbarte Sterne. Hübsch! Einer
davon ist orange. Im Nachhinein schlage ich nach, was ich beobachtet
habe. Es ist M93 und die Sterne sind xi Puppis nebst Begleiter.

Bevor ich an den Löwen gehe ist der Krebs "dran".

M44 (S.54): Leicht mit bloßem Auge zu erkennen. Eingerahmt von vier
Sternen. In M44 erkennt man eine Reihe von Doppelsternen. Einfach ist
epsilon Cnc. Rechts daneben steht Burnham 584. Er ist recht einfach als
Doppelstern zu erkennen - ist aber ein Dreifachstern! (45" und 93"). Es
dauert,bis ich die drei getrennt habe - freihàndig (abgestützt) ist das
nicht so einfach.

Ich schaue mir noch M67 (hübsch, fast aufgelöst mit einem hellen Stern
mitten drin) an und gehen dann in den Löwen.

M65, M66 (S.75): Leicht zu finden. Südlich von Theta in einem Asterismus
bei 73 Leo. M66 ist "leicht" zu erkennen - OK, schwach und neblig, aber
eindeutig, sogar direkt. Ich kann die Ausrichtung erkennen. Die Achse
liegt etwa auf der Verbindungslinie zwischen zwei Sternen des
Asterismus. M65 geht nur indirekt - mehr Vergrößerung wàre nicht
schlecht ;\)

M95, M96, M105 (S.76). Liegen zwischen 52 und 53 Leo. Etwas schwierig zu
finden, da Saturn "stört" - er mischt das Sternbild auf ;) . Direkt
südlich von 52 liegt eine Kette von etwa 6 Sternen. Dort sollen sie
liegen, die Galaxien. Ich kugel mir aber ziemlich die Augen aus auf der
Suche nach M95, M96. Benutze alle möglichen Leitsterne, die ich verbinde
und ziele. Dummerweise kommt immer wieder der helle Saturn ins Blickfeld
- der blendet richtig! Schließlich finde ich die beiden mit indirektem
Schauen und leichten Bewegen des Fernglases. Sie bewegen sich synchron
auf und ab. M105 "sehe" ich auf gleiche Weise auch - wirkt eher wie ein
schwacher Stern (?). Trotzdem alles hart an der Grenze des
Wahrnehmbaren. Es kommt mir vor, als wollte ich eine Stecknadel in einem
hermetisch abgedunkeltem Raum finden.

NGC 2903 (S. 53). Ich brauche ein "richtiges" Erfolgserlebnis. Diese
Galaxie ist leicht (erstaunlich, dass sie Messier nicht aufgefallen
ist). Etwas südlich von Lambda Leonis. (Allerdings suche ich zunàchst
erfolglos in der Nàhe von epsilon... ) Die Galaxie bildet einen Eckpunkt
in einem kleinen Trapez von Sternen. Mit Bewegen ist sie gut zu
erkennen. Ich meine auch so etwas wie einen Stern aufblitzen zu sehen.

So! Gegen 1:30 ist jetzt aber wirklich Schluß. Im Stehen halte ich noch
mal auf den großen Bàren und habe prompt M81 / M82 im Bild. So einfach
kann's sein ;)
Thomas Nordhaus
 

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#1 Frank Feger
13/02/2008 - 22:28 | Warnen spam
Thomas Nordhaus schrieb:

Bisher kannte ich nur M51 und M101 im
Dobson - die anderen, besonders M81/82 hatte ich noch nie beobachtet!



Wo die doch leichter als M81/82 zu beobachten sind ...

M51 (S.25): Einfach zu finden. Bei Eta UMa (Benetnatsch) einfach
senkrecht nach links von der Linie Zeta (Mizar) - Eta abknicken. Dort
steht M51 am unteren Ende eines "Triangels" aus drei Sternen der Größe 7
bis 8. Notiert habe ich mir nur "recht deutlich zu erkennen". Vielleicht
sollte ich beim nàchsten Mal genauer hinschauen? ;)



Ist fürs Fernglas IMHO etwas klein.


Grüße,

F^2


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