Beati pauperes spiritu

14/10/2015 - 18:08 von WM | Report spam
Das von Elias Holl gebaute Rathaus der Stadt Augsburg ist der bedeutendste Profanbau der Renaissance nördlich der Alpen und auch technisch eine Meisterleistung: Bei seiner Fertigstellung im Jahre 1624 galt es als weltweit einziges bestehendes Gebàude mit mehr als sechs Stockwerken. Seine Größe und Pracht ist Ausdruck des Selbstbewusstseins der reichen Bürgerschaft einer der àltesten und schönsten Stàdte Deutschlands: Augusta Vindelicorum.

http://de.wikipedia.org/wiki/Augsburger_Rathaus
http://www2.augsburg.de/index.php?id“6

Das Rathaus bildet zusammen mit dem benachbarten Perlachturm den Mittelpunkt der historischen Altstadt. Dieser Turm wurde von Holl im Stil der Renaissance umgestaltet und auf 70 Meter erhöht.

http://de.wikipedia.org/wiki/Perlachturm
http://www2.augsburg.de/index.php?id“5

Für den Flugpionier Salomon Idler bedeutete es also ein großes Risiko, von der Spitze des Turms herunterzufliegen. Trotzdem bat er im April des Jahres 1665 um die Erlaubnis dazu. Die Meistersinger von Augsburg widersprachen diesem Ansinnen allerdings heftig und diskreditierten den "Bürger und Schuhmacher dahier" beim Magistrat der Reichsstadt als "hirnlos und luftsinnig", zeigten also das bis heute für die grölende Meute typische Verhalten. Der Streit gelangte indessen nicht zur Entscheidung und Salomon Idler nicht zum vorzeitigen Tode, weil ein Geistlicher ihm riet, zur Übung zunàchst einmal von unten auf den Turm hinaufzufliegen. Solche überraschenden Wendungen sind oft die Lösung lange schwelender Probleme. Und damit kommen wir zum Thema. Mengenlehre.

Anstatt einfach willkürlich, unbegründet und mit intellektuellem Todesmut das Auswahlaxiom als Axiom auszuwàhlen, wàre es doch viel überzeugender, den umgekehrten Weg zu beschreiten und diese Auswahl durch eine konkrete Wohlordnung einer unordentlichen Menge zu rechtfertigen.

Auf denn, Jünger Zermelos, frisch ans Werk mit Lukas 11.10: Wer da suchet, der findet, und wer anklopfet, dem wird aufgetan. Und sollte jemand auch nach dem gànzlichen Scheitern seiner Wohlordnungs- und Auswahlbemühungen immer noch an einen Sinn des Auswahlaxiom glauben, so bleibt als Trost Matthàus 5.3: Beati pauperes spiritu, quia ipsorum est regnum coelorum.

Und wenn noch ein Rat erlaubt ist: Ich halte es für erfolgversprechender, mit zwei Aldi-Tüten als Flügel das Fliegen zu versuchen. Aber immer von unten starten!

Gruß, WM
 

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#1 Rudolf Sponsel
15/10/2015 - 09:54 | Warnen spam
Am 14.10.2015 um 18:08 schrieb WM:
Das von Elias Holl gebaute Rathaus der Stadt Augsburg ist der bedeutendste Profanbau der Renaissance nördlich der Alpen und auch technisch eine Meisterleistung: Bei seiner Fertigstellung im Jahre 1624 galt es als weltweit einziges bestehendes Gebàude mit mehr als sechs Stockwerken. Seine Größe und Pracht ist Ausdruck des Selbstbewusstseins der reichen Bürgerschaft einer der àltesten und schönsten Stàdte Deutschlands: Augusta Vindelicorum.


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"..., weil ein Geistlicher ihm riet, zur Übung zunàchst einmal von unten
auf den Turm hinaufzufliegen. ..."
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Genial. Diese Problemlösung hàtte Watzlawick gut gefallen; na ja,
vielleicht kannte er sie ja, der Mann war extrem gebildet.

Hast Du schon mal das verwickelte Knàuel Auswahlaxiom, Zornsches Lemma
und den Wohlordnungssatz durchforstet (wechselseitige Äquivalenz
einerseits, AC Voraussetzung andererseits: wie kann b a àquivalent sein,
wenn b a voraussetzt?)?

Gruß:
Rudolf Sponsel, Erlangen

Gruß, WM

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