Blitzeinschlag im See

23/06/2010 - 10:36 von Kathrin Jeske | Report spam
Hallo zusammen,

bei einem Waldsee-Besuch haben wir kürzlich folgende Frage diskutiert:
Wenn bei einem Gewitter ein Blitz in einen See einschlàgt, wie gefàhrlich ist es dann im Wasser am anderen Ende des Sees?
Dass man das Wasser verlassen sollte, ist natürlich klar.

Aber aus wissenschaftlicher Neugier:
Wie weit breitet sich die Elektrizitàt tatsàchlich aus? Sie sollte doch eigentlich den direkten Weg nach unten zur Erde (also Boden des Sees und dann weiter Richtung Erdmittelpunkt) wàhlen, oder?

Ich stelle mir vor, dass das Wasser den Widerstand des menschlichen Körpers zwar dezimiert, aber dies tut es ja gleichermaßen für den Weg direkt nach unten (von der Einschlagsstelle bis zum Seeboden)..

Verhàlt es sich genauso, wenn man auf einem Steg sitzt, und nur ein Bein im Wasser hat? :)

Vielen Dank für eine Erleuchtung!
Kathrin
 

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#1 Marcel Müller
23/06/2010 - 11:32 | Warnen spam
Kathrin Jeske wrote:
Aber aus wissenschaftlicher Neugier:
Wie weit breitet sich die Elektrizitàt tatsàchlich aus? Sie sollte doch eigentlich den direkten Weg nach unten zur Erde (also Boden des Sees und dann weiter Richtung Erdmittelpunkt) wàhlen, oder?



Nein. Das geht vom Einschlagspunkt in alle Richtungen davon, genau wie
im Erdboden. Man kann in der nàheren Umgebung in guter Nàherung mit
einer Halbkugelförmigen Verbreitung rechnen.
Wenn der See natürlich sehr flach ist, dann gilt eben die gleiche Regel
im Boden.

Ich stelle mir vor, dass das Wasser den Widerstand des menschlichen Körpers zwar dezimiert,



Der Widerstand im Körper ist vernachlàssigbar. Der einzige große
Widerstand ist die Haut. Und deren Widerstand wird durch Wasser um
mehrere Zehnerpotenzen herabgesetzt. Heißt der Körper ist praktisch
vollflàchig mit dem umgebenden Wasser verbunden. Zudem ist seine
Leitfàhigkeit etwas besser als Süßwasser, weshalb er den Strom noch
etwas konzentriert. (Bei Salzwasser ist es anders herum.)

aber dies tut es ja gleichermaßen für den Weg direkt nach unten (von


der Einschlagsstelle bis zum Seeboden)..

Nix nach unten. Alle Richtungen.
Und jetzt kann man sich in etwa ausrechnen, wie weit man vom
Einschlagsort entfernt sein muss, damit die Stromstàrke von der
Größenordnung 100kA auf ungefàhrliche Milliampere im Körper sinkt. Es
hàngt wegen der Salzkonzentration im Körper auch von der Orientierung im
Bezug auf den Einschlagsort ab.
Ich würde grob schàtzen, dass man so 50-500m weg sein muss. Das sind
dann im Körper ganz grob die Größenordnung 1A/m². Über einen làngeren
Zeitraum wàre das sicher problematisch, aber der Blitz ist ja recht
schnell durch.

Aber bei aller Diskussion, das Risiko, zu ertrinken wird bei der
gegebenen Witterung das Risiko eines Todes durch Stromschlag bei weitem
übertreffen.

Verhàlt es sich genauso, wenn man auf einem Steg sitzt, und nur ein Bein im Wasser hat? :)



Mit einem Bein im Wasser auf einem isolierenden Steg besteht keine
Gefahr. Abgesehen davon, dass man danach erstmal vorübergehend blind und
taub ist und die Druckwelle des verdampften Wassers vorbeikommt, was zu
Folgeschàden führen kann.
Wenn der Steg selbst leitet (nass, Metall), sieht die Sache hingegen
schlecht aus.


Marcel

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