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CMOS-Kochbuch, 20 Jahre de.sci.electronics, oder: Warum schlachte ich TTL-Gräber aus?

28/02/2014 - 22:08 von Wolfgang Schreiber | Report spam
Vorweg: das hier wird eher philosophisch als elektronisch. :)

Ich gehöre zu der Generation, für die ein Telefon ein fest mit der
Wanddose verschraubtes kabelgebundenes Geràt ist und alles, was sich
unter Aufbringung großer Körperkràfte vom Platz bewegen làßt als
"tragbar" galt. Ein BC 107 B ist Inbegriff von Modernitàt.

Neulich fiel mir, ziemlich zeitgleich mit dem 20-jàhrigen Jubilàum von
d.s.e., an einem Büchertauschregal das CMOS-Kochbuch von 1980 in die
Hànde. Erschütternderweise mit einem Bücherei-Stempel "Ausgeschieden.
Inhaltlich veraltet." Welch Frevel! Ich fand es spannend genug, um es
mitzunehmen und mal durchzublàttern. Seit Online-Datenblàttern sind die
aufgelisteten Bausteine natürlich wenige und lückenhaft. Dennoch
versetzte mich bereits das Innere des CD 4000 in Verzückung: Zwei
dreifach NOR-Gatter und ein Inverter. Zu meiner Beschàmung habe ich
offenbar in den letzten Jahrzehnten nicht einmal diesen Baustein nàher
betrachtet, denn sonst wàre mir sein ungewöhnliches Innenleben vertraut.
Schließlich ist er der Namensgeber der 4000er-Reihe, und beim 7400 weiß
ich was drin ist.

Beim Weiterblàttern fand ich die Bausteine je komplizierter desto span-
nender. Ich muß gestehen: àhnliche Erregung befàllt mich, wenn mir
alte Platinen in die Hànde fallen. Gesockelte Bausteine sind sich der
Einverleibung in meine Sammlung sicher. Bei eingelöteten Exemplaren
berausche ich mich am Nachschlagen der Daten, und wenn sie kompliziert
genug sind (oder der Neupreis bei Conrad hoch, was jedoch praktisch
immer sicher ist), tue ich mir die Mühe an und löte sie aus. Aktuell
steht ein SN5400 vor dieser Prozedur: -55 bis +125°C Betriebsbereich,
uuuuh! :)

Nun habe ich aber langsam eine Kiste mit alten ICs (von den passiven
Bauteilen reden wir mal lieber nicht ;) angesammelt, die Dagobert Ducks
Geldspeicher Konkurrenz zu machen droht. Teils liegen die Preise ja auch
àhnlich, für 1g TCA 965 gibts 10-20 Euro aufwàrts. Ein Geldbad dürfte
aber etwas schmerzhaft werden.

Aktuell spiele an kleineren Geschichten mit Raspberry und Arduino herum,
und was immer an verwendbarem Endergebnis herauskommt: Ich werde dafür
keine X-NOR- oder siebenfach-NAND-Gatter brauchen. Auch nicht die Z80A-
CPU mit kompletter Entourage (PIO, RAM etc.) die ich unlàngst aus ihren
Sockeln befreite.

So frage ich mich also: Warum mache ich das? Was will ich mit dem ganzen
Zeug? Ist das so àhnlich wie die Geschichte von dem amerikanischen
Kriegsgefangenen, der nach Jahren vom Vietcong freikam und seither in
seinem Haus auf -zig Zentnern Reis, Mais und anderen Lebensmitteln
sitzt, weil er nie wieder hungern möchte?

Ein (unbekannter) Bruder im Geiste hat offenbar die Lösung gefunden:
Auf einem Sperrmüllhaufen sah ich kartonweise ausgelötete Bauteile,
augenscheinlich aus den 80ern und früher. Allein der Strom für den
Lötkolben muß signifikante Kosten verursacht haben.
Es waren auch ein Dutzend originalverschweißte russische Transistorsets
darunter. Vermutlich einst bei Völkner bestellt. :)

Ich weiß nicht, ob ich mich zu diesem radikalen Schritt entschließen
kann. Immerhin habe ich von dem Haufen nur Tausende teure Folien-
kondensatoren mitgenommen. Irgendwie muß das Zeug wohl selber ausgelötet
sein um der Einverleibung in die Sammlung würdig zu sein. Naja, ok, die
vielen Laborkabel gingen auch mit. ;)

Hm, vielleicht ist das Ganze ja einfach ein Hobby? :) Briefmarkensammler
haben es leichter zu erklàren, warum sie alles von Briefen ablösen,
was bunt ist.

Ich laß das jetzt einfach mal so im Raum stehen...
 

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#1 Izur Kockenhan
28/02/2014 - 23:16 | Warnen spam
Mache Dir keine Sorgen, ich habe auch mehrere solcher Lager, aber die haben
Namen, nàmlich Digikey, Reichelt, Bürklin, u.s.w.. Ich nehme an, die Kosten
die Dir anfallen beim Ausbauen, die muss ich aufbringen beim Einkaufen.

Oder?

Izur Kockenhan

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