Das Anti-Gedaechtnis und die nachtraegliche Nicht-Ablichtung

08/03/2016 - 00:16 von Ewald Pfau | Report spam
Als da es mir auf Techdirt gerade entgegenschwirrt,

<https://www.techdirt.com/articles/2....shtml>

("French Parents Face Fines, Lawsuits And Prison For Posting Pictures Of Their
Own Children Online")

bzw: <http://kuerzer.de/L10DHPINO>

komme ich über die Logik-Knoten in der ganz normalen Alltags-Schizophrenie
ins Stolpern, vor allem, wenn sie handfeste Sanktionen in der Rückhand hàlt.

In Frankreich muss man also damit rechnen, wenn man einst Bilder von seinen
Jüngsten gemacht und diese hergezeigt hatte, dass man viel spàter daraufhin
saftig verklagt werden kann.

Das Recht, dass jemandes Kindheit dem Vergessen anheimfàllt, wird also
wichtiger, als der einfachen Wahrheit Genüge zu tun, dass jede Person auch
einmal jünger war, als solche Person irgendwo in einem sozialen Umfeld
faktisch wahrnehmbar, als Zeugnis historischer Wahrheit ein reales Subjekt
in einer anderen Zeit.

Ich versuche mir anhand dessen, dass es Fotografie gibt, die Beschaffenheit
eines nachtraeglichen Nicht-Fotos zu imaginieren, ich schaff's aber nicht.

Vielleicht bin ich nicht flexibel genug, oder überhaupt zuwenig positiv, um
jede beliebige Blödheit gleich, mutwillig die Welt von ihren Tatsachen
entfremdend, gedanklich mit Phantasmen ausfüllen zu können.

Vielleicht ist mein Lebenswandel zu weit von den mythischen Gestalten und
den Traumgespinsten entfernt, mit denen die Massenmedien und die
Pop-Industrie zu solcher Ausgeburt von behaupteter nachtràglicher
Nicht-Existenz als Lieferant von Qualitàtskriterien wird herhalten können,

.. Wahrheitsschablone im sechsten Rosarot kurz vor der Tiefsee,

oder so, um mal die Phantasie auf Trab zu bringen, wo man sich aufhalten
muss, um überhaupt einen Zugang zu bekommen zu den Windungen, derer es
bedarf, um in ein nàheres Verstàndnis einzutauchen.

****

Eher passend fand ich dann eine Auflösung in Gestalt dieser Darstellung:

<http://dissidentvoice.org/2016/03/f...tuals/>

("France’s Police State Cannibalizes Its Intellectuals" by Catherine Shakdam
.. etwa: Frankreichs Polizeistaat frisst seine Intellektuellen)

bzw: <http://kuerzer.de/T717pmd8N>

bezogen auf die Tradition eines stolzen Vermàchtnisses von Intellektuellen
aus Frankreich seit der bürgerlichen Aufklàrung, die mit der sogenannten
Postmoderne und deren Schauspielereien dann wohl abgerissen ist, aus der
Gegenüberstellung der Freiheit der offenen Rede und dem Schweigen im
stumpfen Trott einer Schafherde. Da hatte ein Lehrer unbefangen, und kundig
mit seinem Fachwissen, zu den amtlicherseits diktierten Mythen von der
Notstandshysterie elaboriert.

Zu letzterem wiederum vielleicht aufschlussreich die kleine Sammlung, die
bei MAI aufgelegt wurde:

<http://www.medienanalyse-internatio...s.html>

("November-Attentate in Paris 2015") - um die Chose von den Gespenstern der
Hysterie ein klein wenig per Faktensammlung zu erden.

****

Und was bildet nun den Zusammenhang mit der Verordnung zur nachtràglichen
Etablierung von Nichtbildern?

Es ist frappierend, zu sehen, wie billig die Leute ihr einfaches Recht
hergeben, dass sie schlicht ihren Verstand bemühen.

Wobei die nàherliegende Frage vielleicht eher wàre, welches denn bitte die
Strategie dahinter sein soll, so ein Gesetz den Menschen hineinzuwürgen,
wonach jedes Foto, auf dem Personen zu sehen sind, stets sehr leicht auch
den Ruin des Fotografen bedeuten kann.

Nun, mir scheint, im Zusammenhang mit dem Artikel zu dem eigentlich
unauffàlligen Lehrer, naheliegenderweise:

dass sich der Staat als Potentat aufspielt, der sich bei der Klientel
einschmeichelt (dem Teil, dem Verstandesgebrauch oft zu mühsam ist),

um die Einschrànkung der Bürgerrechte leichter schmackhaft zu machen,
unter dem Gesichtspunkt,

dass die einfache empirische Evidenz korrumpierbar wird,
wenn es gefàhrlich wird,
dass hergezeigt werden könnte:

schau! hier! da war jemand!,

das wird um den Preis kompromittiert, dass der Autor ruhiger schlafen kann,

mit den Kosten, dass der Staat rechthaben darf damit,
Wahrheit zu unterdrücken ...

und jeder soll und darf mitmachen,
bei solcher Jagd auf die Unterschlagung des Augenscheinlichen.

Was interessiert dann schon der lange Faden der Evidenz des Empirischen (die
Augenscheinlichkeit des Wahrnehmbaren), dass sich daran die Strànge von
Geschichtlichkeit aufzàumten,

wenn man rein per Diktat,
und herumdrehen und tricksen und vertuschen,
das auch ganz anders haben kann, was der Nachwelt erhalten bleibt?

Ein Loblied also, auf Korruption und Verlogenheit, als Grundstein der
Überlieferungen, mit denen sich die Nachkommenden dann herumschlagen dürfen.

oder sind das nur die Erben des no-future!-Fatalismus? nun in feinem Tuch
und mit schlimmer Verfügungsgewalt ausgestattet?

So mal diese kleine Collage vom Alltàglichen vom Beginn des seltsamen
Jahrhunderts, eigentlich die Bilderwelt betreffend, aber sonst auch, usw.

Verglichen mit solchen Konglomeraten aus gedanklichen Verirrungen ist ja
Deutschland nun geradezu nett, gegen Frankreich, und auch GB, gehalten, wo
man un vielerlei auch nicht weiter schúrfen darf, dass einem nicht eine
miese Brühe entgegenschwappt ... dafür führen da die Leute wieder andere
sehr eigenartige Stücke auf, und vor allem, sie sind nicht nur heimliche,
sondern faktisch wirkliche Vasallen, im Konzert der verblassenden Glorie des
Westens. Nun ja.
 

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#1 Johannes Leckebusch
08/03/2016 - 00:26 | Warnen spam
Am 08.03.2016 um 00:16 schrieb Ewald Pfau:
Als da es mir auf Techdirt gerade entgegenschwirrt,

<https://www.techdirt.com/articles/2....shtml>

("French Parents Face Fines, Lawsuits And Prison For Posting Pictures Of Their
Own Children Online")

bzw: <http://kuerzer.de/L10DHPINO>

komme ich über die Logik-Knoten in der ganz normalen Alltags-Schizophrenie
ins Stolpern, vor allem, wenn sie handfeste Sanktionen in der Rückhand hàlt.



Ich frage mich manchmal, ob man eigentlich seine Elter im Alter so
behandeln darf, wie die mit einem als Kind umgegangen sind.

Man könnte aber auch fragen, ob man sein Kind nicht auffordern darf,
gefàlligst in den Mutterleib zurückzukehren und schlußendlich Eizelle
und Samenfaden wieder auszuhàndigen.

In Frankreich muss man also damit rechnen, wenn man einst Bilder von seinen
Jüngsten gemacht und diese hergezeigt hatte, dass man viel spàter daraufhin
saftig verklagt werden kann.

Das Recht, dass jemandes Kindheit dem Vergessen anheimfàllt, wird also
wichtiger, als der einfachen Wahrheit Genüge zu tun, dass jede Person auch
einmal jünger war, als solche Person irgendwo in einem sozialen Umfeld
faktisch wahrnehmbar, als Zeugnis historischer Wahrheit ein reales Subjekt
in einer anderen Zeit.

Ich versuche mir anhand dessen, dass es Fotografie gibt, die Beschaffenheit
eines nachtraeglichen Nicht-Fotos zu imaginieren, ich schaff's aber nicht.



(... das muss ich mir ein andermal genauer durchlesen ...)


Johannes Leckebusch - AR3

Spaziergànger, Schreiber, Fotokünstler

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