Das Gedächtnis der Fotografie

07/04/2014 - 01:19 von Johannes Leckebusch | Report spam
In Abwandlung des "Fotografischen Gedàchtnisses", als Gegensatz auch.

Meine Mutter hat zeitlebens gemalt, bis vor einigen Jahren, nun tut sie
es nicht mehr. Sie hat auch fotografiert. Zuletzt kam sie aber mit dem
Filmeinlegen nicht mehr klar, und die örtlichen Fotodienste wurden auch
eingestellt, und dann ging auch noch was an der Kamera kaputt.

Ich habe ihr schließlich eine EOS 350D gebraucht gekauft, die
erstaunlich gut mit der Einstellung "P" Fotos macht (deren Raw-Dateien
ich dann nachbearbeiten kann und ggf. über CEWE ausbelichten lasse).

Die hat sie auch benutzt, aber die letzten Aufnahmen stammen von
Pfingsten 2013. Sie nahm die Kamera auch schon lange nicht mehr mit.

Heute kam ich auf die Idee, sie vor dem Sonntagsausflug zu fragen, ob
sie ihre Kamera mitnehmen möchte. Es kam die übliche Rückfrage: "Ich
weiß nicht, ob da ein Film drin ist" und meine Erklàrung: "Die braucht
keinen Film ...".

Anlass ist, dass sie inzwischen meistens schon am Abend bzw. am nàchsten
Tag nicht mehr weiß, wo wir waren, oder sie nennt einen Ort, an dem wir
ein, zwei Wochen vorher waren und den ich u. U. erwàhnt hatte.

Sie hat heute tatsàchlich vier Fotos in Neubeuern gemacht. Als ich ihr
die nach dem Abendessen auf dem Monitor zeigte, meinte sie zuerst, ich
hàtte die gemacht: "Hast Du die gemacht? Hab wirklich ich das fotografiert?"

Aber bei einem der Bilder erinnerte sie sich plötzlich: Als wir im Café
saßen, stand sie plötzlich auf, nahm die Kamera und fotografierte diese
Figur:

http://www.johannes-leckebusch.de/F...61_tif.htm

Sie hatte zwar gemeint, die sei dort neu (tatsàchlich habe ich sie auch
schon vor Jahren aufgenommen), aber sie erinnerte sich, selbst dieses
Foto gemacht zu haben.

Ich will versuchen, das zu benutzen, damit sie sich besser erinnern
kann, was wir ggf. an einem Wochenende gemacht haben. Ich kann sie ja
auch einfach auf dem Farblaserdrucker ausdrucken und für den nàchsten
Tag hinlegen. Mal sehen, was das bringt.

So - jetzt muss ich nochmal daran denken, ihre Tabletten für nàchste
Woche in den Wochendosierer zu tun {;-)))

Mit freundlichen Grüßen: Johannes Leckebusch (AR1)

http://johannes-leckebusch.de/
 

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#1 KE
07/04/2014 - 12:32 | Warnen spam
Am Montag, 7. April 2014 01:19:13 UTC+2 schrieb Johannes Leckebusch:
In Abwandlung des "Fotografischen Gedàchtnisses", als Gegensatz auch.

Ich will versuchen, das zu benutzen, damit sie sich besser erinnern
kann, was wir ggf. an einem Wochenende gemacht haben.



Das find ich sehr gut! Visuelle und akustische Eindruecke mit Erinnerungen
zu assoziieren ist ein maechtiger Impuls und sehr tief in uns angelegt.

Solche Verknuepfungen gehen Wege, die u. U. noch "offen" sind.
Gutes Training!

Meine Mutter wird dieses Jahr 90 - ist im Kopf noch komplett fit. Ich hab die
Theorie, dass das auch dadurch gefoerdert wird, dass sie seit 20 Jahren eine
Klage gegen eine Versicherung führt - wegen eines Behandlungsfehlers bei
meinem Vater nach einem Unfall - und staendig in Bergen von Akten sitzt,
um diese auf Kleinigkeiten zu untersuchen. Die kann die Inhalte fast nachsingen.
Inzwischen ist sie eine Art Amateur-Spezialistin auf dem speziellen Gebiet,
um das es geht und hat inzwischen 2 Gutachten der Gegenseite so in Frage getellt,
dass das Gericht den Prozess immer noch als offen betrachtet.

Haette sie diese Beschaeftigung nicht weiss ich nicht, ob sie dann auch
noch so fit im Kopf waere.

Gut, dass Ihr beieinander wohnt - bei meiner Mutter und mir liegen 300km
dazwischen und sie will nicht aus unserem Haus an der Weinstrasse weg.

Irgendwann wird sowas sehr problematisch . . das Haus ist ziemlich gross und
liegt an einem Hang mit Žner Burg obendrauf. Mit 90 nicht einfach, die
schmale Gasse hochzukommen und im Haus zwei Ebenen zu bewaeltigen.

Viel Glueck fuer Deine Mutter und Dich!

Klaus

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