Das Kalenderblatt 091122

21/11/2009 - 10:08 von WM | Report spam
L’anniversaire d’Astérix et Obélix. GANZ GALLIEN? NEIN! 50 Jahre lang
ließen sich die Römer von den unbeugsamen Galliern verprügeln, obwohl
das Ergebnis stets von vornherein feststand. Wie erklàrt sich der
immense Erfolg dieser Serie? Eine wesentliche Voraussetzung ist wohl,
dass es nicht mehr so viele Römer gibt, zumindest unter den Lesern der
Geschichte.

Dieser Tage feiert auch der FC ZOPFL sein 100-jàhriges Jubilàum, ein
unbesiegter Club - und dabei doch so gut wie unbekannt. Die Statuten
des ZOPFL FC schreiben nàmlich vor, dass der Spielstand beim Anpfiff
auf 1:0 gesetzt wird und die Tordifferenz unabhàngig vom Spielverlauf
konstant bleibt. Darum wird der Club geschnitten und totgeschwiegen.
Unbesiegbarkeit ist nicht immer gern gesehen - insbesondere, wenn es
unter den potentiellen Gegnern noch viele Fußballspieler gibt.

Und schließlich gedenken wir des 105-jàhrigen von Zermelos gefeiertem
Wohlordnungssatz. Denn auch hier spricht ein Unbesiegbarer. In einem
an Herrn Hilbert gerichteten Brief stellt er fest, dass jede endliche
Menge wohlgeordnet werden kann (was auch vorher niemand bestritten
hat) und schließt dann: Wenn alle Anfangsabschnitte einer Menge schon
wohlgeordnet sind, dann ist auch die Menge selbst wohlgeordnet. Also
kann jede beliebige Menge wohlgeordnet werden.

Vermutlich hat er selbst und auch sein Briefpartner (und auch alle
anderen Leser, falls es solche gab, haben) nicht bemerkt, dass hier
die Existenz des Behaupteten vorausgesetzt wird. Denn um die zum
Beweis für jede beliebige Menge benötigte überabzàhlbare Vereinigung
bilden zu können, muss es bereits beliebige überabzàhlbare
wohlgeordneten Mengen geben. Unter der Annahme ist aber nichts mehr zu
beweisen. Eine wesentliche Voraussetzung für Zermelos Erfolg ist also,
dass es nicht mehr so viele Mathematiker gibt, zumindest unter den
Lesern der Geschichte.

Gruß, WM
 

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#1 I challenge You I challenge You All
22/11/2009 - 11:22 | Warnen spam
On 21 Nov., 10:08, WM wrote:
L’anniversaire d’Astérix et Obélix. GANZ GALLIEN? NEIN! 50 Jahre lang
ließen sich die Römer von den unbeugsamen Galliern verprügeln, obwohl
das Ergebnis stets von vornherein feststand. Wie erklàrt sich der
immense Erfolg dieser Serie? Eine wesentliche Voraussetzung ist wohl,
dass es nicht mehr so viele Römer gibt, zumindest unter den Lesern der
Geschichte.

Dieser Tage feiert auch der FC ZOPFL sein 100-jàhriges Jubilàum, ein
unbesiegter Club - und dabei doch so gut wie unbekannt. Die Statuten
des ZOPFL FC schreiben nàmlich vor, dass der Spielstand beim Anpfiff
auf 1:0 gesetzt wird und die Tordifferenz unabhàngig vom Spielverlauf
konstant bleibt. Darum wird der Club geschnitten und totgeschwiegen.
Unbesiegbarkeit ist nicht immer gern gesehen - insbesondere, wenn es
unter den potentiellen Gegnern noch viele Fußballspieler gibt.

Und schließlich gedenken wir des 105-jàhrigen von Zermelos gefeiertem
Wohlordnungssatz. Denn auch hier spricht ein Unbesiegbarer. In einem
an Herrn Hilbert gerichteten Brief stellt er fest, dass jede endliche
Menge wohlgeordnet werden kann (was auch vorher niemand bestritten
hat) und schließt dann: Wenn alle Anfangsabschnitte einer Menge schon
wohlgeordnet sind, dann ist auch die Menge selbst wohlgeordnet. Also
kann jede beliebige Menge wohlgeordnet werden.

Vermutlich hat er selbst und auch sein Briefpartner (und auch alle
anderen Leser, falls es solche gab, haben) nicht bemerkt, dass hier
die Existenz des Behaupteten vorausgesetzt wird. Denn um die zum
Beweis für jede beliebige Menge benötigte überabzàhlbare Vereinigung
bilden zu können, muss es bereits beliebige überabzàhlbare
wohlgeordneten Mengen geben. Unter der Annahme ist aber nichts mehr zu
beweisen. Eine wesentliche Voraussetzung für Zermelos Erfolg ist also,
dass es nicht mehr so viele Mathematiker gibt, zumindest unter den
Lesern der Geschichte.

Gruß, WM



ach so - endliche Mengen ??!

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