Das Kalenderblatt 0912014

13/12/2009 - 10:03 von WM | Report spam
Ein Beweis geht vom Gottesbegriff aus und schliesst zunàchst aus der
höchsten Vollkommenheit Gottes Wesens auf die Möglichkeit der
Schöpfung eines Transfinitum ordinatum, sodann aus seiner Allgüte und
Herrlichkeit auf die Nothwendigkeit der thatsàchlich erfolgten
Schöpfung eines Transfinitum.
Ein andrer Beweis zeigt a posteriori, dass die Annahme eines
Transfinitum in natura naturata eine bessere, weil vollkommenere
Erklàrung der Phànomene, im Besonderen der Organismen und der
psychischen Erscheinungen ermöglicht, als die entgegengesetzte
Hypothese.
[Cantor an S. Eminenz, Cardinal J. Bapt. Franzelin S. J. in Rom, 22. 1
1886]

{Nun, über den "anderen Beweis" wollen wir posteriori schweigend
hinwegsehen. Und auch bezüglich des mathematischen Gehaltes des ersten
sicher der Kardinal sich ab:}} In der Voraussetzung, daß Ihr
Transfinitum actuale in sich keinen Widerspruch enthàlt, ist ihr
Schluß auf die Möglichkeit der Schöpfung eines Transfinitum aus dem
Begriffe von Gottes Allmacht ganz richtig. Allein zu meinem Bedauern
gehen Sie weiter und schließen "aus seiner Allgüte und Herrlichkeit
auf die Nothwendigkeit einer thatsàchlich erfolgten Schöpfung des
Transfinitum." Gerade weil Gott an sich das absolute unendliche Gut
und die absolute Herrlichkeit ist, welchem Gute und welcher
Herrlichkeit nichts zuwachsen und nichts abgehen kann, ist die
Nothwendigkeit einer Schöpfung, welche immer diese sein mag, ein
Widerspruch, und die Freiheit der Schöpfung eine ebenso nothwendige
Vollkommenheit Gottes wie alle seine anderen Vollkommenheiten.
[Kardinal Franzelin an Cantor, 26. 1. 1886]

{{Hàtte der Kardinal etwas direkter argumentieren wollen (und wàre es
schon 1912 gewesen), so hàtte er auch auf folgende Zeilen
zurückgreifen können:}}
Der du Bretter sàgst! In deinem Stolze,
willst du wirklich den zu Rede stellen,
der aus eben jenem Holze
Blàtter treiben làsst und Knospen schwellen?
[Rainer Maria Rilke (aus dem Gedàchtnis zitiert und daher wohl etwas
vom Original abweichend), Gedicht aus dem Marienzyklus, betreffend
eine Rüge des heiligen Geistes an Joseph, der sich wegen der
Heimsuchung Mariae beschweren wollte.]

Gruß, WM
 

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#1 Rainer Rosenthal
13/12/2009 - 11:58 | Warnen spam
WM schrieb:

{{Hàtte der Kardinal etwas direkter argumentieren wollen (und wàre es
schon 1912 gewesen), so hàtte er auch auf folgende Zeilen
zurückgreifen können:}}
Der du Bretter sàgst! In deinem Stolze,
willst du wirklich den zu Rede stellen,
der aus eben jenem Holze
Blàtter treiben làsst und Knospen schwellen?
[Rainer Maria Rilke (aus dem Gedàchtnis zitiert und daher wohl etwas
vom Original abweichend), Gedicht aus dem Marienzyklus, betreffend
eine Rüge des heiligen Geistes an Joseph, der sich wegen der
Heimsuchung Mariae beschweren wollte.]



Danke für den Hinweis auf Rilke. Mit Guhgel kommt man ja recht flott
an die (eventuell) richtigere Version:

Weil du Bretter machst, in deinem Stolze,
willst du wirklich den zur Rede stelln,
der bescheiden aus dem gleichen Holze
Blàtter treiben macht und Knospen schwelln?

Nachtrag aus meiner Feder:

O Ihr Toren,
wollt Ihr bohren
dünne Bretter,
dünner als Kalender-Blàtter?

Der andere Rainer,
Rainer Rosenthal

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