Das Kalenderblatt 091204

03/12/2009 - 09:13 von WM | Report spam
Einer besonderen Vertretung des pp Cantor wird es nicht bedürfen,
zumal die eine der angekündigten Privatvorlesungen über den wahren
Autor der Jak. Böhmeschen Schriften auf haltlosen Hypothesen beruht,
auch schwerlich Zuhörer gefunden haben würde [...]
[Universitàtskurator Schrader an das preußische Kultusministerium vom
26. 4. 1900]

Bzgl. der Bemühungen Cantors, Publikationen über seine Forschungen zur
Bacon-Shakespeare-Theorie dem „Gelehrtenpublicum" zugànglich zu
machen, gibt der Brief vom 1. 2 .1900 an seinen Sohn Erich beredte
Auskunft. Sie sind diesmal erfolgreich; im Magazin für Litteratur
erscheint im selben Jahr sein Artikel „Shaxpeareologie und
Baconianismus".
[H. Meschkowski, W. Nilson (Herausgeber): "Georg Cantor Briefe",
Springer, Berlin (1991) p. 418]

In diesem Privatdruck "Ex Oriente Lux" nimmt er zu "wesentlichen
Puncten des urkundlichen Christentums" Stellung.
Es geht um die Frage der Abstammung Jesu und das Dogma der
Jungfrauen¬geburt. Er lehnt diese damals jedenfalls von beiden
Konfessionen vertretene Lehre ab und kommt auf Grund einer
Untersuchung der neutestamentlichen Aussagen zu dem Ergebnis, daß
Joseph von Arimathia der leibliche Vater Jesu sei.
[Herbert Meschkowski: "Georg Cantor: Leben, Werk und Wirkung" 2. Aufl.
BI, Mannheim (1981) p. 128]

Als ich neulich mit Frau v. Kowalewski über derlei Dinge {{Cantors
Theorie der überendlichen Zahlen}} sprach, meinte sie ganz recht, das
sei wie wenn man über Religion spreche. Der konkreten (sit venia
verbo) Mathematik selbst liegen diese Dinge, über die wir beide
verschiedener Ansicht sind, ja fast ebenso fern, wie die Religion
{{nur fast?}}
[Kronecker an Cantor, 21. 8. 1884]

Cantor wusste um den wahren Jakob Böhme, der wahren William
Shakespeare, den wahren Vater Christi und die wahre Unendlichkeit.

Seine Jünger unterstützen in der Regel nur eine der vier Thesen.
Sie bezeichnen Unglàubige gern als Cranks oder Crackpots.

Gruß, WM
 

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#1 Peter
04/12/2009 - 18:08 | Warnen spam
WM wrote:
Sie bezeichnen Unglàubige gern als Cranks oder Crackpots.



Peter Ripota drückt das so aus:

"Denn die Wissenschaft ist
in erster Linie ein gesellschaftlicher Konsens;
in zweiter Linie eine Möglichkeit, Karriere zu machen;
in dritter Linie die Lieblingsbeschàftigung von Wissenschaftlern.
Die objektive Wahrheit bleibt da manchmal auf der Strecke oder
wird von Mythen [0] eingehüllt und vernebelt."

Und Jean-Paul Delahaye, auf dessen Artikel [1] Ulrich L.
uns heute aufmerksam machte, schreibt:

"Das Problem ist nur: Ein Axiomensystem ist ohne Zweifel
eine soziale Konvention."

Nur: Wieso ist das ein Problem? Warum soll nicht jeder sich
das Axiomensystem aussuchen, das zu seiner Krawattenfarbe passt?

Warum muss um das alleinseligmachende System (das zum
Beispiel in der Mengenlehre noch lange nicht gefunden ist,
wie man auch den Anmerkungen von fiesh entnehmen kann) hier
in einer oft persönlich herabsetzenden Weise gerungen werden?

Zu schreiben: "Dinge zu kritisieren, die man nicht versteht, ist
leider eine Unart" ist sicher richtig, aber warum diskriminierend
(nicht polemisch, lieber RR) fortzufahren "für die alternde
Ingenieure anfàllig zu sein scheinen"?

[0] http://de.wikipedia.org/wiki/Platon
[1] Wie real ist das Unendliche? Jean-Paul Delahaye.
http://www.spektrum.de/artikel/979755&_zy8888

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