Das Kalenderblatt 100304

03/03/2010 - 13:42 von WM | Report spam
So any reasonably complete account of what mathematics is, or what
mathematical activity is, must ultimately confront the issue of what
mathematicians are trying to accomplish - at least if it is to be
relevant to actual mathematical activity.
This is very difficult to get a hold of, especially in light of the
fact that mathematicians are not in anything like full agreement as to
what they are trying to accomplish.
What makes matters more difficult still, is that writing about "what
is mathematics, and what are we trying to accomplish" is not
considered normal professional activity among mathematicians. This
statement is not so negative. After all, "what is philosophy, and what
are we trying to accomplish" is rarely a topic of the leading
philosopher's papers either. I gather that philosophers did not like
it when Rorty wrote about this. I asked Kripke if he would write about
this and related matters, and he made it clear that he wouldn't touch
it with a xxxxxxxx foot pole! {{Die Lànge wird hier unàr angegeben. Um
ganz sicher zu gehen?}}
[...] I do get the feeling that this situation is better in physics.
This may be partly due to the apparent fact(?) that it is relatively
clear from the outset "what physics is and what physicists are trying
to accomplish" than "what mathematics is and what mathematicians are
trying to accomplish".

[Harvey M. Friedman: "PHILOSOPHICAL PROBLEMS IN LOGIC" (2002)]
http://www.math.ohio-state.edu/~friedman/manuscripts.html
http://www.math.ohio-state.edu/~friedman/pdf/Princeton532.pdf

Ein durchsichtiger Versuch, die Mathematik geheimniszuumwittern.
Algebradabra. Und dabei ist sie doch so einfach! Mathematiker rechnen
mit dem Ziel, richtige Resultate zu erhalten, also solche, die mit der
Realitàt und dem Ausgang von Experimenten in der Realitàt
übereinstimmen. Wenn die Experimente kompliziert sind, benötigt man
dazu noch etwas Physik und spricht dann von angewandter oder unreiner
Mathematik, wenn die Experimente einfach genug sind, so dass sie im
Prinzip mit Glasperlen, Bauklötzchen oder Bindfàden ausgeführt werden
können, so nennt man das reine oder abgewandte Mathematik. Beide
Formen sind traditionell unter dem Dach der mathematisch-
naturwissenschaftlichen Fakultàten angesiedelt. Und Cantor selbst hat
ja auch viel unreine Mathematik gemacht (womit ich seine Vorlesungen
zur Mechanik meine:)

Auch die drei Wintervorlesungen: analytische Mechanik [...] werden
mich von den anderen Gebieten fern halten. [Cantor an Mittag-Leffler,
26.9. 1885]

[...] und so fange ich denn morgen 4. Mai meine angekündigte 5
stündige Vorlesung über analyt. Mechanik an. [Cantor an Jourdain,
Brief vom 3. Mai 1905]

Seine letzte Vorle¬sung im WS 1910/11 hatte die analytische Mechanik
zum Thema. W. Purkert, H.J. Ilgauds: "Geog Cantor 1846 - 1918"
Birkhàuser, Basel (1987), p. 165

{{Übrigens wurden auch die allgemeinwissenschaftlichen Vorlesungen
nicht erst an bayerischen Fachhochschulen erfunden (wenn sie dort auch
im Gegensatz zu anderen Bundeslàndern lobenswerterweise obligatorisch
sind):}} Auch als über Siebzigjàhriger plante er {{Cantor}} noch
Vorlesungen, die allerdings nicht mehr zustande kamen. So findet sich
im Nachlaß folgende Vorlesungsankündigung vom 3. 5. 1917: In diesem
Sommersemester beabsichtige ich zu lesen privatim Aristotelische Logik
für alle vier Facultàten, Mittwochs und Sonnabends von 9-10 Uhr.
[a.a.O. p. 201]

Gruß, WM
 

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#1 WM
08/03/2010 - 14:25 | Warnen spam
Korrektur:

Auch als über Siebzigjàhriger plante er {{Cantor}} noch Vorlesungen,
die allerdings nicht mehr zustande kamen. So findet sich im Nachlaß
folgende Vorlesungsankündigung vom 3. 5. 1917: In diesem
Sommersemester beabsichtige ich zu lesen privatim Aristotelische Logik
für alle vier Facultàten, Mittwochs und Sonnabends von 9-10 Uhr.
[a.a.O. p. 165]

Gruß, WM

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