Das kalenderblatt 100409

08/04/2010 - 22:33 von WM | Report spam
Liebe Frau NN,
Sie beschweren sich über die Diskriminierung der Frau, die sie in
meinen Texten und speziell KB100404 festgestellt haben wollen. Recht
haben Sie. Die Mutter der modernen Astrologie war tatsàchlich eine
Frau! Wer hàtte das für möglich gehalten! Ein kurzer Blick in
Wikipedia ràumt jeden Zweifel aus. Es handelt sich um Evangeline Adams
(1868-1932), die mir bislang leider unbekannt war - eine nun
geschlossene Bildungslücke.
Wollten wir Parallelen zur Entwicklung in der Mathematik ziehen (was
sich bei mir immer spontan, sozusagen reflexiv ereignet), so könnten
wir Euklid mit dem auch von Ihnen genannten Vater der abendlàndischen
Astrologie Ptolemàos vergleichen, Gaus mit dem ersten wissenschaftlich
fundierten Horoskopierer Kepler und Cantor als Vater der modernen
Mathematik mit Frau Adams.
Dass in den Kalenderblàttern und auch gerade oben wieder vorwiegend
von Mànnern die Rede ist, hat mit der historischen Rolle der
unterdrückten Frau zu tun, die ja bekanntlich früher nicht einmal als
zeugungsfàhig galt. So bezeichnen Theologen die
Auferstehungsgeschichte, in der Frauen das Grab Jesu leer vorfanden,
gerade deswegen als authentisch, weil das Zeugnis von Frauen in jener
Zeit ohne Wert war. Ein zur Festigung des Glaubens fingierter Bericht
hàtte unbedingt Mànner als erste Zeugen gewàhlt. Inzwischen haben
Frauen aber selbstverstàndlich auf allen Gebieten gleichgezogen.
Mathematik war schon immer weiblich und vom ewig Weiblichen durchwebt.
Ich weise nur darauf hin, dass die Diskriminante, die Wurzel, die
Rechnung, die Lösung, die Menge, die Matrix (natürlich!) und vor allem
die Zahl weibliche Geschlechtsmerkmale tragen. Der Punkt besitzt schon
wegen seiner Ausdehnungslosigkeit kaum Merkmale und spielt damit eine
doch eher untergeordnete Rolle. Die Zahl dagegen ist die Basis (sic)
von die Mathematik (sicsic), wie es schon im Buche steht, in meinem
jedenfalls: Eine reelle Zahl ist, was eine Dezimaldarstellung besitzt.
Das ist zwar recht grob verkürzt und nach neueren Erkennntnissen nicht
ganz zutreffend, doch spàter folgen dann auch noch ausführliche
Definitionen. Wer so weit nicht vorstößt, muss mit dem Groben fürlieb
nehmen.
Die Etymologie (sic) leitet uns fast immer zu den rechten Wurzeln (aus
sprachvergleichenden Untersuchungen geht z. B. klar hervor, dass die
Null keine natürliche Zahl ist) und so auch hier: Als noch der
Sàbelzahntiger und der Höhlenbàr dem Manne zur Beute fielen (wobei
erfolgsorientierte Jàger bekanntlich schweigend ihrem Waidwerk
nachgehen müssen) saßen die Frauen friedlich in (anderen) Höhlen oder
zupften in der Umgebung Beeren, oblagen dem Informationsaustausch mit
Artgenossinnen und lehrten so ihre Töchter die Sprache (sic) und die
für Mengenangaben unerlàssliche Mathematik. Spàter übernahmen aus
unbekannten Gründen Mànner die Führung (sic). Doch die Sphàre (sic)
rollt. Ich erwarte bereits in naher Zukunft wieder eine Dominanz der
Frau. Meine These stütze ich auf unverkennbare Vorzeichen aus meinem
persönlichen Umfeld: In fünf meiner letzten sieben Klausuren erzielten
Studentinnen die Spitzenergebnisse, obwohl sie unter dem rein
quantitativen Aspekt deutlich unterrepràsentiert waren.
Nach der kurzen Blüte der Deutschen Mathematik scheint nun denn also
auch die Mànnliche Mathematik zu welken. Was bleibt? Der Operator? -
klingt eher mediklinisch als maskulinisch. Der Divisor? - wirkt nur
zersetzend. Der Raum ist leer. Und der Rest ist Schweigen.
Ich verbleibe, etwas unbehaglich aber mit sehr freundlichen Grüßen,
Wolfgang Mückenheim

Apropos KB100404. Nachtràglich sei darauf hingewiesen, dass dort ein
intentionaler Schreibfehler unterlief. Akustiker verehren nicht das
Cebel, sondern das Dezibel.
Gruß, WM
 

Lesen sie die antworten

#1 Rainer Rosenthal
08/04/2010 - 22:44 | Warnen spam
WM schrieb:
Liebe Frau NN,
Sie beschweren sich über die Diskriminierung der Frau, die sie in
meinen Texten und speziell KB100404 festgestellt haben wollen. Recht
haben Sie. Die Mutter der modernen Astrologie war tatsàchlich eine
Frau! Wer hàtte das für möglich gehalten! Ein kurzer Blick in
Wikipedia ràumt jeden Zweifel aus. Es handelt sich um Evangeline Adams
(1868-1932), die mir bislang leider unbekannt war - eine nun
geschlossene Bildungslücke.
Wollten wir Parallelen zur Entwicklung in der Mathematik ziehen (was
sich bei mir immer spontan, sozusagen reflexiv ereignet), so könnten
wir ...



Es dràngt sich der Vergleich mit dem von Gottfried Helms begonnenen
Thread auf: offenbar hat Dich die Pampel-Muse inspiriert :-)

Gute Nacht,
Rainer Rosenthal

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