Das Kalenderblatt 100504

03/05/2010 - 11:50 von WM | Report spam
Das Werk, das aus der Zeit der großen Konzerte stammt, stellt eine
eigenartige Vorahnung der Neunten Sinfonie dar. In der Chorfantasie,
die man zu Unrecht vernachlàssigt, wird die Adagio-Einleitung vom
Klavier ausgeführt; zur Hörner-Begleitung spielt es auch das an die
Freuden-Melodie gemahnende Hauptthema [...] Der Dichtermusiker E. Th.
A Hoffman [...] meint, Beethoven habe in diesem abseitigen Werk "aus
klarer Selbstbeschauung" sich selbst und seine "volle Wortsprache"
gefunden. Mit anderen Worten: Beethoven wurde in dieser Tondichtung
ein ganz Eigener! [rororo Musikführer (1969)]

Das Werk steht im Schatten der àhnlich angelegten 9. Symphonie und ist
deswegen ziemlich unbekannt, obwohl es eines der interessantesten
Werke Beethovens ist. Ein weiterer Grund, warum es selten in
Aufführungen zu hören ist, ist, dass für die Aufführung zusàtzlich ein
Chor und ein Klavier nötig sind, was bei normalen Orchesterkonzerten
nicht selbstverstàndlich ist.
http://de.wikipedia.org/wiki/Chorfantasie

Es ist kein Zufall, dass das Hauptthema [...] mit dem Thema der Ode
"An die Freude" im Finale der Neunten Symphonie eng verwandt ist; denn
die Chorfantasie stellt Beethovens ersten Versuch dar, die Grenzen
zwischen der Instrumental- und der Vokalmusik zu sprengen und beide zu
einer ausdrucksvollen Einheit zu vereinen, die er erst an seinem
Lebensende verwirklichen sollte. [J. Schmidt-Görg, H. Schmidt: "Lieder
und andere Vokalwerke", Deutschen Grammophon, Beethoven Edition 1970
(Demus, Leitner) Textbeilage]

Und wenn beflissene Biographen das Opus 80 immer wieder als "kleine
Neunte" klassifizieren, dann spricht aus solcher Fehlein- und
Überschàtzung nur die Verlegenheit, wie denn "das seltsame Gebilde"
halbwegs heil mit dem Genius Beethovens zu vereinbaren ist. Es ist es
nicht. Denn abgesehen von einigen beinahe unauffàlligen Motiv-
Anklàngen und eben der Verwendung eines Chores in einem eigentlich
rein instrumentalen Werktyp gibt es in der Chorfantasie nichts, das
formal, thematisch oder gar ideell den Weg zur Neunten Sinfonie bahnt
oder auch nur andeutet. [K. Umbach: "Als sich die Poesie nicht lànger
kommandieren ließ", EMI, Beethoven: die fünf Klavierkonzerte &
Chorfantasie (Barenboim, Klemperer) ca. 1970, Textbeilage]

Vorahnung, Zufall oder kein Zufall?
In der Musik sind subjektive Beurteilungen nicht selten.

Ersetzen wir in Ernst Zermelos Beweis, daß jede Menge wohlgeordnet
werden kann [Math. Ann. 59 (1904) 514-516], in der Definition der
Gamma-Menge die Phrase "jede wohlgeordnete Menge" durch "jeder
Anfangsabschnitt einer linear geordneten Menge", so führt derselbe
Beweis, an dem ansonsten kein Jota veràndert wird, zum Ergebnis, dass
jede Menge linear geordnet werden kann und damit abzàhlbar ist.

Der Beweis, der von der Definition einer Wohlordnung ausgeht, wird
akzeptiert.
Der unverànderte Beweis, der jedoch von der Definition einer linearen
Ordnung ausgeht, wird nicht akzeptiert.

Auch in der Matheologie ist eine subjektive Komponente unübersehbar.

Gruß, WM
 

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#1 Carsten Schultz
03/05/2010 - 12:06 | Warnen spam
Am 03.05.10 11:50, schrieb WM:
Ersetzen wir in Ernst Zermelos Beweis, daß jede Menge wohlgeordnet
werden kann [Math. Ann. 59 (1904) 514-516], in der Definition der
Gamma-Menge die Phrase "jede wohlgeordnete Menge" durch "jeder
Anfangsabschnitt einer linear geordneten Menge", so führt derselbe
Beweis, an dem ansonsten kein Jota veràndert wird, zum Ergebnis, dass
jede Menge linear geordnet werden kann und damit abzàhlbar ist.




Mal ganz abgesehen davon, dass Du wieder Deine Privatdefinition einer
linearen Ordnung benutzt, ist das, wie ich schon letztes Jahr erklàrt
habe, falsch. Es mag stimmen, wenn man die Ersetzung nicht in Zermelos
Beweis vornimmt, sondern in der Variante des Beweises, die in Deinem
Kopf existiert. Leider hast Du den Beweis ja nicht verstanden.

Gruß

Carsten

Carsten Schultz (2:38, 33:47)
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