Das Kalenderblatt 101114

13/11/2010 - 11:03 von WM | Report spam
Cantors Weltbild (9): Katholizismus

Für Cantor war die Schrift des Philosophen eine willkommene Hilfe.
Nach Cantors Tode, im Jahre 1919, hat Gutberlet in der Besprechung
eines Buches über seine Partnerschaft mit dem Begründer der
Mengenlehre berichtete (Philos. Jahrbuch der Görres-Ges. 32, 1919, S.
364 ff):

Da er sich wegen dieses kühnen Unternehmens von allen Seiten
angegriffen sah, suchte er Sukkurs bei mir, dem einzigen, der, wie er
glaubte, mit seiner Auffassung übereinstimmte. Da er von edler
Gesinnung war, teilte er nicht die Verachtung, mit welcher die
unglàubige Wissenschaft die christlichen Philosophen behandelt. Es war
auch nicht die bloße Not, welche ihn zu mir führte, sondern, wie er
sagte, habe er darum eine katholikenfreundliche Gesinnung, weil seine
Mutter katholisch war. Er befragte mich über die Lehre der
Scholastiker in betreff dieser Frage. Ich konnte ihn besonders auf den
hl. Augustin und auf den P. Franzelin, den spàteren Kardinal,
hinweisen. Dieser mein hochverehrter Lehrer verteidigte die aktual
unendliche Menge in der Erkenntnis Gottes, gestützt auf die
ausdrückliche Lehre des hl. Augustin, und er war es, der mir den
Anstoß zu jener Schrift gegeben, und mich bei den heftigen Angriffen
damit beruhigte, daß ich nur die Lehre des hl. Augustin vortrage.

[ Herbert Meschkowski: "Georg Cantor: Leben, Werk und Wirkung", 2.
Aufl. BI, Mannheim (1981) 66]

Bei alledem halte ich es aber doch vom kathol. Standpuncte aus, auf
dem ich ja selbst seit Jahren stehe, für discutabel, ob nicht die
theol. Facultàt in Freiburg ein großes Interesse daran nehmen müßte,
daß auch in den anderen Facultàten möglichst friedlich gesinnte und
tüchtige Kràfte wirken. [Cantor an Woker, 15. 12. 1895]

Unserem heiligsten Herrn Papst Leo XIII.
In Betracht der wohlbekannten Briefe Ihrer Apostolischen Heiligkeit,
besonders jenes, unter dem 14. April 1895 gegebenen, den Du an das
englische Volk geschickt hast, habe ich es für nötig gehalten, das
Glaubensbekenntnis des Francis Bacon, "seines Jahrhunderts und seines
Volkes Zier, Schmücker und Schmuck der Gelehrsamkeit" allen Christen
und insbesondere den Anhàngern der Anglikanischen Kirche ins
Gedàchtnis zu rufen.
Erlaube, Größter Brückenbauer, daß ich sieben Exemplare einer neuen
Ausgabe jenes kleinen Werkes Dir widme, und daß ich drei Bànde der
Werke des Francis Bacon beifüge.
Ich bete und bitte Dich, Seeligster Vater, daß Du annehmen wollest
jene 10 kleinen Gaben, die ich anzubieten wage, die Zeichen sein
sollen meiner Verehrung und meiner Liebe zu Deiner Heiligkeit und der
Heiligen Katholischen Römischen Kirche.
Deiner Heiligkeit demütigster und höchst zugetaner Diener
Georg Cantor, Mathematiker
[Cantor an Papst Leo XIII, 13. 2. 1896, im Original lateinisch]
Eine Antwort des Papstes ist nicht bekannt.
[H. Meschkowski, W. Nilson: "Georg Cantor Briefe", Springer, Berlin
(1991) 383]

Es bleibt aber bis zum Ende der Tage auf einem unerschütterlichen
Fels, Christo selbst, ruhend, die unsichtbare Kirche, welche er
gegründet hat, bestehen. Er ist ihr Oberhaupt, das keinen Statthalter
auf Erden braucht. [G. Cantor: " Ex Oriente Lux", Selbstverlag (1905)
p. 12]

Das ist eine deutliche Absage an den Katholizismus.
[ H. Meschkowski: "Georg Cantor: Leben, Werk und Wirkung", 2. Aufl.
BI, Mannheim (1981) 128]

Gruß, WM
 

Lesen sie die antworten

#1 wernertrp
13/11/2010 - 11:57 | Warnen spam
On 13 Nov., 11:03, WM wrote:
Cantors Weltbild (9): Katholizismus

Für Cantor war die Schrift des Philosophen eine willkommene Hilfe.
Nach Cantors Tode, im Jahre 1919, hat Gutberlet in der Besprechung
eines Buches über seine Partnerschaft mit dem Begründer der
Mengenlehre berichtete (Philos. Jahrbuch der Görres-Ges. 32, 1919, S.
364 ff):

Da er sich wegen dieses kühnen Unternehmens von allen Seiten
angegriffen sah, suchte er Sukkurs bei mir, dem einzigen, der, wie er
glaubte, mit seiner Auffassung übereinstimmte. Da er von edler
Gesinnung war, teilte er nicht die Verachtung, mit welcher die
unglàubige Wissenschaft die christlichen Philosophen behandelt. Es war
auch nicht die bloße Not, welche ihn zu mir führte, sondern, wie er
sagte, habe er darum eine katholikenfreundliche Gesinnung, weil seine
Mutter katholisch war. Er befragte mich über die Lehre der
Scholastiker in betreff dieser Frage. Ich konnte ihn besonders auf den
hl. Augustin und auf den P. Franzelin, den spàteren Kardinal,
hinweisen. Dieser mein hochverehrter Lehrer verteidigte die aktual
unendliche Menge in der Erkenntnis Gottes, gestützt auf die
ausdrückliche Lehre des hl. Augustin, und er war es, der mir den
Anstoß zu jener Schrift gegeben, und mich bei den heftigen Angriffen
damit beruhigte, daß ich nur die Lehre des hl. Augustin vortrage.

[ Herbert Meschkowski: "Georg Cantor: Leben, Werk und Wirkung", 2.
Aufl. BI, Mannheim (1981) 66]

Bei alledem halte ich es aber doch vom kathol. Standpuncte aus, auf
dem ich ja selbst seit Jahren stehe, für discutabel, ob nicht die
theol. Facultàt in Freiburg ein großes Interesse daran nehmen müßte,
daß auch in den anderen Facultàten möglichst friedlich gesinnte und
tüchtige Kràfte wirken. [Cantor an Woker, 15. 12. 1895]

   Unserem heiligsten Herrn Papst Leo XIII.
In Betracht der wohlbekannten Briefe Ihrer Apostolischen Heiligkeit,
besonders jenes, unter dem 14. April 1895 gegebenen, den Du an das
englische Volk geschickt hast, habe ich es für nötig gehalten, das
Glaubensbekenntnis des Francis Bacon, "seines Jahrhunderts und seines
Volkes Zier, Schmücker und Schmuck der Gelehrsamkeit" allen Christen
und insbesondere den Anhàngern der Anglikanischen Kirche ins
Gedàchtnis zu rufen.
   Erlaube, Größter Brückenbauer, daß ich sieben Exemplare einer neuen
Ausgabe jenes kleinen Werkes Dir widme, und daß ich drei Bànde der
Werke des Francis Bacon beifüge.
   Ich bete und bitte Dich, Seeligster Vater, daß Du annehmen wollest
jene 10 kleinen Gaben, die ich anzubieten wage, die Zeichen sein
sollen meiner Verehrung und meiner Liebe zu Deiner Heiligkeit und der
Heiligen Katholischen Römischen Kirche.
   Deiner Heiligkeit demütigster und höchst zugetaner Diener
   Georg Cantor, Mathematiker
[Cantor an Papst Leo XIII, 13. 2. 1896, im Original lateinisch]
Eine Antwort des Papstes ist nicht bekannt.
[H. Meschkowski, W. Nilson: "Georg Cantor Briefe", Springer, Berlin
(1991) 383]

Es bleibt aber bis zum Ende der Tage auf einem unerschütterlichen
Fels, Christo selbst, ruhend, die unsichtbare Kirche, welche er
gegründet hat, bestehen. Er ist ihr Oberhaupt, das keinen Statthalter
auf Erden braucht.  [G. Cantor: " Ex Oriente Lux", Selbstverlag (1905)
p. 12]

Das ist eine deutliche Absage an den Katholizismus.
[ H. Meschkowski: "Georg Cantor: Leben, Werk und Wirkung", 2. Aufl.
BI, Mannheim (1981) 128]

Gruß, WM




War Cantor ein Erzmathematiker ?
So wie Erzbischof oder Erzherzog oder war er eher
einer von Gurdjieffs Erzidioten ?


Erzidioten = die die die höheren Chargen zu/anbeten.

Ähnliche fragen