Das Kalenderblatt 101209

08/12/2010 - 07:46 von WM | Report spam
Krieg der Frösche und der Màuse (6)

The initially warm relationship between Hilbert and Brouwer began to
cool in the twenties, when Brouwer
started to campaign for his foundational views. Hilbert accepted the
challenge--he took the threat of an intuitionistic revolution
seriously. Brouwer lectured successfully at meetings of the German
Mathematical Society. His series of Berlin lectures in 1927 caused a
considerable stir; there was even some popular reference to a Putsch
in mathematics. [Dirk van Dalen, "The War of the Frogs and the Mice",
The Mathematical Intelligencer 12,4 (1990) 17-31]

Der Intuitionismus war, wie ich bald lernte, in Berlin das
Tagesgespràch. War es Sympathie für den Aufruhr im Grundlagenstreit,
oder betrachteten die Berliner den Hollànder Brouwer als einen der
ihren im Gegensatz zum Göttinger Hilbert? Keine Revolution, sondern
ein Putsch – so hatte Hilbert den Intuitionismus verurteilt, und
“Putschist” wurde der Ehrenname, den die Brouwer-Supporter annahmen
[...]
[Hans Freudenthal: Berlin 1923-1930, Studienerinnerungen", Berlin
(1987)]

Natürlich reagierte Hilbert sofort auf die Weyl'sche Schrift: Der
"Generaldirektor", wie Mehrtens ihn nennt, sah sich als Vertreter der
herrschenden Ordnung persönlich angegriffen {{andere Mathematiker
empfanden das als Anmaßung. So sprach Study vom Bazillus Göttingensis,
dem Bazillus des Hochmuts.}} und zahlte es Weyl mit gleicher
stilistischer Münze heim, indem er u. a. die intuitionistische
Revolution als "Putsch" diffamierte, um ihre geringe Anhàngerzahl zu
verdeutlichen. [Yvonne Hartwich: "Eduard Study (1862-1930), ein
mathematischer Mephistopheles im geometrischen Gàrtchen",
Dissertation, Mainz (2005) ]
http://ubm.opus.hbz-nrw.de/volltext...f/diss.pdf

Gruß, WM
 

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#1 Rudolf Sponsel
08/12/2010 - 16:06 | Warnen spam
WM schrieb:

Krieg der Frösche und der Màuse (6)

The initially warm relationship between Hilbert and Brouwer began to
cool in the twenties, when Brouwer
started to campaign for his foundational views. Hilbert accepted the
challenge--he took the threat of an intuitionistic revolution
seriously. Brouwer lectured successfully at meetings of the German
Mathematical Society. His series of Berlin lectures in 1927 caused a
considerable stir; there was even some popular reference to a Putsch
in mathematics. [Dirk van Dalen, "The War of the Frogs and the Mice",
The Mathematical Intelligencer 12,4 (1990) 17-31]

Der Intuitionismus war, wie ich bald lernte, in Berlin das
Tagesgespràch. War es Sympathie für den Aufruhr im Grundlagenstreit,
oder betrachteten die Berliner den Hollànder Brouwer als einen der
ihren im Gegensatz zum Göttinger Hilbert? Keine Revolution, sondern
ein Putsch – so hatte Hilbert den Intuitionismus verurteilt, und
“Putschist” wurde der Ehrenname, den die Brouwer-Supporter annahmen
[...]
[Hans Freudenthal: Berlin 1923-1930, Studienerinnerungen", Berlin
(1987)]

Natürlich reagierte Hilbert sofort auf die Weyl'sche Schrift: Der
"Generaldirektor", wie Mehrtens ihn nennt, sah sich als Vertreter der
herrschenden Ordnung persönlich angegriffen {{andere Mathematiker
empfanden das als Anmaßung. So sprach Study vom Bazillus Göttingensis,
dem Bazillus des Hochmuts.}} und zahlte es Weyl mit gleicher
stilistischer Münze heim, indem er u. a. die intuitionistische
Revolution als "Putsch" diffamierte, um ihre geringe Anhàngerzahl zu
verdeutlichen. [Yvonne Hartwich: "Eduard Study (1862-1930), ein
mathematischer Mephistopheles im geometrischen Gàrtchen",
Dissertation, Mainz (2005) ]
http://ubm.opus.hbz-nrw.de/volltext...f/diss.pdf



S. 38, 2. Abs. erscheint mir das "Somit ..." sehr bedenklich. Auch Weyl "auf
die Seite ziehen", passt nicht so recht, als ob das kein selbstàndiger und
eigener Kopf gewesen wàre.

Rudolf Sponsel, Erlangen


Gruß, WM

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