Das Kalenderblatt 110116

15/01/2011 - 10:23 von WM | Report spam
Krieg der Frösche und der Màuse (44)

Ganz unabhàngig von der Frage, ob die Korrekturfahnen Hilberts
zugunsten Einsteins von einem Fàlscher manipuliert worden sind, kann
an der Prioritàt Hilberts nicht gezweifelt werden, denn (wie in meiner
Arbeit betont) dort steht die von Hilbert gefundene richtige sog.
Lagrangedichte des Gravittaionsfeldes, die zusammen mit dem
Hilbertschen Variationsprinzip der differenziellen Form der
Feldgleichung mathematisch àquivalent ist. Beides ist dem vermuteten
Fàlscher beim Abschneiden nicht zum Opfer gefallen. Da aber nur mit
dieserf Lagrangedichte und nur mit dem Hilbertschen Variationsprinzip
sich die richtige Feldgleichung ergibt, ist mit Sicher anzunehmen,
dass Einstein sie von Hilbert übernommen hat, denn er erklàrt nicht,
wie er auf die richtige Gleichung gekommen ist. Leider war Einstein
nicht immer ehrlich im Zitieren anderer Gelehrter
[Prof. Dr. F. Winterberg, Department of Physics, University of Nevada,
Reno (SA), Leserbrief NZZ, 12. 6. 2005]

Ein Kriminalfall in der Wissenschaftsgeschichte?
Prioritàtsstreite haben immer wieder zu Fàlschungen von Quellen
geführt. In den letzten Jahren stritten Historiker mehrfach intensiv
über die Prioritàt bei der Entdeckung der endgültigen
Gravitationsgleichungen der Allgemeinen Relativitàtstheorie.
Wer fand sie zuerst? David Hilbert oder Albert Einstein? Im
November 1915 hatte Einstein fast nur mit Hilbert korrespondiert. Sie
lieferten sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen bei der Entdeckung der
endgültigen Gleichungen. Da entscheidende Briefe Hilberts an Einstein
fehlen, war die Frage nicht eindeutig zu beantworten. Doch lange Zeit
schien es, dass Hilbert die Gleichungen zuerst fand.
Seit 1997 kehrte sich das Blatt um. Nun war Hilbert der Dieb. Die
Entdeckung einer bis dahin unbekannten Quelle spielte dabei eine
entscheidende Rolle. Jüngst kehrte sich das Blatt wieder um. Genauere
Untersuchung dieser Quelle ließ Merkwürdiges erkennen: Eine vielleicht
entscheidende Passage war ausgeschnitten.

Zusammenfassung der Autorin:
Die einzige überlieferte Quelle von Hilberts erster Mitteilung "Die
Grundlagen der Physik" vom 20. November 1915 ist eine Fahnenkorrektur,
die die Druckerei Hilbert am 6. Dezember schickte. Diese Quelle ist
erst vor wenigen Jahren entdeckt worden. Auf diesem Quellenfund
basiert im wesentlichen die aufsehenerregende Arbeit von Corry, Renn
und Stachel von 1997 in der Zeitschrift Science. Bis dahin war
vielfach Hilbert als derjenige angesehen worden, der die endgültigen
Gravitationsgleichungen der Allgemeinen Relativitàtstheorie als erster
gefunden hatte, da Einstein seine betreffende Arbeit erst fünf Tage
spàter, am 25. November, eingereicht hatte. Diese Fahnenkorrekturen
der Hilbertschen Arbeit vom 20. November enthalten diese Gleichungen
zwar in impliziter, aber gerade nicht in expliziter Form. So konnten
Corry, Renn und Stachel die bisherige Sicht umkehren und behaupten,
dass Einstein die endgültigen Gleichungen in expliziter Form als
erster gefunden hatte und Hilbert sie von ihm übernommen haben muss,
nachdem er die Arbeit von Einstein, die schon am 2. Dezember
publiziert worden war, erhalten hatte.
[Daniela Wuensch: "zwei wirkliche Kerle, Neues zur Entdeckung der
Gravitationsgleichungen der Allgemeinen Relativitàtstheorie durch
David Hilbert und Albert Einstein" Termessos (2007), Verbesserte 2.
Auflage]
http://termessos.de/EinsteinHilbert.htm

Daniela Wuensch [...]: Die Stelle, in der die Gleichung explizit
formuliert war, ist aus den Druckfahnen herausgeschnitten worden – und
das, nachdem die Quelle in den 60er Jahren in die
Handschriftenabteilung gelangt war. Den Tàter vermutet sie in einem
Kollegen, der den Prioritàtsstreit zugunsten Einsteins entscheiden
wollte: "Wissenschaftshistoriker verfallen nicht selten in eine Art
Anbetung für die untersuchte Person.“
„Es ist eine mutige Behauptung“, gibt Wuensch, die am Institut für
Wissenschaftsgeschichte der Universitàt Göttingen lehrt, zu. Bereits
Anfang 2004 hatte der amerikanische Physik-Professor Friedwardt
Winterberg in einem Aufsatz àhnliches behauptet. Sie habe zunàchst
selbst an diesem Vorwurf gezweifelt, „aber ich habe daraufhin die
Quelle etwa ein Jahr lang untersucht und keine andere Erklàrung
gefunden.“
Für unwahrscheinlich hàlt jedoch Dr. Helmut Rohlfing, Leiter der
Handschriftenabteilung, Wuenschs These. „So einfach ist es gottlob
nicht, Dinge aus dem Lesesaal zu entfernen“, stellt er klar.
Schließlich sei stàndig eine Aufsicht vor Ort. Die Möglichkeit, dass
der Ausschnitt zu Hilberts Zeiten, möglicherweise von diesem selbst,
gemacht wurde, hàlt Rohlfing für wahrscheinlicher. „Diese Vermutung
hat Wuensch nicht hinreichend entkràftet.“ Die Historikerin aber ist
sich sicher: Erst in neuerer Zeit wurde die Quelle manipuliert. Für
ihre Behauptung führt sie eine ganze Reihe von Argumenten auf. Manches
davon bleibt allerdings Vermutung – wenn auch begründete.
[Kathrin Schneider: "Wurde Hilberts Idee abgeschnitten?", Göttinger
Tageblatt, 15. April 2005]

Anmerkung des Verlages: Herr Dr. Rohlfing irrt, Daniela Wuensch hat
schlüssig nachgewiesen, dass Hilbert selber oder ein anderer zu seiner
Zeit den Ausschnitt nicht gemacht haben kann.
http://termessos.de/presseeinsteinh...#Artikel01

Nun hat E[instein] von vornherein gefühlt, daß die g_mü,nü
beschrànkenden Feldgleichungen unterworfen werden müssen. Aber weil
ihm die Mathematik noch fern lag, hat er diese zunàchst nicht in
kovarianter Form aufzustellen vermocht. Das war sein Standpunkt 1915,
als er in Göttingen Vortràge hielt. Und nun kommt der Parallelismus
seiner Bestrebungen mit denen von Hilbert [...]. Die entscheidende
Gedankenwende erfolgte bei Hilbert im Herbst 1915 in Rügen; [...] Auch
bei Hilbert ist (in seiner 1. Note) viel subjektive Konstruktion: der
fanatische Glauben an die Variationsprizipien, die Meinung, daß man
durch bloßes math[ematisches] Nachdenken das Wesen der Natur erklàren
könne. Dazu die mathematisch ganz ungeordnete Darstellung ...
... Statt aber so seinen eigentlichen Gedanken klarzulegen, wàhlt
er eine axiomatische Darstellung, die Niemand versteht, der nicht das
ganze Ding schon gemeistert hat.
[Felix Klein an Wolfgang Pauli, 8. 5. 1921, zitiert in A. Hermann et
al.: "Wolfgang Pauli, Wissenschaftlicher Briefwechsel ...", Band 1,
Springer, Berlin (1979) p. 30]

Als der Physiker Leopold Infeld Ende der dreissiger Jahre in Princeton
Albert Einstein den Vorschlag machte, gemeinsam das
populàrwissenschaftliche Buch "Die Evolution der Physik" zu schreiben,
willigte Einstein sofort ein. "Kein Wissenschaftler denkt in Formlen",
sagte er, in der Physik gebe es erstaunlich wenige grundlegende Ideen,
und die könnten alle mit Worten wiedergegeben werden.
[André Behr: "Der Streit um die Formel", Neue Zürcher Zeitung vom 12.
Juni 2005.]

Gruß, WM
 

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#1 karl
15/01/2011 - 11:46 | Warnen spam
Am 15.01.2011 10:23, schrieb WM:
Krieg der Frösche und der Màuse (44)

Ganz unabhàngig von der Frage, ob die Korrekturfahnen Hilberts
zugunsten Einsteins von einem Fàlscher manipuliert worden sind, kann
an der Prioritàt Hilberts nicht gezweifelt werden, denn (wie in meiner
Arbeit betont) dort steht die von Hilbert gefundene richtige sog.
Lagrangedichte des Gravittaionsfeldes, die zusammen mit dem
Hilbertschen Variationsprinzip der differenziellen Form der
Feldgleichung mathematisch àquivalent ist. Beides ist dem vermuteten
Fàlscher beim Abschneiden nicht zum Opfer gefallen. Da aber nur mit
dieserf Lagrangedichte und nur mit dem Hilbertschen Variationsprinzip
sich die richtige Feldgleichung ergibt, ist mit Sicher anzunehmen,
dass Einstein sie von Hilbert übernommen hat, denn er erklàrt nicht,
wie er auf die richtige Gleichung gekommen ist. Leider war Einstein
nicht immer ehrlich im Zitieren anderer Gelehrter
[Prof. Dr. F. Winterberg, Department of Physics, University of Nevada,
Reno (SA), Leserbrief NZZ, 12. 6. 2005]

Ein Kriminalfall in der Wissenschaftsgeschichte?
Prioritàtsstreite haben immer wieder zu Fàlschungen von Quellen
geführt. In den letzten Jahren stritten Historiker mehrfach intensiv
über die Prioritàt bei der Entdeckung der endgültigen
Gravitationsgleichungen der Allgemeinen Relativitàtstheorie.
Wer fand sie zuerst? David Hilbert oder Albert Einstein? Im
November 1915 hatte Einstein fast nur mit Hilbert korrespondiert. Sie
lieferten sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen bei der Entdeckung der
endgültigen Gleichungen. Da entscheidende Briefe Hilberts an Einstein
fehlen, war die Frage nicht eindeutig zu beantworten. Doch lange Zeit
schien es, dass Hilbert die Gleichungen zuerst fand.
Seit 1997 kehrte sich das Blatt um. Nun war Hilbert der Dieb. Die
Entdeckung einer bis dahin unbekannten Quelle spielte dabei eine
entscheidende Rolle. Jüngst kehrte sich das Blatt wieder um. Genauere
Untersuchung dieser Quelle ließ Merkwürdiges erkennen: Eine vielleicht
entscheidende Passage war ausgeschnitten.

Zusammenfassung der Autorin:
Die einzige überlieferte Quelle von Hilberts erster Mitteilung "Die
Grundlagen der Physik" vom 20. November 1915 ist eine Fahnenkorrektur,
die die Druckerei Hilbert am 6. Dezember schickte. Diese Quelle ist
erst vor wenigen Jahren entdeckt worden. Auf diesem Quellenfund
basiert im wesentlichen die aufsehenerregende Arbeit von Corry, Renn
und Stachel von 1997 in der Zeitschrift Science. Bis dahin war
vielfach Hilbert als derjenige angesehen worden, der die endgültigen
Gravitationsgleichungen der Allgemeinen Relativitàtstheorie als erster
gefunden hatte, da Einstein seine betreffende Arbeit erst fünf Tage
spàter, am 25. November, eingereicht hatte. Diese Fahnenkorrekturen
der Hilbertschen Arbeit vom 20. November enthalten diese Gleichungen
zwar in impliziter, aber gerade nicht in expliziter Form. So konnten
Corry, Renn und Stachel die bisherige Sicht umkehren und behaupten,
dass Einstein die endgültigen Gleichungen in expliziter Form als
erster gefunden hatte und Hilbert sie von ihm übernommen haben muss,
nachdem er die Arbeit von Einstein, die schon am 2. Dezember
publiziert worden war, erhalten hatte.
[Daniela Wuensch: "zwei wirkliche Kerle, Neues zur Entdeckung der
Gravitationsgleichungen der Allgemeinen Relativitàtstheorie durch
David Hilbert und Albert Einstein" Termessos (2007), Verbesserte 2.
Auflage]
http://termessos.de/EinsteinHilbert.htm

Daniela Wuensch [...]: Die Stelle, in der die Gleichung explizit
formuliert war, ist aus den Druckfahnen herausgeschnitten worden – und
das, nachdem die Quelle in den 60er Jahren in die
Handschriftenabteilung gelangt war. Den Tàter vermutet sie in einem
Kollegen, der den Prioritàtsstreit zugunsten Einsteins entscheiden
wollte: "Wissenschaftshistoriker verfallen nicht selten in eine Art
Anbetung für die untersuchte Person.“
„Es ist eine mutige Behauptung“, gibt Wuensch, die am Institut für
Wissenschaftsgeschichte der Universitàt Göttingen lehrt, zu. Bereits
Anfang 2004 hatte der amerikanische Physik-Professor Friedwardt
Winterberg in einem Aufsatz àhnliches behauptet. Sie habe zunàchst
selbst an diesem Vorwurf gezweifelt, „aber ich habe daraufhin die
Quelle etwa ein Jahr lang untersucht und keine andere Erklàrung
gefunden.“
Für unwahrscheinlich hàlt jedoch Dr. Helmut Rohlfing, Leiter der
Handschriftenabteilung, Wuenschs These. „So einfach ist es gottlob
nicht, Dinge aus dem Lesesaal zu entfernen“, stellt er klar.
Schließlich sei stàndig eine Aufsicht vor Ort. Die Möglichkeit, dass
der Ausschnitt zu Hilberts Zeiten, möglicherweise von diesem selbst,
gemacht wurde, hàlt Rohlfing für wahrscheinlicher. „Diese Vermutung
hat Wuensch nicht hinreichend entkràftet.“ Die Historikerin aber ist
sich sicher: Erst in neuerer Zeit wurde die Quelle manipuliert. Für
ihre Behauptung führt sie eine ganze Reihe von Argumenten auf. Manches
davon bleibt allerdings Vermutung – wenn auch begründete.
[Kathrin Schneider: "Wurde Hilberts Idee abgeschnitten?", Göttinger
Tageblatt, 15. April 2005]

Anmerkung des Verlages: Herr Dr. Rohlfing irrt, Daniela Wuensch hat
schlüssig nachgewiesen, dass Hilbert selber oder ein anderer zu seiner
Zeit den Ausschnitt nicht gemacht haben kann.
http://termessos.de/presseeinsteinh...#Artikel01

Nun hat E[instein] von vornherein gefühlt, daß die g_mü,nü
beschrànkenden Feldgleichungen unterworfen werden müssen. Aber weil
ihm die Mathematik noch fern lag, hat er diese zunàchst nicht in
kovarianter Form aufzustellen vermocht. Das war sein Standpunkt 1915,
als er in Göttingen Vortràge hielt. Und nun kommt der Parallelismus
seiner Bestrebungen mit denen von Hilbert [...]. Die entscheidende
Gedankenwende erfolgte bei Hilbert im Herbst 1915 in Rügen; [...] Auch
bei Hilbert ist (in seiner 1. Note) viel subjektive Konstruktion: der
fanatische Glauben an die Variationsprizipien, die Meinung, daß man
durch bloßes math[ematisches] Nachdenken das Wesen der Natur erklàren
könne. Dazu die mathematisch ganz ungeordnete Darstellung ...
... Statt aber so seinen eigentlichen Gedanken klarzulegen, wàhlt
er eine axiomatische Darstellung, die Niemand versteht, der nicht das
ganze Ding schon gemeistert hat.
[Felix Klein an Wolfgang Pauli, 8. 5. 1921, zitiert in A. Hermann et
al.: "Wolfgang Pauli, Wissenschaftlicher Briefwechsel ...", Band 1,
Springer, Berlin (1979) p. 30]

Als der Physiker Leopold Infeld Ende der dreissiger Jahre in Princeton
Albert Einstein den Vorschlag machte, gemeinsam das
populàrwissenschaftliche Buch "Die Evolution der Physik" zu schreiben,
willigte Einstein sofort ein. "Kein Wissenschaftler denkt in Formlen",
sagte er, in der Physik gebe es erstaunlich wenige grundlegende Ideen,
und die könnten alle mit Worten wiedergegeben werden.
[André Behr: "Der Streit um die Formel", Neue Zürcher Zeitung vom 12.
Juni 2005.]

Gruß, WM



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