Das Kalenderblatt 110117

16/01/2011 - 10:51 von WM | Report spam
Krieg der Frösche und der Màuse (45)

Schon 1925 verhinderten die Mitherausgeber der Zeitschrift
"Mathematische Annalen" Ludwig Bieberbach und der Hollànder L.E.J.
Brouwer die vom geschàftsführenden Herausgeber Otto Blumenthal
beabsichtigte Aufnahme von einigen französischen Beitràgen in einen
Riemann-Gedenkband.
Als 1928 erstmals nach dem Krieg wieder deutsche Mathematiker zum
Internationalen Mathematikerkongress in Bologna eingeladen wurden,
1920 in Straßburg und 1924 in Toronto war das nicht der Fall gewesen,
kam es zu einer neuen Auseinandersetzung zwischen der nationalen
Fraktion um Bieberbach und Brouwer und der liberalen, nicht streng
deutschnationalen Seite um David Hilbert und seine Göttinger Kollegen.
Bieberbach war der Meinung, man sollte dem Kongress fernbleiben,
zum Einen, weil er vermutete, dass das "Conseil International de
Recherche", welches der deutschen Wissenschaft nicht gerade positiv
gegenüberstand, an der Organisation des Kongresses beteiligt war.
Außerdem stand ein Ausflug ins "befreite Südtirol" auf der
Tagesordnung, für einen national denkenden Menschen wie Bieberbach
eine Beleidigung höchsten Ausmaßes. Hilbert sah dies anders. Ihm
schwebte von jeher eine Zusammenarbeit zwischen Mathematikern, auch
international vor. So führte er mit seinen Göttinger Kollegen Landau
und Courant die deutsche Delegation beim Mathematikerkongress an,
wàhrend aus Berlin um Bieberbach keine Mathematiker teilnahmen.
So entstand in Deutschland ein Konflikt zwischen den mathematischen
Instituten Berlins und Göttingens, der neben den politischen Gründen
auch noch durch unterschiedliche Lehrmeinungen, nàmlich den in Berlin
hoch angesehenen Intuitionismus und den in Göttingen praktizierten
Formalismus, verschàrft wurde.
[H. Heibel, T. Pfennig, S. Rosenegger: "Deutsche Mathematik", TU
München, Hauptseminar Mathematiker wàhrend der NS-Zeit, Sommersemester
2003]
http://www5.in.tum.de/lehre/seminar...e/de-math/

Gruß, WM
 

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#1 karl
16/01/2011 - 10:57 | Warnen spam
Am 16.01.2011 10:51, schrieb WM:
Krieg der Frösche und der Màuse (45)

Schon 1925 verhinderten die Mitherausgeber der Zeitschrift
"Mathematische Annalen" Ludwig Bieberbach und der Hollànder L.E.J.
Brouwer die vom geschàftsführenden Herausgeber Otto Blumenthal
beabsichtigte Aufnahme von einigen französischen Beitràgen in einen
Riemann-Gedenkband.
Als 1928 erstmals nach dem Krieg wieder deutsche Mathematiker zum
Internationalen Mathematikerkongress in Bologna eingeladen wurden,
1920 in Straßburg und 1924 in Toronto war das nicht der Fall gewesen,
kam es zu einer neuen Auseinandersetzung zwischen der nationalen
Fraktion um Bieberbach und Brouwer und der liberalen, nicht streng
deutschnationalen Seite um David Hilbert und seine Göttinger Kollegen.
Bieberbach war der Meinung, man sollte dem Kongress fernbleiben,
zum Einen, weil er vermutete, dass das "Conseil International de
Recherche", welches der deutschen Wissenschaft nicht gerade positiv
gegenüberstand, an der Organisation des Kongresses beteiligt war.
Außerdem stand ein Ausflug ins "befreite Südtirol" auf der
Tagesordnung, für einen national denkenden Menschen wie Bieberbach
eine Beleidigung höchsten Ausmaßes. Hilbert sah dies anders. Ihm
schwebte von jeher eine Zusammenarbeit zwischen Mathematikern, auch
international vor. So führte er mit seinen Göttinger Kollegen Landau
und Courant die deutsche Delegation beim Mathematikerkongress an,
wàhrend aus Berlin um Bieberbach keine Mathematiker teilnahmen.
So entstand in Deutschland ein Konflikt zwischen den mathematischen
Instituten Berlins und Göttingens, der neben den politischen Gründen
auch noch durch unterschiedliche Lehrmeinungen, nàmlich den in Berlin
hoch angesehenen Intuitionismus und den in Göttingen praktizierten
Formalismus, verschàrft wurde.
[H. Heibel, T. Pfennig, S. Rosenegger: "Deutsche Mathematik", TU
München, Hauptseminar Mathematiker wàhrend der NS-Zeit, Sommersemester
2003]
http://www5.in.tum.de/lehre/seminar...e/de-math/

Gruß, WM



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Ciao

Karl

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