Das Kalenderblatt 110118

17/01/2011 - 14:17 von WM | Report spam
Krieg der Frösche und der Màuse (46)

Die Geschichte begann 1925 anlàßlich eines geplanten Riemann-
Gedenkbandes der Mathematischen Annalen, zu dem der geschàftsführende
Herausgeber, Otto Blumenthal, auch französische Beitràge ohne
politische Selektion der Autoren plante. Insbesondere der durch
Einsteins Vermittlung ins Gespràch gekommene Painlevé wurde von den
Mitherausgebern Bieberbach und dem germanophilen Hollànder L.E.J.
Brouwer wegen chauvinistischer Äußerungen im ersten Weltkrieg scharf
abgelehnt. Dieser erste Konflikt wurde politische Selektion der
französischen Autoren im Kompromiß beigelegt.
Der nàchste Akt, die Auseinandersetzung um die Teilnahme deutscher
Mathematiker am internationalen Mathematikerkongreß in Bologna im
September 1928, wurde in der mathematischen Öffentlichkeit geführt und
definierte die Fronten für das Weitere. Wieder standen Bieberbach und
Brouwer auf der nationalen Seite, die in dieser Kontroverse die
Teilnahme von Deutschen ablehnte, weil eine Beteiligung des durch
seine Boykottpolitik gegen die deutsche Wissenschaft bekannten Conseil
International de Recherche an der Organisation des Kongresses vermutet
wurde, und weil das Rahmenprogramm des Kongresses insbesondere einen
Ausflug in das "befreite Südtirol" vorsah, der als anti-deutscher
Affront gewertet wurde.
Die Gegenseite wurde - wie dann auch die tatsàchliche deutsche
Delegation in Bologna - von David Hilbert angeführt, der die Bedenken
Bieberbachs und Brouwers für grundlos hielt {{das ist sehr neutral
ausgedrückt. Hilbert hat diese Haltung sogar scharf kritisierte (s.
KB101206)}}, und ohnehin eine liberale, nicht deutsch-nationale
Haltung hatte. [...] Berlin entsandte keine Delegation {{und Weyl nahm
Teil.}}
[N. Schappacher, M. Kneser: "Fachverband - Institut - Staat" in: G.
Fischer et al. (Hrsg.): "Ein Jahrhundert Mathematik 1890-1990", Vieweg
+Teubner (1990) p. 55]
http://www.vieweg.de/Buch/978-3-528...-1990.html

Gruß, WM
 

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#1 karl
17/01/2011 - 15:35 | Warnen spam
Am 17.01.2011 14:17, schrieb WM:
Krieg der Frösche und der Màuse (46)

Die Geschichte begann 1925 anlàßlich eines geplanten Riemann-
Gedenkbandes der Mathematischen Annalen, zu dem der geschàftsführende
Herausgeber, Otto Blumenthal, auch französische Beitràge ohne
politische Selektion der Autoren plante. Insbesondere der durch
Einsteins Vermittlung ins Gespràch gekommene Painlevé wurde von den
Mitherausgebern Bieberbach und dem germanophilen Hollànder L.E.J.
Brouwer wegen chauvinistischer Äußerungen im ersten Weltkrieg scharf
abgelehnt. Dieser erste Konflikt wurde politische Selektion der
französischen Autoren im Kompromiß beigelegt.
Der nàchste Akt, die Auseinandersetzung um die Teilnahme deutscher
Mathematiker am internationalen Mathematikerkongreß in Bologna im
September 1928, wurde in der mathematischen Öffentlichkeit geführt und
definierte die Fronten für das Weitere. Wieder standen Bieberbach und
Brouwer auf der nationalen Seite, die in dieser Kontroverse die
Teilnahme von Deutschen ablehnte, weil eine Beteiligung des durch
seine Boykottpolitik gegen die deutsche Wissenschaft bekannten Conseil
International de Recherche an der Organisation des Kongresses vermutet
wurde, und weil das Rahmenprogramm des Kongresses insbesondere einen
Ausflug in das "befreite Südtirol" vorsah, der als anti-deutscher
Affront gewertet wurde.
Die Gegenseite wurde - wie dann auch die tatsàchliche deutsche
Delegation in Bologna - von David Hilbert angeführt, der die Bedenken
Bieberbachs und Brouwers für grundlos hielt {{das ist sehr neutral
ausgedrückt. Hilbert hat diese Haltung sogar scharf kritisierte (s.
KB101206)}}, und ohnehin eine liberale, nicht deutsch-nationale
Haltung hatte. [...] Berlin entsandte keine Delegation {{und Weyl nahm
Teil.}}
[N. Schappacher, M. Kneser: "Fachverband - Institut - Staat" in: G.
Fischer et al. (Hrsg.): "Ein Jahrhundert Mathematik 1890-1990", Vieweg
+Teubner (1990) p. 55]
http://www.vieweg.de/Buch/978-3-528...-1990.html

Gruß, WM



Das postest Du jetzt schon zum zweitenmal. Wie oft denn noch? Wenn Du glaubst, hier kann keiner lesen, nützt es doch
sowieso nichts.
Ciao
Karl

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