Das Kalenderblatt 110203.

02/02/2011 - 09:13 von WM | Report spam
Krieg der Frösche und der Màuse (62)

{{Am 19. 10. 1928 antwortete Einstein auf Carathéodorys Brief und
sandte ihm eine Kopie seiner Antwort an Hilbert (KB110201). Ob
Einstein Brouwer wirklich so gut kannte, dass er das im Brief an
Hilbert abgegeben Urteil auf Fakten gründen konnte, darf bezweifelt
werden. Vermutlich wollte er Hilbert nur auf diese Weise besànftigen.

Brouwer hatte zweifellos psychopathische Züge. Er hat sich mit so
vielen Menschen seiner engeren und weiteren Umgebung, aber auch mit
Institutionen zerstritten, dass die Schuld daran nicht immer den
anderen angelastet werden kann. Der Mathematiker Hopf bezeichnete sich
stolz als den einzigen Mathematiker, mit dem Brouwer sich niemals
gestritten hat. Das war zwar übertrieben - aber nur wenig. Ein
prominentes Beispiel ist Brouwers langjàhriger Assistent Freudenthal,
der in den meisten Quellen als umgànglicher Mensch geschildert wird.
Das erste kleinere Problem trat auf, als Freudenthal, der zunàchst in
Brouwers Nàhe wohnte, nach Amsterdam ziehen wollte. Brouwer war das
nicht recht. Er wollte seine Assistenten Tag und Nacht erreichbar
haben. Er wies Freudenthal deshalb an, sich ein Telefon zuzulegen. -
Brouwer hat aber niemals angerufen. Freudenthal war fleißig und
erfolgreich. Er betreute für Brouwer drei Doktorarbeiten und erledigte
die wesentliche Arbeit an Brouwers neuem Mathematik-Journal
(Composition Mathematica, das übrigens kaum intuitionistische Beitràge
brachte), wie es Brouwer für die Annalen getan hatte. Daneben ging es
wieder, wie so oft bei Brouwer, um Prioritàtsstreitigkeiten und vor
allem wohl eine persönliche Unvertràglichkeit. Nach der Okkupation der
Niederlande wurde der Jude Freudenthal entlassen. Nach dem Krieg hat
Brouwer alles getan, um seine Wiedereinstellung zu verhindern. Brouwer
schrieb: "a mathematician of exceptional decisiveness, universality
and productivity [...] fully entitled to an independent position at a
university. [...] I for myself have to avoid any contact with Dr.
Freudenthal for reasons of self-preservation. [...] As furthermore, my
relation to Dr. Freudenthal already for years paralyses my scientific
production, the continuation of an official connection between him and
me will probably destroy the remaining chances on a resuming and
finishing of my lifework." [...] The affair ended with Freudenthal's
acceptance of the chair in Utrecht. To Freudenthal's immense surprise,
Brouwer, entering the Mathematical Institute in Amsterdam, when
Freudenthal was just leaving, graped his hand and warmly congratulated
him with his appointment.
[...]
Schouten schrieb, als Brouwer die Leitung der Composition Mathematica
verlor und an der Leitung des neu errichteten Mathematischen Zentrums
nicht beteiligt wurde: "but as Brouwer permanently gets into a fight,
then with one person and then with another, one could not seriously
take this into account. Where would the world be if everybody could
insist on keeping company only with those tthey could love, and by
whom they are loved? This is ridiculous child's play, and it is most
regrettable that an excellent scholar possesses so little wisdom, that
he stoops to playing indians and cowboys".
[Dirk van Dalen: "Mystic, Geometer, and Intuitionist: The Life of
L.E.J. Brouwer, Vol. 2", Clarendon Press, Oxford (2005) 812f, 843]

Einsteins hatte also mit oder ohne Detail-Informationen ein
treffsicheres Urteil gefàllt. In seinem Brief an Carathéodory setzte
Einstein noch hinzu:}} Es waere sicher das Beste, dieser Brouwer-
Angelegenheit gar keine Beachtung zu schenken. Ich haette nie gedacht,
dass Hilbert solcher Gefuehlsausbrueche faehig waere.

[Copyright: Albert-Einstein-Archiv der Hebràischen Universitàt
Jerusalem. Ich danke Dirk van Dalen für eine Abschrift des Briefes.]

Gruß, WM
 

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#1 JürgenR
02/02/2011 - 13:02 | Warnen spam
"WM" schrieb im Newsbeitrag
news:



[blabla..]

Der Mathematiker Hopf bezeichnete sich
stolz als den einzigen Mathematiker, mit dem Brouwer sich niemals
gestritten hat. Das war zwar übertrieben - aber nur wenig.



Schon ein einfacher Satz wie dieser zeigt ganz klar, dass Sie keine
Ahnung haben - weder von den Persönlichkeiten, noch deren
Beziehungen zu einander, und schon garnicht von ihren
Beitràgen zur Mathematik.

Sie werden nicht wissen, warum das klar ist, und
deshalb werden Sie auch nicht vermeiden können, sich
weiterhin làcherlich zu machen.

[blabla...]

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