Das Kalenderblatt 110403

02/04/2011 - 09:16 von WM | Report spam
Man kann nun einen Personennamen, ein Farbwort, einen Stoffnamen,
ein Zahlwort, den Namen einer Himmelsrichtung, etc. hinweisend
definieren. Die Definition der Zahl Zwei »Das heißt ›zwei‹« - wobei
man auf zwei Nüsse zeigt - ist vollkommen exakt. - Aber wie kann man
denn die Zwei so definieren? Der, dem man die Definition gibt, weiß ja
dann nicht, was man mit »zwei« benennen will; er wird annehmen, daß du
diese Gruppe von Nüssen »zwei« nennst! - Er kann dies annehmen;
vielleicht nimmt er es aber nicht an. Er könnte ja auch, umgekehrt,
wenn ich dieser Gruppe von Nüssen einen Namen beilegen will, ihn als
Zahlnamen mißverstehen. Und ebensogut, wenn ich einen Personennamen
hinweisend erklàre, diesen als Farbnamen, als Bezeichnung der Rasse,
ja als Namen einer Himmelsrichtung auffassen. Das heißt, die
hinweisende Definition kann in jedem Fall so und anders gedeutet
werden. .
Vielleicht sagt man: die Zwei kann nur so hinweisend definiert
werden: »Diese Zahl heißt ›zwei‹«. Denn das Wort »Zahl« zeigt hier an,
an welchen Platz der Sprache, der Grammatik, wir das Wort setzen. Das
heißt aber, es muß das Wort »Zahl« erklàrt sein, ehe jene hinweisende
Definition verstanden werden kann. - Das Wort »Zahl« in der Definition
zeigt allerdings diesen Platz an; den Posten, an den wir das Wort
stellen. Und wir können so Mißverstàndnissen vorbeugen, indem wir
sagen: »Diese Farbe heißt so und so«, »Diese Lànge heißt so und so«,
usw. Das heißt: Mißverstàndnisse werden manchmal so vermieden. Aber
làßt sich denn das Wort »Farbe«, oder »Lànge« nur so auffassen? - Nun,
wir müssen sie eben erklàren.- Also erklàren durch andere Wörter! […]
Ob das Wort »Zahl« in der hinweisenden Definition der Zwei nötig
ist, das hàngt davon ab, ob er sie ohne dieses Wort anders auffaßt,
als ich es wünsche. Und das wird wohl von den Umstànden abhàngen,
unter welchen sie gegeben wird, und von dem Menschen, dem ich sie
gebe. Und wie er die Erklàrung ›auffaßt‹, zeigt sich darin, wie er von
dem erklàrten Wort Gebrauch macht. […]
Man könnte also sagen: Die hinweisende Definition erklàrt den
Gebrauch - die Bedeutung - des Wortes, wenn es schon klar ist, welche
Rolle das Wort in der Sprache überhaupt spielen soll. Wenn ich also
weiß, daß Einer mir ein Farbwort erklàren will, so wird mir die
hinweisende Erklàrung »Das heißt ›Sepia‹« zum Verstàndnis des Wortes
verhelfen. - Und dies kann man sagen, wenn man nicht vergißt, daß sich
nun allerlei Fragen an das Wort »wissen«, oder »klar sein« anknüpfen.
Man muß schon etwas wissen (oder können), um nach der Benennung fragen
zu können. Aber was muß man wissen? {{Man muss wissen, dass man jeden
Oponenten sofort zum Schweigen bringen kann, indem man von ihm eine
"saubere" Definition fordert. Denn selbstverstàndlich gibt es keine
saubere Definition des Begriffs "saubere Definition" und damit hat man
gewonnen. Am besten fordert man das Ganze noch in ZFC + FOPL und
befindet, wenn es eng wird um die eigene Position, dass das Problem
nicht in ZFC + FOPL formulierbar ist, bzw. dass die gegebene
Fromulierung nicht sauber ist. Ein dreifach Hoch der
widerspruchsfreien widerspruchslos geglaubten Matheologie! (Nicht
vergessen: Wissenschaft erfordert Zweifel am Glaubhaften. Religion
erfordert Glauben an Zweifelhaftes.)}}

[Ludwig Wittgenstein: "Philosophische Untersuchungen" (J. Schulte,
Hrsg.), Suhrkamp (2003) § 28 ff]
http://www.geocities.co.jp/mickinde...pu_gm.html
http://www.wikilivres.info/wiki/Phi...suchungen/

Gruß, WM
 

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#1 wernertrp
02/04/2011 - 13:03 | Warnen spam
On 2 Apr., 09:16, WM wrote:
   Man kann nun einen Personennamen, ein Farbwort, einen Stoffnamen,
ein Zahlwort, den Namen einer Himmelsrichtung, etc. hinweisend
definieren. Die Definition der Zahl Zwei »Das heißt ›zwei‹« - wobei
man auf zwei Nüsse zeigt - ist vollkommen exakt. - Aber wie kann man
denn die Zwei so definieren? Der, dem man die Definition gibt, weiß ja
dann nicht, was man mit »zwei« benennen will; er wird annehmen, daß du
diese Gruppe von Nüssen »zwei« nennst! - Er kann dies annehmen;
vielleicht nimmt er es aber nicht an. Er könnte ja auch, umgekehrt,
wenn ich dieser Gruppe von Nüssen einen Namen beilegen will, ihn als
Zahlnamen mißverstehen. Und ebensogut, wenn ich einen Personennamen
hinweisend erklàre, diesen als Farbnamen, als Bezeichnung der Rasse,
ja als Namen einer Himmelsrichtung auffassen. Das heißt, die
hinweisende Definition kann in jedem Fall so und anders gedeutet
werden. .
   Vielleicht sagt man: die Zwei kann nur so hinweisend definiert
werden: »Diese Zahl heißt ›zwei‹«. Denn das Wort »Zahl« zeigt hier an,
an welchen Platz der Sprache, der Grammatik, wir das Wort setzen. Das
heißt aber, es muß das Wort »Zahl« erklàrt sein, ehe jene hinweisende
Definition verstanden werden kann. - Das Wort »Zahl« in der Definition
zeigt allerdings diesen Platz an; den Posten, an den wir das Wort
stellen. Und wir können so Mißverstàndnissen vorbeugen, indem wir
sagen: »Diese Farbe heißt so und so«, »Diese Lànge heißt so und so«,
usw. Das heißt: Mißverstàndnisse werden manchmal so vermieden. Aber
làßt sich denn das Wort »Farbe«, oder »Lànge« nur so auffassen? - Nun,
wir müssen sie eben erklàren.- Also erklàren durch andere Wörter! […]
   Ob das Wort »Zahl« in der hinweisenden Definition der Zwei nötig
ist, das hàngt davon ab, ob er sie ohne dieses Wort anders auffaßt,
als ich es wünsche. Und das wird wohl von den Umstànden abhàngen,
unter welchen sie gegeben wird, und von dem Menschen, dem ich sie
gebe. Und wie er die Erklàrung ›auffaßt‹, zeigt sich darin, wie er von
dem erklàrten Wort Gebrauch macht. […]
   Man könnte also sagen: Die hinweisende Definition erklàrt den
Gebrauch - die Bedeutung - des Wortes, wenn es schon klar ist, welche
Rolle das Wort in der Sprache überhaupt spielen soll. Wenn ich also
weiß, daß Einer mir ein Farbwort erklàren will, so wird mir die
hinweisende Erklàrung »Das heißt ›Sepia‹« zum Verstàndnis des Wortes
verhelfen. - Und dies kann man sagen, wenn man nicht vergißt, daß sich
nun allerlei Fragen an das Wort »wissen«, oder »klar sein« anknüpfen.
Man muß schon etwas wissen (oder können), um nach der Benennung fragen
zu können. Aber was muß man wissen? {{Man muss wissen, dass man jeden
Oponenten sofort zum Schweigen bringen kann, indem man von ihm eine
"saubere" Definition fordert. Denn selbstverstàndlich gibt es keine
saubere Definition des Begriffs "saubere Definition" und damit hat man
gewonnen. Am besten fordert man das Ganze noch in ZFC + FOPL und
befindet, wenn es eng wird um die eigene Position, dass das Problem
nicht in ZFC + FOPL formulierbar ist, bzw. dass die gegebene
Fromulierung nicht sauber ist. Ein dreifach Hoch der
widerspruchsfreien widerspruchslos geglaubten Matheologie! (Nicht
vergessen: Wissenschaft erfordert Zweifel am Glaubhaften. Religion
erfordert Glauben an Zweifelhaftes.)}}

[Ludwig Wittgenstein: "Philosophische Untersuchungen" (J. Schulte,
Hrsg.), Suhrkamp (2003) § 28 ff]http://www.geocities.co.jp/mickinde...m.htmlhttp://www.wikilivres.info/wiki/Philosophische_Untersuchungen/

Gruß, WM



Wenn man zum definieren eines Wortes weniger als 100 Sàtze braucht, so
können das nur einfache Begriffe und Dinge sein.
Einfache Unendlichkeiten lassen sich schnell und leicht definieren.

Bei den Qualitàten sieht das aber ganz anders aus:

Iranumanuramsch, Rollenkandelnost, Okidanoch,
Seinspartkdolgflicht, Enneagram, harnel-miatznel,

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