Das Kalenderblatt 110501

30/04/2011 - 08:59 von WM | Report spam
Das göttliche Sein und Vermögen ist unendlich [...] Unendlich wird
doppelt verstanden, privativ und negativ. Privativ nimmt es den actus,
die tatsàchliche Wirklichkeit weg und làßt es nur die Fàhigkeit
bestehen, und so wird unendlich genannt, was bloß fàhig ist, beendet
zu werden, aber nicht wirklich beendet ist; so bedeutet es eine
Unvollkommenheit. Zweitens aber wird unendlich negativ ausgesagt und
so hebt es schlechthin das Ende oder die Beendetheit auf. Aber auch
das muß wiederum zweifach verstanden werden nach der doppelten
Bedeutung von Ende — Grenze (finis terminus) und Ende — Vollendung
(finis complementum). Auch so wird also unendlich wieder zweifach
gebraucht, entweder als die Aufhebung der Endvollendung, d. h.
schlechtunendlich, oder als die Aufhebung der Endgrenze, wobei nun
wieder Grenze eine doppelte Bedeutung haben kann. Es gibt nàmlich eine
Grenze der stofflichen und geistigen Quantitàt. Die erste heißt
Quantitàt der Masse, die zweite Quantitàt der Kraft. Unendlich durch
Aufhebung der Grenze nach der Quantitàt der Masse bezeichnet immer
eine Unvollkommenheit des Aktseins oder Vermögens, weil es ein Abgehen
von der Einfachheit bezeichnet. Eine solche Quantitàt ist nicht
vereinbar mit der Einfachheit in sich selbst und durch sich selbst,
und ein solches Unendliches ist niemals actu, tatsàchlich wirklich,
sondern nur der Potenz nach, in Wirklichkeit aber endlich. Das
Unendliche aber durch Aufhebung der Grenze der Quantitàt der Kraft
bezeichnet nicht irgendeine Unvollkommenheit, sondern das höchste
Vollendetsein, weil es nicht der Einfachheit widerspricht, ja nur im
schlechthin Einfachen sein kann.
[Bonaventura, de myster. Trin. Qu. IV. a. i., Übersetzung: von A.
Dempf in: "Das Unendliche in der mittelalterlichen Metaphysik und in
der Kantische Dialektik", Veröffentlichungen des Katholischen
Institutes für Philosophie, Albertus-Magnus-Akademie zu Köln, Band II
Heft 1, Aschendorffsche Verlagsbuchhandlung, Münster (1926) 1-91, p.
20f]

BONAVENTURA (Johannes Fidanza), Kirchenlehrer, Heiliger, (1221-1274) -
B. trat 1243/44 in den Franziskanerorden ein und studierte in Paris
als Schüler des Alexander von Hales. 1248 erwarb er die
Bakkalaureuswürde und begann in der Franziskanerschule in Paris mit
Vorlesungen über die Sentenzen des Petrus Lombardus. Seit 1257 leitete
B. als General den Orden. [...] Sixtus IV. sprach ihn 1482 heilig, und
Sixtus V. nahm ihn 1587 als doctor seraphicus unter die doctores
ecclesiae auf. - B. war der bedeutendste Vertreter der àlteren
Franziskanerschule, neben Thomas von Aquin der größte Theologe der
Scholastik und nach dem Urteil Leos XIII. der »Fürst unter allen
Mystikern«.
[Friedrich Wilhelm Bautz: Biographisch-Bibilographisches
Kirchenlexikon, Verlag Traugott Bautz, Band I (1990)]
http://www.bautz.de/bbkl/b/bonaventura.shtml

Gruß, WM
 

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#1 Jürgen R.
30/04/2011 - 09:51 | Warnen spam
"WM" schrieb im Newsbeitrag
news:
Das göttliche Sein und Vermögen ist unendlich [...] Unendlich wird
doppelt verstanden, privativ und negativ. Privativ nimmt es den actus,
die tatsàchliche Wirklichkeit weg und làßt es nur die Fàhigkeit
bestehen, und so wird unendlich genannt, was bloß fàhig ist, beendet
zu werden, aber nicht wirklich beendet ist; so bedeutet es eine
Unvollkommenheit. Zweitens aber wird unendlich negativ ausgesagt und
so hebt es schlechthin das Ende oder die Beendetheit auf. Aber auch
das muß wiederum zweifach verstanden werden nach der doppelten
Bedeutung von Ende — Grenze (finis terminus) und Ende — Vollendung
(finis complementum). Auch so wird also unendlich wieder zweifach
gebraucht, entweder als die Aufhebung der Endvollendung, d. h.
schlechtunendlich, oder als die Aufhebung der Endgrenze, wobei nun
wieder Grenze eine doppelte Bedeutung haben kann. Es gibt nàmlich eine
Grenze der stofflichen und geistigen Quantitàt. Die erste heißt
Quantitàt der Masse, die zweite Quantitàt der Kraft. Unendlich durch
Aufhebung der Grenze nach der Quantitàt der Masse bezeichnet immer
eine Unvollkommenheit des Aktseins oder Vermögens, weil es ein Abgehen
von der Einfachheit bezeichnet. Eine solche Quantitàt ist nicht
vereinbar mit der Einfachheit in sich selbst und durch sich selbst,
und ein solches Unendliches ist niemals actu, tatsàchlich wirklich,
sondern nur der Potenz nach, in Wirklichkeit aber endlich. Das
Unendliche aber durch Aufhebung der Grenze der Quantitàt der Kraft
bezeichnet nicht irgendeine Unvollkommenheit, sondern das höchste
Vollendetsein, weil es nicht der Einfachheit widerspricht, ja nur im
schlechthin Einfachen sein kann.
[Bonaventura, de myster. Trin. Qu. IV. a. i., Übersetzung: von A.
Dempf in: "Das Unendliche in der mittelalterlichen Metaphysik und in
der Kantische Dialektik", Veröffentlichungen des Katholischen
Institutes für Philosophie, Albertus-Magnus-Akademie zu Köln, Band II
Heft 1, Aschendorffsche Verlagsbuchhandlung, Münster (1926) 1-91, p.
20f]

BONAVENTURA (Johannes Fidanza), Kirchenlehrer, Heiliger, (1221-1274) -
B. trat 1243/44 in den Franziskanerorden ein und studierte in Paris
als Schüler des Alexander von Hales. 1248 erwarb er die
Bakkalaureuswürde und begann in der Franziskanerschule in Paris mit
Vorlesungen über die Sentenzen des Petrus Lombardus. Seit 1257 leitete
B. als General den Orden. [...] Sixtus IV. sprach ihn 1482 heilig, und
Sixtus V. nahm ihn 1587 als doctor seraphicus unter die doctores
ecclesiae auf. - B. war der bedeutendste Vertreter der àlteren
Franziskanerschule, neben Thomas von Aquin der größte Theologe der
Scholastik und nach dem Urteil Leos XIII. der »Fürst unter allen
Mystikern«.
[Friedrich Wilhelm Bautz: Biographisch-Bibilographisches
Kirchenlexikon, Verlag Traugott Bautz, Band I (1990)]
http://www.bautz.de/bbkl/b/bonaventura.shtml

Gruß, WM



Das wird uns sicher helfen, die Mückenhausener Mathematik besser
zu verstehen. Ganz besonders gefàllt mir der Satz: "Eine solche Quantitàt
ist nicht
vereinbar mit der Einfachheit in sich selbst und durch sich selbst."

Angewendet auf den Mückenhausener Binàren Baum bedeutet das
natürlich, dass dessen innere Struktur mit der àußeren Form
kanonisch vereinbar ist, und dass letztere erstere reflektorisch erhellt
und vice versa.

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