Das Kalenderblatt 110514

13/05/2011 - 11:07 von WM | Report spam
Der zweite Teil der ersten kantischen Antinomie lautet in der Thesis:
"Die Welt ist dem Raume nach in Grenzen eingeschlossen“, und in der
Antithesis: "Die Welt hat keine Grenzen im Raume, sondern ist in
Ansehung des Raumes unendlich. Wir stellen zunàchst die Thesis wieder
dahin richtig, daß sie lauten muß: Die Welt fàllt mit dem Raume
zusammen. Der kantische Beweis für die Endlichkeit der Welt ist
tatsàchlich ohne den Raumbegriff geführt und darum für die richtig
formulierte Thesis auch völlig haltbar, also nicht ein dialektischer
Beweis, wie Kant meint. Seine Beweisführung lautet so: "Wàre die Welt
unendlich, so wàre sie ein unendliches gegebenes Ganzes von zugleich
existierenden Dingen. Nun können wir die Größe eines Quanti, welches
nicht innerhalb gewisser Grenzen jeder Anschauung gegeben wird, auf
keine andere Art als nur durch die Synthesis der Teile und die
Totalitàt eines solchen Quanti nur durch die vollendete Synthesis
denken. Denmach, um sich die Welt ("die alle Ràume erfüllt“ kann in
der Beweisführung wegfallen, da es mit dem eigentlichen Beweisgrund
nichts zu tun hat) als ein Ganzes zu denken, müßte die sukzessie
Synthesis der Teile einer unendlichen Welt als vollendet angesehen, d.
i. eine unendliche Zeit müßte in der Durchzàhlung aller koexistieren
Dinge als abgelaufen angesehen werden, welches unmöglich ist. Demnach
kann ein unendliches Aggregat wirklicher Dinge nicht als ein gegebenes
Ganzes, mithin auch nicht als zugleich gegeben angesehen werden. {{Das
schließt auch Zahlen ein, sofern sie als "wirkliche Dinge" verstanden
werden, zum Beispiel als erleuchtete Pixel auf dem Schirm oder als
erleuchtende Strompulse im Hirn. Nur was ganz ohne Gegenbild in der
Realitàt existieren kann, kann absolut unendlich sein. Doch ist es
auch reell? Denn was existiert da und wo?}}
Wenn nun Kant fortfàhrt, eine Welt ist folglich der Ausdehnung im
Raum nach nicht unendlich, sondern in ihre Grenze eingeschlossen, so
setzt er nun plötzlich die Totalitàt der wirklichen Dinge in ein
notwendiges Verhàltnis zum Raume, nàherhin zu dem notwendig schlecht
unendlichen subjektiven Vorstellungsraum, dem natürlich seinem Begriff
nach keine Grenzen gesetzt werden dürfen. Das Verhàltnis der Welt zum
Raume muß zunàchst beiseite gelassen werden, um vorerst in aller
Schàrfe die völlige Unmöglichkeit darzutun, daß konkrete Einzeldinge
in echt unendlicher Menge, ja eine echt unendliche Menge und Vielzahl
überhaupt existieren kann. Es gibt ja nicht einmal eine echt
unendliche Zahl. {{Das hàngt wohl vom ES ab. Jedes ES, das mir bekannt
oder vorstellbar ist, würde sich allerdings hüten, so etwas zu
geben.}}

[Alois Dempf: "Das Unendliche in der mittelalterlichen Metaphysik und
in der Kantischen Dialektik", Veröffentlichungen des Katholischen
Institutes für Philosophie, Albertus-Magnus-Akademie zu Köln, Band II
Heft 1, Aschendorffsche Verlagsbuchhandlung, Münster (1926) 1-91]

Gruß, WM

http://www.hs-augsburg.de/~mueckenh/KB/
 

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#1 Bert Ramm
13/05/2011 - 14:13 | Warnen spam
WM faselt:

Der zweite



Suum quique, das Schwein quiekt...

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