Das Kalenderblatt 110729

28/07/2011 - 08:52 von WM | Report spam
Das Weltbild Georg Cantors (30): Roma locuta, causa finita?

Eingedenk meines Versprechens, erlaube ich mir Ihnen beifolgend sechs
Exemplare meines Opusculums „Zur Lehre vom Transfiniten“ zu
übersenden, davon ist eins für seine Heiligkeit Papst Leo XIII
bestimmt; hoffentlich ist es Ihnen möglich, durch eine befreundete
Hand in Rom diese Bestellung ausführen zu laßen.
Ein anderes Exemplar bitte ich, durch den Pater Michael de Val
Alcalde S. Eminenz dem Cardinal Gonzalez überreichen zu laßen; ein
drittes und viertes sind für Sie und P. Michael bestimmt.
Die beiden letzten, mit einer Widmung nicht versehenen Exemplare
haben Sie die Güte ders. Sendung an S. Heiligkeit beizulegen, damit,
wenn meine Hoffnung in Erfüllung geht und Er die Schrift Höchstselbst
prüfen wird, zwei andere Exemplare für Ihm Unterstellte, denen er die
gleichzeitige Prüfung befehlen wird, da sein mögen.
[Cantor an Keller, 21. 1. 1894]

Auf der anderen Seite scheint nun auch mein, wie Sie wissen, seit
langer Zeit sehnlichst gehegter Wunsch in Erfüllung gehen zu sollen,
daß ich nàmlich in eine freundschaftlich-vertrauliche private
Correspondenz mit hervorragenden Vertretern der St. Thomasschen
Theologie u. Philosophie in Rom eintrete; in Bezug auf die Frage: "ob
und in wieweit meine Lehre vom Transfiniten geeignet sei, gewisse,
durch den damals noch verhàltnissmàßig unentwickelten Begriff des
creatürlichen actualen Unendlichen od. "Transfiniten“ erklàrliche, vom
heil. Thomas in seinem System offen gelassene Lücke auszufüllen“.
Fürs Erste darf ich Ihnen das Genauere über diesen noch in der
Schwebe befindlichen Plan nicht sagen.
[Cantor an Woker (Textentwurf), 30. 12. 1895]

Das meiste über die Bacon-Shakespearefrage Geschriebene ist nicht viel
werth, und die angeblichen Baconkryptogramme von Donnelly u. Consorten
sind, wie ich sofort erkannt habe, nichts als eitel Humbug.
Ganz unabhàngig von diesem traurigen Schwindel sind die
historischen Beweise, welche ich gefunden habe. Mir wàre es sehr lieb,
wenn dieselben in Rom geprüft würden. Dazu schlage ich folgenden Modus
vor.
[Cantor an Pollen, 16.2.1896]

Haben Sie noch die verschiedenen Briefe, welche ich Ihnen seit anno
1880 über die Frage des Transfiniten geschrieben? [...] Es wird
nàmlich (im Vertrauen theile ich Ihnen dies mit) jetzt Alles auf diese
Frage Bezügliche in Rom von den Dominicanern geprüft, die mit mir
darüber in einer wissenschaftlichen Correspondenz stehen, die durch P.
Thomas Esser O. Pr. geführt wird.
[Cantor an Jeiler, 22. 2. 1896]

[Zitate aus C. Tapp: "Kardinalitàt und Kardinàle", Franz Steiner
Verlag (2005)]

Bis jetzt habe ich noch keine bestimmte Antwort darauf erhalten.
{{Dabei blieb es. Rom sprach nicht.}} Es heisst ja auch wohl ein altes
Sprichwort: "Roma mora". Allein /das schadet nichts, ich habe Geduld/
und für mich bleibt immer /Roma Amor!/
[Cantor an Jeiler, 1.3.1896]

[Zitate aus H. Meschkowski: "Georg Cantor: Leben, Werk und Wirkung",
BI, Mannheim (1981) und C. Tapp: "Kardinalitàt und Kardinàle", Franz
Steiner Verlag (2005)]

Gruß, WM
 

Lesen sie die antworten

#1 wernertrp
30/07/2011 - 14:03 | Warnen spam
On 28 Jul., 08:52, WM wrote:
Das Weltbild Georg Cantors (30): Roma locuta, causa finita?

Eingedenk meines Versprechens, erlaube ich mir Ihnen beifolgend sechs
Exemplare meines Opusculums „Zur Lehre vom Transfiniten“ zu
übersenden, davon ist eins für seine Heiligkeit Papst Leo XIII
bestimmt; hoffentlich ist es Ihnen möglich, durch eine befreundete
Hand in Rom diese Bestellung ausführen zu laßen.
   Ein anderes Exemplar bitte ich, durch den Pater Michael de Val
Alcalde S. Eminenz dem Cardinal Gonzalez überreichen zu laßen; ein
drittes und viertes sind für Sie und P. Michael bestimmt.
   Die beiden letzten, mit einer Widmung nicht versehenen Exemplare
haben Sie die Güte ders. Sendung an S. Heiligkeit beizulegen, damit,
wenn meine Hoffnung in Erfüllung geht und Er die Schrift Höchstselbst
prüfen wird, zwei andere Exemplare für Ihm Unterstellte, denen er die
gleichzeitige Prüfung befehlen wird, da sein mögen.
[Cantor an Keller, 21. 1. 1894]

Auf der anderen Seite scheint nun auch mein, wie Sie wissen, seit
langer Zeit sehnlichst gehegter Wunsch in Erfüllung gehen zu sollen,
daß ich nàmlich in eine freundschaftlich-vertrauliche private
Correspondenz mit hervorragenden Vertretern der St. Thomasschen
Theologie u. Philosophie in Rom eintrete; in Bezug auf die Frage: "ob
und in wieweit meine Lehre vom Transfiniten geeignet sei, gewisse,
durch den damals noch verhàltnissmàßig unentwickelten Begriff des
creatürlichen actualen Unendlichen od. "Transfiniten“ erklàrliche, vom
heil. Thomas in seinem System offen gelassene Lücke auszufüllen“.
   Fürs Erste darf ich Ihnen das Genauere über diesen noch in der
Schwebe befindlichen Plan nicht sagen.
[Cantor an Woker (Textentwurf), 30. 12. 1895]

Das meiste über die Bacon-Shakespearefrage Geschriebene ist nicht viel
werth, und die angeblichen Baconkryptogramme von Donnelly u. Consorten
sind, wie ich sofort erkannt habe, nichts als eitel Humbug.
   Ganz unabhàngig von diesem traurigen Schwindel sind die
historischen Beweise, welche ich gefunden habe. Mir wàre es sehr lieb,
wenn dieselben in Rom geprüft würden. Dazu schlage ich folgenden Modus
vor.
[Cantor an Pollen, 16.2.1896]

Haben Sie noch die verschiedenen Briefe, welche ich Ihnen seit anno
1880 über die Frage des Transfiniten geschrieben? [...] Es wird
nàmlich (im Vertrauen theile ich Ihnen dies mit) jetzt Alles auf diese
Frage Bezügliche in Rom von den Dominicanern geprüft, die mit mir
darüber in einer wissenschaftlichen Correspondenz stehen, die durch P.
Thomas Esser O. Pr. geführt wird.
[Cantor an Jeiler, 22. 2. 1896]

[Zitate aus C. Tapp: "Kardinalitàt und Kardinàle", Franz Steiner
Verlag (2005)]

Bis jetzt habe ich noch keine bestimmte Antwort darauf erhalten.
{{Dabei blieb es. Rom sprach nicht.}} Es heisst ja auch wohl ein altes
Sprichwort: "Roma mora". Allein /das schadet nichts, ich habe Geduld/
und für mich bleibt immer /Roma Amor!/
[Cantor an Jeiler, 1.3.1896]

[Zitate aus H. Meschkowski: "Georg Cantor: Leben, Werk und Wirkung",
BI, Mannheim (1981) und C. Tapp: "Kardinalitàt und Kardinàle", Franz
Steiner Verlag (2005)]

Gruß, WM



Das sind leicht feuchte Briefe.
Gut angefeuchtet und gut durchfeuchtet, wenn nicht sogar etwas Schleim
darin ist.

Ähnliche fragen