Das Kalenderblatt 110815

14/08/2011 - 15:51 von WM | Report spam
Shaxpeareologie (15)

How much unlike my hopes and my deservings!
"Who chooseth me shall have as much as he deserves"!
Did I deserve no more than a fool's head?

Im 48. Jahrgang 1896 der Zeitschrift "Deutschland" (2. Blatt, Nr. 335)
bespricht Steiner ein Gastspiel im Hoftheater in Weimar [...]. Die
Besprechung beginnt mit den Worten:
"Einen glücklichen, lichtbringenden Einfall hatte derjenige, der
zuerst die Größe der Dramen Shakespeares aus dem Umstande erklàrte,
daß ihr Dichter Schauspieler war. Es kommt dabei weniger in Betracht,
daß dieser Dichter die Schauspielkunst berufsmàßig ausgeübt hat,
sondern daß er, seinem Grundcharakter nach, eine Schauspielernatur
gewesen war. Es gehört zum Wesen einer solchen Natur, daß sie, mit
völliger Verleugnung der eigenen Persönlichkeit, in fremde Charaktere
untertauchen kann. Der Schauspieler verzichtet darauf, er selbst zu
sein. Es ist ihm die Möglichkeit gegeben, aus fremden Wesenheiten
heraus zu reden. Und er ist umso mehr Schauspieler, je schmiegsamer,
je verwandlungsfàhiger er ist. Es hat einen tiefsymbolischen Sinn, daß
wir von Shakespeare als Person so gut wie gar nichts wissen. Was geht
er uns auch als Person an? Er spricht nicht als Person zu uns, er
spricht in Rollen zu uns. Er ist das wahre Chamàleon. Er spricht als
Hamlet, als Lear, als Othello zu uns. Shakespeare spielt Theater, auch
wenn er Stücke schreibt. Er empfindet nicht mehr, was in seiner Seele
vorgeht, wenn er die Gestalten seiner Stücke schafft. Weil Shakespeare
nur Schauspieler war, deshalb können seine Dramen auch nur von wahren
Schauspielern gespielt werden."
Ein Austausch von Cantor und Steiner über philosophische oder
mathematische Themen scheint nicht zustandegekommen zu sein. Mit einer
Widmung "Halle a. d. Saale 4-ten Febr. 1900 / Herrn Rudolf Steiner in
Berlin, mit freundlichem Gruss hochachtungsvoll d. Verf." hat Cantor
Steiner sein mit handschriftlichen Korrekturen versehenes Werk Zur
Lehre vom Transfiniten; Gesammelte Abhandlungen aus der Zeitschrift
für Philosophie und Philosophische Kritik. Erste Abtheilung [alles
Erschienene] (Halle-Saale: Pfeffer 1890) zugesandt. Steiner scheint
nicht direkt darauf reagiert zu haben. Darin befinden sich die beiden
Aufsàtze "Über die verschiedenen Standpunkte in bezog auf das aktuale
Unendliche" und "Mitteilungen zur Lehre vom Transfiniten"

[Renatus Ziegler: "Georg Cantor und Rudolf Steiner", Beitràge zur
Rudolf-Steiner-Gesamtausgabe, Veröffentlichungen aus dem Archiv der
Rudolf-Steiner-Nachlassverwaltung, Dornach, Doppelheft Nr. 114/115
(1995) 53-61]

http://www.reinesdenken.ch/fileadmi...teiner.pdf

Gruß, WM
 

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#1 karl
14/08/2011 - 19:25 | Warnen spam
Am 14.08.2011 15:51, schrieb WM:
Shaxpeareologie (15)

How much unlike my hopes and my deservings!
"Who chooseth me shall have as much as he deserves"!
Did I deserve no more than a fool's head?




Siehe meine Kommentare zu Deinen letzten Postings.
Wann fàngst Du mal an, nachzudenken?
Ciao

Karl

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