Das Kalenderblatt 120326

25/03/2012 - 11:10 von WM | Report spam
Vom Unendlichen, ja von Zahlen überhaupt zu sprechen ist Hilbert zufolge eine bloße Façon de parler – àhnlich wie eine Dame im Schachspiel, aller weiblichen Züge beraubt, nichts anderes als eine wertlose Figur auf dem Schachbrett ist. Und wie Bauern und Könige im Schach weder Felder bestellen noch Lànder regieren, sondern nur stumme Statisten, starre Steine in der Hand von Spielern sind, so ist es auch mit der modernen Mathematik bestellt: Ihre Kalküle handeln von nichtssagenden Zeichen, ihre Sàtze beziehen sich auf nichts Wirkliches, ihre Probleme betreffen ein Denken, das autistisch um sich selbst kreist.

Nur eine verschwindend kleine Gruppe sogenannter konstruktiver Mathematiker überwindet das sinnlose Sprachspiel, indem sie, den eminenten Gelehrten Brouwer und Weyl folgend, die Mathematik bewusst der Dialektik zwischen dem naiven Ideal des absoluten Wahrheitsanspruchs und der abgeklàrten Dekonstruktion aussetzt. Für die meisten Mathematiker jedoch ist mit der Botschaft, moderne Mathematik bestehe aus leerem Gerede, das letzte Wort gesprochen. Und es ist wundersam zu beobachten, wie sie sich in der ihnen verbliebenen Ruine wohlfühlen.

[R. Taschner: "Das Unendliche ist nur ein Wort – oder irren die Mathematiker womöglich?", Die Presse, Wien, 19. 1. 2012]
http://diepresse.com/home/meinung/q...thematiker

Gruß, WM
 

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#1 Rudolf Sponsel
26/03/2012 - 10:00 | Warnen spam
Am 25.03.2012 11:10, schrieb WM:

Vom Unendlichen, ja von Zahlen überhaupt zu sprechen ist Hilbert zufolge eine bloße Façon de parler – àhnlich wie eine Dame im Schachspiel, aller weiblichen Züge beraubt, nichts anderes als eine wertlose Figur auf dem Schachbrett ist. Und wie Bauern und Könige im Schach weder Felder bestellen noch Lànder regieren, sondern nur stumme Statisten, starre Steine in der Hand von Spielern sind, so ist es auch mit der modernen Mathematik bestellt: Ihre Kalküle handeln von nichtssagenden Zeichen, ihre Sàtze beziehen sich auf nichts Wirkliches, ihre Probleme betreffen ein Denken, das autistisch um sich selbst kreist.

Nur eine verschwindend kleine Gruppe sogenannter konstruktiver Mathematiker überwindet das sinnlose Sprachspiel, indem sie, den eminenten Gelehrten Brouwer und Weyl folgend, die Mathematik bewusst der Dialektik zwischen dem naiven Ideal des absoluten Wahrheitsanspruchs und der abgeklàrten Dekonstruktion aussetzt. Für die meisten Mathematiker jedoch ist mit der Botschaft, moderne Mathematik bestehe aus leerem Gerede, das letzte Wort gesprochen. Und es ist wundersam zu beobachten, wie sie sich in der ihnen verbliebenen Ruine wohlfühlen.

[R. Taschner: "Das Unendliche ist nur ein Wort – oder irren die Mathematiker womöglich?", Die Presse, Wien, 19. 1. 2012]
http://diepresse.com/home/meinung/q...thematiker

Gruß, WM



Interessant, aber Einspruch zu folgender Ausführung:
"Dem Laien scheint das banal: Nichts empfindet er sicherer als das Rechnen mit
Zahlen. Das stimmt auch. Jedoch treten dann Schwierigkeiten zutage, wenn das
Unendliche mit ins Spiel kommt."

Das stimmt gewiss nicht, wenn wir an den Zahlengebrauch in Statistik, den
Sozial- und Wirtschaftswissenschaften denken. Dort gibt es eine reichhaltige
Numerologie von "Zahlen"spielen (Stichwort Nichtbeachtung der Skalenniveaus).

Rudolf Sponsel, Erlangen

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