Das Kalenderblatt 120612

11/06/2012 - 08:56 von WM | Report spam
MatheRealismus (2)


Am Sonntag {{dem 12. 2. 2012, vor genau einem Dritteljahr also}} jàhrt
sich der Geburtstag von Charles Darwin zum 203. Mal; ein krummer
Geburtstag, kein Jubilàum. Für immer mehr Menschen ist dieses Datum,
der "Darwin Day", allerdings ein Tag, den sie alljàhrlich feiern - als
"Hommage an Darwins Beitrag zur Wissenschaft" (Wikipedia).
Erstmals begangen wurde der weltweite, wenn auch informelle
Gedenktag 1995 an der Stanford University. Seitdem würdigen vor allem
Wissenschaftler Darwins Geburtstag und verstehen das als "Feier der
Wissenschaften und der Menschheit", wie es auf der Koordinationsseite
der International Darwin Day Foundation heißt - die Seite ist vor
allem ein Verzeichnis der weltweiten Veranstaltungen.

[...] Für religiöse Fundamentalisten ist das wissenschaftliche
Weltbild und besonders die Evolutionstheorie mehr als ein Affront -
sie ist Gotteslàsterung, weil sie religiöse Schöpfungsmythen verneint.
So seltsam das klingt, vier Jahrhunderte nach Descartes und 228 Jahre
nach Kants Hoffnung, der Mensch werde sich "aus seiner
selbstverschuldeten Unmündigkeit" befreien: Antiwissenschaftliche,
fundamentalistisch-religiöse Weltbilder sind auf dem Vormarsch - im
islamischen wie christlichen Kulturraum. {{Nicht zu vergessen die
Matheologie, in der ein Dogma gebietet, an die Wohlordbarkeit einer
Unmenge von Objekten zu glauben, die kein Einwohner des Universums
unterscheiden kann - nicht einmal alle zusammen. Doch wird nicht
allein der Glaube gefordert, sondern auch der Glaube daran, dass
dieses Glaubensziel mathematisch beweisbar sei - so wie ein Dogma der
katholischen Kirche die wissenschaftliche Beweisbarkeit Gottes
fordert. In Theologie und Matheologie gilt der Glaube an den Beweis
als Beweis für den Glauben und die Zugehörigkeit zur Community.}}

Dass bibeltreue Fromme Darwin so erbittert ablehnen, ist
nachvollziehbar. Es war seine Evolutionstheorie, die die religiösen
Lehren mehr als alles andere in Frage stellte. Dass der Kosmos anders
strukturiert war als lange Zeit gepredigt, konnte den Schöpfungsmythos
noch nicht grundsàtzlich entkràften. Dass aber der Mensch auch nur ein
Tier sein sollte, den Gesetzen der Natur unterworfen und alles Leben
zudem Produkt evolutionàrer Prozesse, das war ungeheuerlich: Es
stellte die Notwendigkeit eines aktiv eingreifenden Schöpfers generell
in Frage, vor allem aber die quasi-göttliche Sonderstellung des
Menschen. Zelle wird Mehrzeller wird einfache Lebensform, wird
komplexere Lebensform, entwickelt sich weiter und weiter und weiter?
Ein Angriff auf das Fundament des Glaubens!

Dass Darwin seitdem vieltausendfach bestàtigt wurde, hat die Fronten
nur verhàrtet. Der christliche Schöpfungsglaube vertràgt sich nicht
damit, dass die menschliche DNA mehr mit der eines Schimpansen gemein
hat als mit der chemischen Zusammensetzung von Lehm - laut Bibel der
Stoff, aus dem Gott einst Adam knetete, aus dem er spàter Eva klonte.
{{Der Mann war nur ein Stück zur Probe. Die Frauen sind das
Meisterstück!}} Für Evangelikale ist die Alternative dazu Hàresie: die
Einordnung des Menschen in die Familie der Primaten. Die
antiwissenschaftliche Stimmung schwappt làngst auch über den Atlantik
und hat Europa erreicht.

In den USA làuft seit drei Jahrzehnten eine auch juristisch geführte
Schlacht um die Köpfe der Jugend. Fundamentalisten wollen erreichen,
dass denen die Prinzipien der Evolution in Schulen nicht mehr
beigebracht werden - und wenn, dann nur als alternatives Modell zur
biblischen Schöpfungsgeschichte: Soeben hat sich der republikanische
Pràsidentschaftskandidaturanwàrter Rick Santorum öffentlich für diese
"Lösung" ausgesprochen.

In Großbritannien errang dagegen die British Humanist Association
einen Punktsieg gegen den Vormarsch der Kreationisten. Dort gelang es,
mittels einer von Prominenten wie David Attenborough und Richard
Dawkins unterstützten Petition zu erwirken, dass Privatschulen, die
Kreationismus statt Evolution lehren, die staatliche Unterstützung
entzogen wird.

[Frank Patalong: "Fisch frisst Fisch", Der Spiegel, 12. 2. 2012]
http://www.spiegel.de/wissenschaft/...14,00.html

MatheRealismus steht in scharfem Gegensatz zur Matheologie.
A matheologian is a man, or, in rare cases, a woman, who believes in
thoughts that nobody can think, except, perhaps, a God, or, in rare
cases, a Goddess.
http://www.hs-augsburg.de/~mueckenh/KB/Matheology.pdf
Wie lange wird wohl die Matheologie noch staatlich gefördert werden?


Gruß, WM
 

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#1 Renju
11/06/2012 - 09:34 | Warnen spam
On 11.06.2012 08:56, WM wrote:

Wie lange wird wohl die Matheologie noch staatlich gefördert werden?




Bist du doch selber schuld.
Wer einen Beweis der Widersprüchlichkeit
von ZFC hat, diesen aber nicht in einer
Fachzeitschrift veröffentlicht, sondern
stattdessen einen tàglichen Kreuzzug
gegen das Unendliche führt (da wo es
kaum jemand mitbekommt) kann nur irre sein.
Es gibt aktual unendliche Blödheit.
In den Kalenderblàttern wird es bewiesen.

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