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Das leere Wort

13/10/2015 - 16:42 von WM | Report spam
Und blicket sie lange verwundert an.
Drauf spricht er: "Es ist euch gelungen,
Ihr habt das Herz mir bezwungen;
Und die Treue, sie ist doch kein leeres Wort -
So traget auch mich als Genossen fort:
Ich sei, gewàhrt mir die Bitte,
In eurem Bunde der dritte!"

Eindrucksvolle Zeilen aus Schillers Skizzenbüchlein, erst kürzlich zutage gefördert, die den Ursprung des leeren Wortes belegen und auf einen viel früheren Ursprung datieren lassen, als bisher von Experten angenommen wurde.

Zwar hat Schiller an dieser Stelle bekanntlich das leere Wort wieder verworfen und sich für den leeren Wahn (auch eine eindrucksvolle Pràgung, die dem leeren Wort nicht nachsteht, sondern gewissermaßen eine Voraussetzung dafür bildet) entschieden, doch die Authentizitàt der literaturhistorischen Forschungen werden auf eindrucksvolle Weise durch das letzte, leider Fragment gebliebene Drama dieses großen deutschen Dramatikers belegt:

Demetrius, Zweiter Aufzug, Erste Szene
Ansicht eines griechischen Klosters in einer öden Wintergegend am See Belosero. Ein Zug von Nonnen in schwarzen Kleidern und Schleiern geht hinten über die Bühne; Marfa in einem weißen Schleier steht von den übrigen abgesondert an einen Grabstein gelehnt. Olga tritt aus dem Zuge heraus, bleibt einen Augenblick stehen, sie zu betrachten, und tritt alsdann nàher
[...]
MARFA. Ist dies die Fassung, die ich mir errang?
Gehört mein Herz so sehr der Zeit noch an,
Daß mich ein leeres Wort im Innersten erschüttert!
Schon sechzehn Jahr bewein ich meinen Sohn
Und glaubte nun auf einmal, daß er lebe!
Nichts weiter dazu!

Diese Schillersche Pràgung wird auch von modernen Dichtern immer wieder gern aufgegriffen. Hier zwei ganz willkürlich aus dem Netz gefischte Auspràgungen:

Leere Worte

Ein Gedicht der "PowerPrinzessin"; es endet mit den gefüllten und gefühlten Worten:
Deine Gefühle sind nicht mehr,
der Abschied fàllt mir schwer.
http://www.herzklopfen-online.com/hged145.htm

Die Böhsen Onkelz setzen ihre Leeren Worte sogar in Töne.
http://www.youtube.com/watch?v=Wui9qwwcqfg

Um eine verwandte Auspràgungen handelt es sich bei dem Roman von Heinrich Böll: "Und sagte kein einziges Wort", der in der Urform "Und sagte nur leere Wörter" betitelt gewesen sein soll, sich aber zu wenig von "Doktor Murkes gesammeltes Schweigen" (vom selben Autor)
unterschieden hàtte. Auch der einstige Skandalfilm "Das Schweigen" von Ingmar Bergmann, und der mehrfach ohne Skandal verfilmte Roman "Das Schweigen im Walde" von Ludwig Ganghofer, sowie das im modernen Umfeld zum Bedauern seiner Macher leider nicht mehr skandaltràchtige Opus von Thomas-Harris "Das Schweigen der Làmmer" Teil 1 und Teil 2 gehören in dieses Genre.

Doch damit nicht genug. Das leere Wort tritt schon auf bei Georg Wilhelm Friedrich Hegel, Gustaf af Geijerstam, Honoré de Balzac, Aurelius Augustinus, Honoré de Balzac, Lena Christ, Georg Ebers, Euripides, Johann Gottlieb Fichte, Johann Wolfgang von Goethe, Jean Paul, Klabund, Kurd Laßwitz (der bekanntlich auch das Gegenteil ersonnen hat, die vollste Bibliothek der Welt), Gotthold Ephraim Lessing, Karl May, Gustav Meyrink, Friedrich Wilhelm Nietzsche, Johann Heinrich Pestalozzi, Friedrich Wilhelm Riese, Arthur Schnitzler, Laotse, Gustav Theodor Fechner, Eduard Mörike, Oswald Spengler, Kaiserin Elisabeth von Österreich, Paul Heyse, Kardinal Wiseman, Joseph Roth und vielen anderen.

Meine süffisante Äußerung: "Leere Wörter passen gut in leere Köpfe!" ziehe ich deswegen hiermit und mit dem Ausdruck des größten Bedauerns zurück.

Gruß, WM
 

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#1 qdl
13/10/2015 - 17:23 | Warnen spam
WM wrote:

[...]

ganz willkürlich aus dem Netz gefischte



[...]

Jo, is' klaa!

hs

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