Das Unendliche und die Theologie (2)

02/10/2013 - 12:11 von WM | Report spam
Das Unendliche und die Theologie (2)

Gestatten Sie mir aber dazu zu bemerken, daß mir die Realitàt und absolute
Gesetzmàßigkeit der ganzen Zahlen eine viel stàrkere zu sein scheint als die der Sinnenwelt. Und daß es sich so verhàlt, hat einen einzigen, sehr einfachen Grund, nàmlich diesen, daß die ganzen Zahlen sowohl getrennt wie auch in ihrer actual unendlichen Totalitàt als ewige Ideen in intellectu Divino im höchsten Grade der Realitàt existiren. [Cantor an Hermite, 30. Nov. 1895]

Gruß, WM
 

Lesen sie die antworten

#1 R.H.
02/10/2013 - 12:57 | Warnen spam
Am 02.10.2013 12:11, schrieb WM:
Das Unendliche und die Theologie (2)

Gestatten Sie mir aber dazu zu bemerken, daß mir die Realitàt und
absolute Gesetzmàßigkeit der ganzen Zahlen eine viel stàrkere zu sein
scheint als die der Sinnenwelt.



wenn er damit abstrahiert zwischen

1. weltlichen Zahlen, die auf irgendeine Weise dargestellt sind, also
auf Papier, auf Screen, als neuronaler Gedanke usw., oder als

2. logische Entitàt, die unabhàngig von der Welt existiert und diese von
grundauf bestimmt,

dann hat er damit recht, denn Logische Einheiten sind die Grundlage der
Gesamtwelt.

Zahlen sind allerdings nur die Bezeichner Logischer Einheiten, und genau
an dieser Stelle hatte Cantor nicht ausreichend abstrahiert.

Was Cantor ebenso nicht erkannte, ist die Folge der Unterscheidung
zwischen Logischen Einheiten und und ihrem Bezeichner, der Zahl.

Eine Logische Einheit ist unter allen Umstànden entitàr, also immer für
sich selbst stehend und unabhàngig, also Grundlage für den Logischen
Determinismus.

Eine Zahl hat keine dieser Eigenschaften, da auf Konstantenwirkung beruhend.

Daraus ergibt sich die Konsequenz, dass Zahl eben als Bezeichner auch
beliebige Ausdrucksformen annehmen kann, weshalb am Ende auch seine
Aussage, dass nur "ganze Zahlen" eine Realitàt darstellen.

Das ist falsch.

Alle Zahlen sind IMMER begriffliche Analogien zu Logischen Entitàten,
egal ob ganz, imaginàr usw..

Er hatte zwar intuitiv richtig erkannt, dass Logische Einheiten
tatsàchlich etwas zu tun haben müssen mit Absolut, entitàr usw., und
hatte deshalb etwas kurz geschlossen, dass solche Eigenschaften eben nur
auf ganze Zahlen zutreffen könnten

Da ihm aber der Unterschied zwischen Logischen Einheiten und Zahlen
nicht bekannt war, wusste er auch nicht, dass die Umsetzung von
Logischen Einheiten zu Zahlbegriffen immer über Konstantenwirkungen
vollzogen werden muss innerhalb dieser Welt.


Und daß es sich so verhàlt, hat einen
einzigen, sehr einfachen Grund, nàmlich diesen, daß die ganzen Zahlen
sowohl getrennt wie auch in ihrer actual unendlichen Totalitàt als
ewige Ideen in intellectu Divino im höchsten Grade der Realitàt
existiren.



da hatte er richtig erkannt, dass Logische Einheiten tatsàchlich DIE
Grundlage der Realitàt bilden, nur dass er eben nicht den Denkschritt
vollzogen hatte, dass Zahlen, die doch NUR die BEZEICHNER Logischer
Einheiten sind, nicht die Realitàt bestimmen können.

Man rechnet eben nicht mit Zahlen, sondern man rechnet immer mit dem,
was durch Zahlen bezeichnet wird, nàmlich mit Logischen Einheiten,
Logischen Entitàten u.a..

Folglich hatte er auch nicht erkannt, dass Zahlen nicht in "actual
unendlicher Totalitàt" vorliegen können, da Zahlen eben nur Bezeichner
für Logische Einheiten sind und somit der begrenzenden konstantischen
Wirkung unterliegen.

Wenn er mit "intellectu Divino" allerdings aussagen will, dass es sich
bei Zahlen/Logischen Einheiten um eine Erfindung menschlichen Geistes
handeln soll, dann widerspricht er damit seiner ersten Aussage, in der
er Zahlen/Logischen Einheiten eine Realitàt zugewiesen hatte.


[Cantor an Hermite, 30. Nov. 1895]

Gruß, WM




Gruß Ron.H.


unterliegen Kreiswinkel einer Quantelung: weiß das jemand ?

Eine Info darüber wàre sehr hilfreich.

Ähnliche fragen