Das Unendliche und die Theologie (45)

06/12/2013 - 13:02 von WM | Report spam
Dagegen ist [...] in der ersten Hàlfte des vorigen Jahrhunderts ein merkwürdiger Versuch von dem berühmten Franzosen Fontenelle gemacht worden (in dem Buche "Eléments de la Géometrie de l'infini", Paris 1727), actual unendliche Zahlen einzuführen; dieser Versuch ist jedoch gescheitert und hat dem Verfasser nicht ganz unverdienten Spott seitens der Mathematiker eingetragen, welche im 18ten Jahrh. und im ersten Viertel dieses Jahrh. gewirkt haben; die heutige Generation weiss nichts mehr davon. Fontenelle's Versuch musste scheitern, weil seine unendlichen Zahlen einen flagranten inneren Widerspruch mit sich auf die Welt brachten; es war leicht, diesen Widerspruch aufzudecken und ist dies von dem R. P. Gerdil bestens geschehen. Wenn aber d'Alembert, Lagrange und Cauchy geglaubt haben, dass damit die schlummernde Idee des Transfiniten tödtlich für alle Zeiten getroffen worden sei, so erscheint mir dieser Irrthum weit grösser, als der des Fontenelle und umso gravirender, als Fontenelle in der bescheidensten Weise sich als Laie in der Mathematik bekennt, wàhrend jene drei nicht nur Mathematiker von Fach, sondern wahrhaft grosse Mathematiker waren.
[Cantor an Prof. Aloys Schmid, 26. Màrz 1887 nach C. Tapp: "Kardinalitàt und Kardinàle: Wissenschaftshistorische Aufarbeitung der Korrespondenz zwischen Georg Cantor und katholischen Theologen seiner Zeit." Boethius Vol. 53, Franz Steiner Verlag (2005) p. 500f]

Gruß, WM
 

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#1 Michael Klemm
06/12/2013 - 14:31 | Warnen spam
WM wrote:

Dagegen ist [...] in der ersten Hàlfte des vorigen Jahrhunderts ein
merkwürdiger Versuch



Heute würde man von einem bemerkenswerten Versuch sprechen, vgl.
http://fr.wikipedia.org/wiki/Bernar...Fontenelle

Dans la seconde moitié de sa vie, il se livra plus spécialement
aux sciences exactes et composa Éléments de la géométrie de l'infini (1727),
dont la validité scientifique fut contestée, notamment par Georg Cantor

von dem berühmten Franzosen Fontenelle gemacht worden (in dem Buche
"Eléments de la Géometrie de l'infini", Paris 1727), actual unendliche
Zahlen einzuführen; dieser Versuch ist jedoch gescheitert und hat dem
Verfasser nicht ganz unverdienten Spott seitens der Mathematiker
eingetragen, welche im 18ten Jahrh. und im ersten Viertel dieses Jahrh.
gewirkt haben; die heutige Generation weiss nichts mehr davon.
Fontenelle's Versuch musste scheitern, weil seine unendlichen Zahlen einen
flagranten inneren Widerspruch mit sich auf die Welt brachten; es war
leicht, diesen Widerspruch aufzudecken und ist dies von dem R. P. Gerdil
bestens geschehen. Wenn aber d'Alembert, Lagrange und Cauchy geglaubt
haben, dass damit die schlummernde Idee des Transfiniten tödtlich für alle
Zeiten getroffen worden sei, so erscheint mir dieser Irrthum weit grösser,
als der des Fontenelle und umso gravirender, als Fontenelle in der
bescheidensten Weise sich als Laie in der Mathematik bekennt, wàhrend jene
drei nicht nur Mathematiker von Fach, sondern wahrhaft grosse Mathematiker
waren.


[Cantor an Prof. Aloys Schmid, 26. Màrz 1887 nach C. Tapp: "Kardinalitàt und
Kardinàle: Wissenschaftshistorische Aufarbeitung der Korrespondenz zwischen
Georg Cantor und katholischen Theologen seiner Zeit." Boethius Vol. 53,
Franz Steiner Verlag (2005) p. 500f]

Gruß
Michael

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