Die Neuzeit bei Adam Elsheimer

01/03/2012 - 03:53 von Juergen Barsuhn | Report spam
Angeregt durch Haralds Posting Europeana... möchte ich auf
ein Bild zu sprechen kommen, das sich in der Alten
Pinakothek in München befindet:
Adam Elsheimer Die Flucht aus Ägypten

Elsheimer malte dieses Bild in Rom um 1609, wenige Jahre
nachdem dort Giordano Bruno auf dem Scheiterhaufen ermordet
wurde (Januar 1600) Der Titel des Bildes liegt im
theologischen Bereich, einer nach heutigen Maßstàben
fundamentalistischen Interpretation neutestamentlicher
Erzàhlungen. Elsheimer nutzt jedoch das Bild zu einer fast
wissenschaftlichen Darstellung des Sternhimmels. Angeblich
sollen sich in der Darstellung Sterne beffinden, die mit
bloßem Auge nicht sichtbar sind, was als Hinweis darauf
gedeutet wird, dass Elsheimer über ein Fernrohr verfügt
haben muss. Vielleicht ist auch die Darstellung des
Milchstraßenbandes aufgelöst in einzelne Sternpunkte ein
Hinweis in dieser Richtung. Allerdings - zusammen mit dem
Vollmond dürfte die Milchstraße nicht gut sichtbar sein.

Vielleicht hat jemand von euch genauere Kenntnis darüber, ob
und ggf welche Sterne sich in dem Bild befinden, die dem
bloßen Auge auch bei dem damals wohl ausgezeichneten
Sichtverhàltnissen nnicht sichtbar gewesen sein können.

Mich interessiert dabei noch ein anderer Aspekt, nànlich wie
man überhaupt durch ein Bild einen zutreffenden Eindruck des
Anblicks des klaren Sternhimmels mit Milchstraße vermiiteln
kann Das Problem ist klar. Das Auge vermag die
punktfürmigen Sterne über mehrere Größenklassen hinweg zu
erkennen. Die Sternbilder sind deutlich vor dem schwachen,
aber sichtbaren Milchstraßenband zu erkennen. In einem Bild
stehen zur Darstellung verschiedener Sternhelligkeiten nur
verschieden große Flàchenstückchen zur Verfügung, völlig
unzureichend zur Darstellung der Dynamik des Originals. In
einem Foto der Milchstraße gehen die vorgelagerten Sterne in
der leuchtenden Flàche unter. Und zeigt man die Sterne, ist
die Milchstraße nicht sichtbar, da zu helligkeitsschwach. In
einem gemalten Bild kann man etwas mogeln oder durch
darstellungspsychologische Tricks den gewünschten Eindruck
unterstützen. Elsheimer nutzt hier die schwarz dargestellte
Landschaft als Rahmen, um den Sternhimmel dann glaubwürdig
in dunklem Blau erscheinen zu lassen. Ähnlich, wenn auch
weniger kunstvoll, ist es im Umschlagbild von Bruno H.
Bürgel "Aus fernen Welten gemacht. Vielleicht kennt jemand
von euch Beispiele gelungener Abbildungen?

Gut, dass es de.soc.kultur noch gibt, denn Elsheimers Bild
wàre in jeder Spüezialgruppe eingezwàngt, sein umfassender
Bezug kann hier entfaltet werden.

Zum Abschluss noch ein Link zu Wikipedia, über den man auch
zu einer brauchbaren Reproduktion gelangt. Aber vielleicht
kennt ihr Besseres?
http://de.wikipedia.org/wiki/Adam_Elsheimer

Die Reproduktion findet sich unter
http://upload.wikimedia.org/wikiped...er_002.jpg

Gruß Jürgen
 

Lesen sie die antworten

#1 René Schuster
01/03/2012 - 07:38 | Warnen spam
On 2012-03-01 05:53, Juergen Barsuhn wrote:

In einem Foto der Milchstraße gehen die vorgelagerten Sterne in der
leuchtenden Flàche unter.



Ein Foto gibt den tatsàchlichen visuellen Eindruck nicht wieder. Wenn Du
ein Foto mit Milchstraße als "leuchtende Flàche", in der "vorgelagerte
Sterne untergehen" siehst, handelt es sich um eine (verfàlschende)
Langzeitbelichtung.

Und zeigt man die Sterne, ist die Milchstraße nicht sichtbar, da zu
helligkeitsschwach.



Nein. Hast Du noch nie außerhalb der Großstadt den Sternenhimmel
beobachtet und die Milchstraße gesehen?

Die Reproduktion findet sich unter
http://upload.wikimedia.org/wikiped...er_002.jpg



Ich würde sagen dass das ziemlich realistisch wirkt. Was war nochmal
Deine Frage?

rs

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