Digitales Diktier-/Aufnahmegeraet

16/11/2013 - 00:04 von Hinrich L. | Report spam
[ Das folgende Posting hab ich gestern schonmal in ger.ct abgesetzt
( Message-ID: <52856a6c$0$9517$9b4e6d93@newsspool1.arcor-online.net> ) .
Mir wurde empfohlen, auch in de.rec.musik.hifi nachzufragen. ]

Hallo,

ich weiss nicht, ob ich mit meinem Anliegen hier richtig bin -
wenn nicht, bitte ich um Entschuldigung und Auskunft, welche
Newsgroup(s) geeigneter ist (sind).

Folgendes: Letzte Woche wurde bei meinem Opa Krebs
diagnostiziert mit der Option, entweder daran oder unter
größeren Lebensqualitàtseinbußen an der Therapie
zu sterben - so oder so vielleicht noch ein halbes Jahr.

Jedenfalls hat er mir eröffnet, dass er gerne noch
seine Lebenserinnerungen zu Papier bringen würde und ich
ihm dabei helfen soll. Er stellt sich vor, wir treffen uns tàglich,
er erzàhlt und ich soll das dann für ihn "auf dem Computer
schreiben". (Die Sache, wenn der Text mal vorliegt, mit
einer hübschen Dokumentklasse so zu texen, dass vielleicht
ein books-on-demand-Verlag ein paar Exemplare für uns
druckt, traue ich mir zu.)

Ich habe mir überlegt, vielleicht wàre in dem Zusammenhang
ein digitales Diktier-/Aufnahmegeràt nicht schlecht, was man
irgendwo so hinstellen kann, dass es nicht nervt:

Wir könnten damit aufnehmen was er erzàhlt. Ich könnte mir
nach jeder Sitzung die Speicherkarte kopieren und dann zuhause
am Computer schonmal tippen, wàhrend das Aufnahmegeràt bei
ihm verbleibt falls ihm ausserhalb der Sitzungen noch etwas
einfàllt, was er noch einfügen möchte...

Das Geràt müsste also folgendes können:
- Aufnehmen aus grösserer Entfernung, zB wenn mein Opa
vom Tisch aufsteht und sich nebenher was zu trinken holt
ohne dabei mit dem Sprechen aufzuhören.
- Es müsste möglich sein, Einschübe nachtràglich hinzuzufügen.
- Es müsste möglich sein, Abschnitte zu löschen, wenn er sie
doch nicht drin haben will.
- Das Format der Audiodateien sollte so sein, dass ich sie
am Computer abspielen, auf Audio-CD übertragen und evtl
auch einer Spracherkennungssoftware füttern kann.
- Die Audiodateien sollten sich problemlos auf den Computer
übertragen lassen - vorzugsweise entweder über USB oder
über Speicherkarte.
- Das Geràt sollte so unkompliziert sein, dass auch àltere Leute
es bedienen/handhaben können, ohne darüber in Stress zu geraten.
Unter anderem sollte es also zwecks Stromversorgung entweder
an die Steckdose anschliessbar sein, oder aber etwaige
Akkus sollten beim Aufladen im Geràt verbleiben können, damit
es kein Gefrickel mit Batteriefachdeckeln und dergleichen gibt.

Hat jemand von Euch mit solchen Dingen Erfahrung?
Was würdet ihr mir empfehlen?
Mit welchen Kosten für so ein Aufnahmegeràt ist zu rechnen?
Welche Spracherkennungssoftware kommt auch zurecht wenn
jemand in seinem Dialekt spricht?

Würdet Ihr überhaupt mit so einem Geràt arbeiten? Oder würdet
Ihr von vorneherein anders an die Sache herangehen; evtl. gleich
den Erzàhler filmen? Was für Equipment wàre da vonnöten?

Vielen Dank und besten Gruss

Hinrich
 

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#1 Erhard Schwenk
16/11/2013 - 01:16 | Warnen spam
On 16.11.2013 00:04, Hinrich L. wrote:
[ Das folgende Posting hab ich gestern schonmal in ger.ct abgesetzt
( Message-ID: <52856a6c$0$9517$ ) .
Mir wurde empfohlen, auch in de.rec.musik.hifi nachzufragen. ]

Hallo,

ich weiss nicht, ob ich mit meinem Anliegen hier richtig bin -
wenn nicht, bitte ich um Entschuldigung und Auskunft, welche
Newsgroup(s) geeigneter ist (sind).

Folgendes: Letzte Woche wurde bei meinem Opa Krebs
diagnostiziert mit der Option, entweder daran oder unter
größeren Lebensqualitàtseinbußen an der Therapie
zu sterben - so oder so vielleicht noch ein halbes Jahr.



Wüste Sache.

Aus eigener Erfahrung (ich habe zwei sehr nahe Verwandte, die vor noch
nicht so langer Zeit recht unerwartet und früh an Krebs starben):

Gebt die Hoffnung nicht auf und macht ihm Mut, das mit welchem Ergebnis
auch immer durchzustehen. Um ihn weinen kann man, wenn er wirklich tot
ist - bis da hin heißt es, die verbleibende Zeit so gut es geht nutzen
und ggf. auch darum kàmpfen. Er und Ihr solltet die schlechten Tage (die
wird es garantiert auch geben!) abschreiben, aber jeden neuen guten Tag
als großes Geschenk annehmen.

Sucht, wenn noch nicht gegeben, eine ihm sympathische Klinik mit guter
Palliativstation, solange er sich daran noch beteiligen und seine
Wünsche àußern kann. Das ist nicht angenehm, aber besser als im Falle
eines Falles quasi fremdbestimmt "irgendwo" zu landen.

Klàrt _unbedingt_ die Themen "Patientenverfügung" und "Testament" - vor
Allem Erstere ist sehr wichtig, weil sonst wenns hart kommt kaum noch
Möglichkeiten bleiben, die Behandlung zu beeinflussen. Er sollte eine
Person bestimmen (hat er eine Frau, die noch lebt?), die ggf. auch
weitreichende und harte Entscheidungen für ihn treffen kann, wenn er
dazu nicht in der Lage sein sollte, und die auch so profane Dinge wie
wer ihn wann besucht koordiniert - Krebspatienten müssen oft sehr mit
ihrer Kraft haushalten, wenn da alle Freunde und Verwandten auf einmal
unangekündigt am Geburtstag im Krankenhaus auftauchen, geht das nicht!

Gebt ihm so viel Kraft und so viel gute Zeit wie ermöglicht werden kann,
aber vergeßt dabei nicht, Eure eigene Alltags-Normalitàt aufrecht zu
erhalten - die ist wichtig, weil sie Halt gibt.

Aber zum Thema:

Ich habe mir überlegt, vielleicht wàre in dem Zusammenhang
ein digitales Diktier-/Aufnahmegeràt nicht schlecht, was man
irgendwo so hinstellen kann, dass es nicht nervt:



Es gibt diverse kleine Stereo-Recorder mit eingebauten Mikrophonen, die
den Job prinzipiell hinkriegen werden und meist WAV- oder MP3-Dateien
auf SD-Karten aufzeichnen. Schau mal hier:

http://www.thomann.de/de/portable_recorder.html

Die Übernahme der Daten auf den PC ist da einfach: SD-Karte rausnehmen
und in den PC schieben - oder das Geràt als Kartenleser benutzen und per
USB anschließen. Es empfiehlt sich in dem Fall natürlich, mehr als eine
SD-Karte zu haben und die Originale aufzubewahren.

Ich besitze einen Tascam DR-100, der ist in dieser Geràteklasse nach wie
vor eher am High-End anzusiedeln und wàre für Deinen Zweck recht gut
geeignet, weil er neben den Nierenmikrophonen (die eher für
Musikaufnahmen gut sind) auch über zwei Mikrophone mit
Kugelcharakteristik verfügt, die zwar mehr rauschen, aber dafür sehr gut
für die Aufzeichnung von Konferenzen, Besprechungen u.à. geeignet sind.
Den legst Du einfach auf den Tisch, schaltest mit der richtigen
Einstellung ein und der nimmt alles im Raum halbwegs vernünftig
gesprochene so auf, daß man es nacher verstàndlich machen kann.

Die Bedienung ist allerdings nicht völlig intuitiv. Da kommts halt drauf
an, was Dein Opa hinkriegt. Insbesondere die Sache mit Einschüben und
Löschungen ist mit dem Geràt zwar durchaus möglich, erfordert aber etwas
Übung. Ist auch die Frage, obs das wirklich bringt.

Eine günstige Variante wàre evtl. der Zoom H1 für ca. 100 Euro. Sollte
für Deine Zwecke so ziemlich alles können, hat aber nur Richtmikros,
d.H. man muß das Ding in eine Ecke vom Raum stellen und mit
Lautstàrkeschwankungen leben oder halt einfach vor den Mund halten (und
entsprechend einstellen).

Oder Du besorgst Dir einfach ein zu Deinem Recorder passendes externes
Kondensator-Mikro mit Kugelcharakteristik und hàngst das irgendwo in der
Raummitte an die Decke. Um Sprache abzunehmen reicht das allemal.

Eine andere Variante wàre evtl. ein Ohrbügelmikrophon mit Funksender -
da kann sich der Redner quasi völlig frei bewegen. Erfordert allerdings
etwas mehr finanziellen Einsatz und man muß das Ding zur Benutzung anlegen.


Würdet Ihr überhaupt mit so einem Geràt arbeiten? Oder würdet
Ihr von vorneherein anders an die Sache herangehen; evtl. gleich
den Erzàhler filmen? Was für Equipment wàre da vonnöten?



Zum Filmen kann ich nix sagen. Ich würde aber in der Tat so nen
Kleinrecorder dafür nehmen, evtl. ein externes Mikro


Erhard Schwenk

Akkordeonjugend Baden-Württemberg - http://www.akkordeonjugend.de/
APAYA running System - http://www.apaya.net/

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