Dilettanten bei 1&1

25/07/2009 - 16:24 von Christian Baer | Report spam
Tach auch!

Gestern war ein etwas seltsamer Tag - mit einem langen Telefonat. Nach
zwei Wochen ohne wirkliche Sicht (Augenprobleme) wurde ich gleich von
einem Freund mit sowas konfrontiert.

Erstmal die Fakten:
Er hat einen Zugang über 1&1 mit Analoganschluß der Telekom. Bestellt
hat er 16.000, er bezahlt auch 16.000, geschaltet sind aber nur 2. Um
dem ganzen etwas auf den Grund zu gehen, habe ich mich mal an seinen
Rechner gesetzt und auch so ein paar Nachforschungen angestellt.

Er wohnt zwar in Gelsenkirchen und damit in einer Großstadt, aber gerade
Gelsenkirchen ist nicht wirklich sehr gut versorgt. Also habe ich mal
die Leitung prüfen lassen. Über sein Haus bekommt man automatisch keine
Auskunft, sondern müßte sie wenn dann manuell anfordern. Das kann alles
bedeuten von einem vollen APL bis hin zu einer kaputten Datenbank. Ich
habe dann das Haus direkt gegenüber genommen (sehr schmale Straße in
einem Wohngebiet). Da haben wir knapp 2,3km Leitung. Rechnerisch sind
wir damit zwischen 27 und 28dB Dàmpfung (ja, die Leitungsdicken habe ich
auch berücksichtigt). Die Telekom schaltet bei dem Anschluß schon
3072kBit/s (das machen sie sogar bis 32dB), von daher sollte da mehr
drin sein.

Seine Fritz Box 7113 spuckt erstmal Sachen aus:

http://img10.imageshack.us/img10/9974/mdsl1.png
http://img24.imageshack.us/img24/2523/mdsl2.png
http://img233.imageshack.us/img233/8682/mdsl3.png

Wie man im 1. Bild sehen kann, hàngt die Fritz Box an einer Centillium
Line-Card. Zusammen mit der Tatsache, daß mtr(8) auf den ersten Hops
etwas mit nw.mediaways.net ausspuckt, kann man also davon ausgehen, daß
es sich um einen "reinen" Telefónica-Anschluß handelt. Man beachte aber
auch, daß es sich um ADSL2+ handelt (G.992.5).

Auf dem 2. Bild sehen wir dann auch schon das Problem. Die maximale
DSLAM Datenrate ist auf 2304 begrenzt. Ein Grund dafür ist nicht in
Sicht. Sehr mit Vorsicht zu genießen ist natürlich die geschàtzte
Leitungskapazitàt. Der Unterschied zwischen den Werten ist aber doch
sehr groß - auch für eine optimistische Fritz Box. Zu meiner
Verwunderung sind die Dàmpfungsangaben auch mal recht nahe an dem, was
die Rechnung ergibt. :-)

Ob das Spektrum, das die Fritz Box angibt, wirklich zu gebrauchen ist,
weiß ich nicht. Wenn ich mir jedoch das SNR im oberen Grafen ansehe, das
niemals unter 30dB fàllt und stellenweise sogar über 40dB rangiert,
werde ich das Gefühl nicht los, daß die Leitung hier unter ihren
Möglichkeiten verkauft wurde.

Also habe ich mir das Telefon von meinem Bekannten geschnappt und bei 2
angerufen. Glücklicherweise gibt es Mittel und Wege, die 01805 zu
umgehen, sonst wàre das gestern teuer geworden.

Das Menü bei 1&1 ist bekanntlich allerliebst. Ich war mir nicht so genau
sicher, wo ich hin sollte, also habe ich einfach einigermaßen sinnvoll
gewàhlt und bin daraufhin bei der Störungsstelle gelandet. Naja. Die
junge Dame hat alles bestàtigt, was ich schon wußte, meinte aber ich
müßte zum Leitungsmanagement. Durchstellen könne sie mich nicht, ich
müßte über das Menü gehen. Wenigstens konnte sie mir sagen, was ich
machen mußte, um da zu landen. Im Leitungsmanagement bestàtigte man
wieder was ich schon wußte, konnte aber auch nichts daran àndern. Ich
sollte zur Technik. Diesmal konnte mich die junge Frau direkt durchstellen.

Bevor es dazu kam, gab es eine lange Diskussion. Ich bat darum, das
Profil umzustellen, auf ein 16.000er oder ein 10.000er, Hauptsache die
maximale DSLAM Datenrate ist nicht mehr auf 2304. Hier wurde es
faszinierend. Man könnte nicht mehr schalten als die Leitung hergibt.
Das ist schon alleine deshalb interessant, weil die Telekom ja 3072 als
maximale Geschwindigkeit für die Leitung angibt (nach 1&1) und sonst
sich Telefónica herzlich wenig um die Einschrànkungen der Telekom kümmert.

Richtig genial wurde es aber, als die junge Frau mir erzàhlte, daß die
Telekom und Telefónica ein Verein sind (hört man ja schon am Namen). 1&1
würden also die Telekom beauftragen und die beauftragen dann Telefónica.
Da ich dieses Gespràch schnell beenden und zur Technik wollte, habe ich
gar nicht erst angefangen zu diskutieren.

Als ich bei der Technik war, diesmal bei einem Mann, erntete ich nicht
mehr Verstàndnis als zuvor auch. Der freundliche Mann gab offen zu,
keine Ahnung davon zu haben, was ich von ihm wollte und bemühte sich
einen Techniker zu erreichen. Jetzt kommt der Hammer: Wenn man bei 1&1
in der Technik anruft, bekommt man einen Telefonisten, der selbst in
einer Warteschleife muß, wenn er mit einem Techniker sprechen will.
Entsprechend lange durfte ich auch warten. Nach rund einer halben Stunde
Warteschleife hatten wir beide keinen Bock mehr und einigten uns, daß
ich alles schriftlich machen würde. Wàhrend dieses letzten Teils kam
dann eine automatische Ansage, die uns unterbrach, sinngemàß kam:
"Dieser Dienst ist preislich und zeitlich begrenzt. Sie haben eine der
beiden Grenzen erreicht. Bitte legen Sie auf." Daraufhin wurde ich aus
der Leitung getreten.

Heute habe ich nochmal angerufen und wieder mein Glück probiert. Wieder
mit dem gleichen Ergebnis. Die bitte, daß ich zum Back-Office
durchgestellt wurde, könne nicht erfüllt werden. Um einen Rückruf zu
bitten sei sinnlos, weil der nie erfolgen werde. Finde ich auch
interessent: Ein Mitarbeiter gibt zu, daß er nicht dafür geschult ist,
mein Anliegen zu bearbeiten, aber jemand, der geschult ist, wird nicht
zurückrufen, wenn die Leitung nicht vollstàndig ausgefallen ist. Den
Begriff "Back-Office" hat der Mann gestern in den Hörer geworfen.

Ich gehe mal davon aus, daß es auch bei 1&1 Leute gibt, die verstehen
würden, was ich von denen will. Es ist halt nicht vorgesehen, daß ein
Kunde mit denen spricht. Kann mir jemand sagen, wie man nun bei 1&1 mit
dem Back-Office oder dem 2nd-Level-Support oder wie immer der da heißen
mag in Verbindung treten kann? Ich gehe nàmlich davon aus, daß es sich
bei diesem Fall nur um einen Konfigurationsfehler handelt und nicht mehr.

Gruß
Christian

Geeks don't need to get laid - they get off
on benchmark results.
 

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#1 Michael Landenberger
25/07/2009 - 17:30 | Warnen spam
"Christian Baer" schrieb:

Erstmal die Fakten:
Er hat einen Zugang über 1&1 mit Analoganschluß der Telekom.
Bestellt hat er 16.000,



Nein, er hat DSL 16000 bestellt. Lt. 1&1-Leistungsbeschreibung ist das
ein DSL-Anschluss mit irgendeiner Bandbreite zwischen 0 und 16 MBit/s.
Dein Freund bekommt 2000, das ist doch schon mal was (und liegt auch im
Rahmen des vertraglich Vereinbarten).

er bezahlt auch 16.000,



Nein, er bezahlt nicht 16000 kbit/s, sondern DSL 16000. Also wie
bereits erwàhnt irgendwas zwischen 0 und 16000 kbit/s.

Seine Fritz Box 7113 spuckt erstmal Sachen aus:

http://img10.imageshack.us/img10/9974/mdsl1.png
http://img24.imageshack.us/img24/2523/mdsl2.png
http://img233.imageshack.us/img233/8682/mdsl3.png



Sieht nach T-(Resale-)DSL 2000 aus. Die Leitung könnte auch T-DSL 6000
verkraften, da dein Freund aber nicht bei der Telekom Kunde ist, hat
der rosa Riese wenig Ambitionen, sich für ihn ins Zeug zu legen (obwohl
der dazu nötige Aufwand bei nahe Null liegen dürfte). Auch 1&1 dürfte
wenig Veranlassung sehen, dem DSL-Vorlieferanten Telekom auf die Füße
zu treten, denn der Anschluss hat ja schon jetzt die zugesicherten
Eigenschaften. Merke: Wiederverkàufer-Kunden müssen sich damit
abfinden, in solchen Fàllen zwischen 2 Stühlen zu sitzen. Ich bin auch
ziemlich sicher, dass die Telekom deinem Freund freudestrahlend
mindestens T-DSL 6000 schalten würde (möglicherweise aber nur mit
Fallback-Option auf 3072 kbit/s), sobald er sich entschlösse, dort
Kunde zu werden. Vielleicht legt man seinen Anschluss sogar auf eine
neue Leitung, und es ist dann urplötzlich noch mehr drin. Als
Reseller-Kunde kann er ein solches Engagement allerdings vergessen.

Bevor es dazu kam, gab es eine lange Diskussion. Ich bat darum,
das Profil umzustellen, auf ein 16.000er oder ein 10.000er,
Hauptsache die maximale DSLAM Datenrate ist nicht mehr auf 2304.



Das kannst du vergessen. Dein Freund hat Telekom-Resale-DSL, und das
wird exakt nach den gleichen Kriterien geschaltet wie "originales"
T-DSL. Wie du selbst schriebst, würde auch die Telekom nicht mehr als
3072 kbit/s schalten, folglich bekommt er auch als T-Resale-Kunde auf
keinen Fall mehr. Höhere Bandbreiten sind nur möglich, wenn der
Anschluss über einen anderen Carrier (z. B. Telefonica) liefe, der
andere DSL-Technik (rate adaptive DSL statt des von der Telekom
geschalteten fixed rate DSL) und auch andere Dàmpfungstabellen
verwendet.

Richtig genial wurde es aber, als die junge Frau mir erzàhlte,
daß die Telekom und Telefónica ein Verein sind (hört man ja
schon am Namen). 1&1 würden also die Telekom beauftragen und
die beauftragen dann Telefónica.



*ROTFL* Ich bin dafür, den Begriff des Seemannsgarns auf
Hotliner-Sprech zu erweitern. Obwohl, die Seeleute flunkern ja
absichtlich, wàhrend manche Hotliner gar nicht wissen, was sie für
einen Stuss erzàhlen.

Ich gehe mal davon aus, daß es auch bei 1&1 Leute gibt, die
verstehen würden, was ich von denen will.



Möglich, aber es würde dir nichts nützen, mit so jemandem zu sprechen,
denn der würde zwar dein Problem verstehen, könnte aber nichts
ausrichten, weil er nicht zustàndig ist. Du müsstest vielmehr mit einem
Telekom-Techniker sprechen, aber an einen solchen kommst du als
1&1-Kunde nicht dran, schon gar nicht über die 1&1-Hotline. Typische
Wiederverkàufer-Problematik eben.

Gruß

Michael

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