Elsevier-Boykott

16/03/2012 - 11:00 von Ralf . K u s m i e r z | Report spam
X-No-Archive: Yes

begin Thread


Moin!

Ich lese gerade
<http://www.spiegel.de/unispiegel/st...0.html>:

"Forscher-Aufstand gegen Großverlag
Wir zahlen nicht für unsere Gedanken

Von Stefan Kesselhut

Veröffentliche oder verschwinde! Der Publikationsdruck auf
Wissenschaftler ist enorm; sie müssen in angesehenen Zeitschriften
erscheinen, um Karriere zu machen. Fachverlage nutzen das aus und
kassieren horrende Abo-Gebühren, finden Tausende Forscher. Sie rufen
zum Boykott eines Großverlags auf."

Es geht um überhöhte Preise für wissenschaftliche Zeitschriften, die
die Bibliotheksetats erheblich belasten. Dazu haben u. a. Mathematiker
zu einer Boykottaktion aufgerufen:
<http://www.thecostofknowledge.com>.

Die Frage wàre, was man denn erreichen will. Ein verlagsunabhàngiges
peer-reviewtes Publikationssystem halte ich für ziemlich utopisch -
ein realistisches Ziel dürfte sein, die Monopolposition von Elsevier
durch eine Regulation einzuschrànken. Da dies auch durchaus dem
Steuerzahler entgegenkàme, sollte die sinnvolle Vorgehensweise sein,
die Staatsmacht zum Handeln zu bewegen: Die Wissenschaftsministerien
könnten veranlassen, daß die Universitàten und
Großforschungseinrichtungen die Abo-Vertràge kündigen (oder zumindest
glaubwürdig damit drohen) und somit Elsevier in Verhandlungen dazu
bringen, eine realistischere Preisgestaltung zu machen. (Die
glaubwürdige Alternative wàre die Gründung eines privaten oder
staatlichen Verlags für wissenschaftliche Publikationen, was auch in
internationaler Zusammenarbeit ginge.)

Das Problem ist natürlich, die ökonomische Situation realistisch
einschàtzen zu können: Es gibt nicht nur Elsevier, also sollte unter
Idealbedingungen eigentlich der Markt die Angelegenheit regeln. (Und
ich weiß nicht, ob und wieviel Elsevier zuviel verdient.)

Eine andere Frage ist, ob das System der gedruckten Zeitschriften
nicht inzwischen überholt ist. Und insofern könnte der Schuß auch nach
hinten losgehen: Zwar werden die Finanzminister den Vorschlag, die
entsprechenden Ausgabenpositionen zu kürzen, evtl. wirklich dankbar
aufnehmen, aber das könnte die Konsequenz haben, daß die
entsprechendem Mittel dem Wissenschaftssektor endgültig verlorengehen,
die Zugànglichkeit von Publikationen aber im Ergebnis ersatzlos
eingeschrànkt wird.


Gruß aus Bremen
Ralf
R60: Substantive werden groß geschrieben. Grammatische Schreibweisen:
adressiert Appell asynchron Atmosphàre Autor bißchen Ellipse Emission
gesamt hàltst Immission interessiert korreliert korrigiert Laie
nàmlich offiziell parallel reell Satellit Standard Stegreif voraus
 

Lesen sie die antworten

#1 Frank Buss
17/03/2012 - 16:37 | Warnen spam
Ralf . K u s m i e r z wrote:

Die Frage wàre, was man denn erreichen will. Ein verlagsunabhàngiges
peer-reviewtes Publikationssystem halte ich für ziemlich utopisch -
ein realistisches Ziel dürfte sein, die Monopolposition von Elsevier
durch eine Regulation einzuschrànken.



Das peer-review Publikationssystem scheint nicht das Geld wert zu sein:

http://pdos.csail.mit.edu/scigen/bl...626-110103

Ich vermute aber mal, daß die Manager von Elsevier gut an den
Zeitschriften verdienen und die Hütte hier wird wohl auch nicht ganz
billig gewesen sein:

http://scineurope.blogspot.de/2009/...ffice.html

Schlechter als eine moderierte Webseite wie hier würde ein
verlagsunabhàngiges System aber wohl auch nicht sein:

http://arxiv.org/help/moderation

Frank Buss, http://www.frank-buss.de
piano and more: http://www.youtube.com/user/frankbuss

Ähnliche fragen