Erfahrungen mit Rigol DS2072

16/12/2013 - 21:19 von Kai-Martin Knaak | Report spam
Hier meine ersten Eindrücke vom Rigol DS2072:
(ungefàhr in der Reihenfolge, in der sie mir aufgefallen sind)

* das Geràt ist schwerer als ich bei der Größe erwartet hàtte.

* damit zusammenhàngend: Die Arretierung der Aufstellfüße ist etwas
unterdimensioniert. Sie klappen leicht ungewollt zurück. Ich konnte die
Aufstellfüße mit 55 mm langen Sechskantbolzen in ausgeklappter Lage
blockieren.

* der Lüfter ist zwar nicht ausgesprochen laut, könnte aber leiser sein.
Es wàre noch Platz für den bei Dektop-PCs erfolgreichen Trick: Mehr Löcher
im Gehàuse, größerer Lüfter, langsamerer Rotor...

* der Bildschirm mit 800x420 px ist ein großer Fortschritt gegenüber den
320x234 px des Rigol DS1052, der Agilent 1000er-Reihe, oder diversen
kleineren Tektronix TDS Oszilloskopen, die ich hier testweise ausprobieren
konnte.

* das Bedienkonzept "funktioniert". Man muss für die üblichen Funktionen
angenehm wenig suchen. Es gibt erstaunlich wenig Mehrfach-Belegung von
Knöpfen und die Menüs sind eher flach. Dazu tràgt natürlich die Knopfreihe
links vom Bildschirm bei. Die bieten direkten Zugriff auf die diversen
Analyse-Funktionen. Insgesamt kein Vergleich mit den High-End-Hamegs, wo
es ein paar Knöpfe und Modi gibt, die die Fàhigkeiten des Benutzers im
Ràtselraten herausfordern.

* digitales Nachleuchten funktioniert. Man sieht bei einem im wesentlichen
periodischen Signal tatsàchlich sowohl die "Hauptspur" als auch die
sporadisch auftauchenden Ausreißer.

* es gibt keine Schraublöcher, mit denen das DS2072 an einem Monitor-Arm
gehaltert werden könnte. Das wàre wirklich praktisch. Denn die modernen
Geràte lassen sich wegen fehlender Tiefe nicht so einfach stapeln, wie die
guten, alten Röhren-Oszis.

* das Eingangsrauschen ist vorhanden und größer als ich es vom Hameg 1507
kenne (in den meisten Bereichen ungefàhr 1/5 Div). Es ist damit jedoch zum
Glück nicht so enttàuschend groß, wie ich es vor knapp 10 Jahren bei einer
5000 EUR-Kiste von Agilent erlebte. Außerdem gibt es im Gegensatz zum
Agilent von damals einen funktionierenden Modus "high-res". Dabei wird
offenbar so schnell wie möglich gesampelt und dann für ein Bildschirm-
Pixel über entsprechend viele Sample-Werte gemittelt. Wenn man im Bereich
unter einer µs hinschaut, hilft das natürlich auch nicht viel. Aber für
langsamere Signale ist der Effekt deutlich.

* die mitgelieferten Messspitzen sind deutlich besser als erwartet. Laut
Aufschrift taugen sie bis 300 MHz. Das habe ich noch nicht ernsthaft
ausgelotet. Aber mit den 70 MHz des Scopes sind sie ganz sicher kein
Flaschenhals (habe mit Tektroniks P6139A verglichen).

* die integrierte FFT ist eher ein Gimick, beziehungsweise Notbehelf. Wenn
man einmal einen echten Specki benutzt hat und weiß, dass man damit das
Gras wachsen sieht, fühlt sich die FFT-Funktion lahm und blind an.

Die mitgelieferte Software habe ich nicht ausprobiert. Im Zweifelsfall
wird mir eine Auslesung der Daten im CVS-Format reichen.

Insgesamt bin ich mit der Wahl zufrieden. Besonders die unproblematische
Bedienung ist hier Gold wert. Die Geràte gehören zu "allgemeinen"
Arbeitsplàtzen, an denen immer wieder andere Eigentlich-Nicht-Elektroniker
zum Zug kommen. Sollte spontan Geld für weitere Hardware auftauchen, würde
ich empfehlen, weitere vom selben Typ anzuschaffen.

<)kaimartin(>
 

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#1 Frank Buss
16/12/2013 - 21:30 | Warnen spam
Kai-Martin Knaak wrote:

* das Bedienkonzept "funktioniert". Man muss für die üblichen Funktionen
angenehm wenig suchen. Es gibt erstaunlich wenig Mehrfach-Belegung von
Knöpfen und die Menüs sind eher flach. Dazu tràgt natürlich die Knopfreihe
links vom Bildschirm bei. Die bieten direkten Zugriff auf die diversen
Analyse-Funktionen. Insgesamt kein Vergleich mit den High-End-Hamegs, wo
es ein paar Knöpfe und Modi gibt, die die Fàhigkeiten des Benutzers im
Ràtselraten herausfordern.



Das habe ich letztens auch bei einem teuren Tektronix Scope gesehen, was
GHz-Bandbreite hat. Schon so einfache Dinge wie Holdoff einzustellen
erfordert ein Studium des Handbuchs und am nàchsten Tag hat man es
wieder vergessen. Mal ganz davon abgesehen, daß es wegen der vielen
eingebauten Lüfter einen Höllenlàrm macht. Die Leute die dort damit
arbeiten, verwenden es nur wenn unbedingt notwendig (für Signale im
GHz-Bereich), und sonst ein (relativ) billiges Agilent Scope.

Keine Ahnung, was sich die Scope-Entwickler dabei gedacht haben. Die
preiswerteren Tektronix Geràte sind ja auch einfacher zu bedienen.

Frank Buss, http://www.frank-buss.de
electronics and more: http://www.youtube.com/user/frankbuss

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