Erfahrungsbericht: Amiga Floppy justieren

17/05/2008 - 15:21 von Kai Scherrer | Report spam
Hallo,

Zu dem Thema Amiga-Floppys-justieren habe ich bislang nur Hinweise auf
Thomas Richters Programm "TransDiskSync" gefunden aber leider keine
Berichte von Leuten, die das tatsàchlich mal verwendet haben.

Die Floppy in meinem Amiga 1000 zeigte schon seit einiger Zeit die
üblichen Syntome eines dejustierten Diskettenlaufwerks: Disketten die
von anderen Laufwerken beschrieben wurden oder Originaldisketten konnten
nicht fehlerfrei gelesen werden, Disketten die vom Laufwerk selbst
beschrieben wurden dagegen problemlos. Dummerweise sind Ersatzlaufwerke
für diesen Rechner rar, weswegen ich es nicht einfach gegen ein anderes
austauschen wollte.

Da TransDiskSync leider Kickstart 2.04 vorraussetzt habe ich die Justage
nicht im Amiga 1000 durchgeführt sondern das Laufwerk ausgebaut und in
das Gehàuse eines A1010 gesetzt. Hier war zu beachten, dass die
Anschlüsse um 180 Grad gedreht waren. So wurde das dann als externes
Laufwerk an einen Amiga 4000 angeschlossen, dessen internes Laufwerk
gleichzeitig als Referenzlaufwerk dienen sollte. Zusàtzlich habe ich
noch einen Competition Pro -- wie in der Anleitung vorgeschlagen -- als
Fußschalter verwendet.

Dann galt es die Feinjustageschrauben in dem A1000-Laufwerk zu finden.
Das Prinzip dort ist, dass die Justage durch leichte Drehung des
gesamten Stepmotors stattfindet. Der Stepmotor ist mit zwei Schrauben
fixiert. Diese habe ich soweit gelöst, dass ich den Motor gut bewegen
konnte. Zuvor habe ich noch die beiden Schreib-/Leseköpfe mit einem
Wattestàbchen und wenig Reinigunsbenzin gesàubert.

Nach dem Booten des A4000 habe ich erstmal mit einem
ADF-Transferprogramm getestet, ob der Fehler auf dem Laufwerk noch immer
vorhanden ist indem ich ein ADF mit dem internen Laufwerk auf eine
Diskette geschrieben habe und dieses dann wieder vom defekten Laufwerk
einlesen wollte, was dann erwartungsgemàß fehlschlug.

Nun habe ich die Diskette im internen Referenzlaufwerk per
TransDiskSync DF0: init
vorbereitet und mir gleich darauf angehört, wie das korrekte Ergebnis zu
klingen habe mittels
TransDiskSync DF0: read

Das Ergebnis war etwas verwirrend, da wàhrend init mehrere Tracks mit
unterschiedlichen Tonhöhen bespielt wurden, bei read aber nur der erste
Track wiedergegeben wurde. Ich hatte erwartet, dass ich mich mit dem
Joystickfeuerknopf durch die einzelnen Tracks schalten kann, tatsàchlich
scheint das aber nur zu bewirken, dass der Kopf einen Step nach innen
macht und gleich darauf wieder bis zur Lichtschranke zurückkehrt.
Außerdem hat das Programm bei mir nur sehr verzögert auf die linke
Maustaste reagiert, welche das Programm beendet.

Ich habe dann die initialisierte Diskette in das defekte Laufwerk
eingelegt und den read Vorgang gestartet:
TransDiskSync DF2: read

Das Ergebnis war leider nicht so eindeutig wie erwartet, ich hörte auch
hier durchgehend den hohen Ton des ersten Tracks. Durch Drehen an dem
Stepmotor konnte ich das dann àndern von Krach wenn der Kopf vor dem
ersten Track stand über den hohen Ton des ersten Tracks bis zu dem
tieferen Ton des zweiten Tracks wenn der Kopf zu weit nach innen
justiert wurde. Zwischen dem ersten und zweiten Track war fast kein
Krach zu hören. Zwischendurch habe ich immer wieder mal einen Step per
Joystick-Feuerknopf ausgelöst.

Ich habe dann in einem ersten Versuch die Justierung (also den
Stepmotor) so eingestellt, dass sie sich etwa in der Mitte des Weges
zwischen Krach und zweitem Track befand.

Ein anschließender Test mit dem ADF-Auslesen zeigte leider noch keine
Besserung.

Beim zweiten Versuch habe ich dann den Kopf nàher zum zweiten Track
eingestellt. Der anschließende Test verlief vielversprechend, ich konnte
Disketten problemlos auslesen und schreiben und diese dann wiederum an
meinem anderen Laufwerk einlesen.

Ich habe dann den Rechner ausgeschaltet, die beiden Schrauben am
Stepmotor wieder festgezogen und mit ein wenig Nagellack fixiert.

Nachdem ich das Laufwerk wieder in den A1000 eingebaut hatte, konnte ich
auch hier wieder problemlos fremde und Originaldisketten lesen -- ein
voller Erfolg!

Insgesamt hat die ganze Aktion etwa 2,5 Stunden gedauert, wobei viel
Zeit für die aufwendige (De-)Montage des A1000 und des A1010 draufging.

Vielen Dank an Thomas für TransDiskSync, jedem der mit einem
dejustierten Laufwerk zu kàmpfen hat kann und sich eine solche
"Operation" zutraut kann ich es nur empfehlen.

Gruß,
Kai
 

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#1 Heiko Nocon
17/05/2008 - 17:31 | Warnen spam
Kai Scherrer wrote:

Dummerweise sind Ersatzlaufwerke
für diesen Rechner rar



Eigentlich nicht. Im Amiga wurden stinknormale
"Industriestandard"-DD-Laufwerke verbaut und zwar durchaus
unterschiedliche Modelle verschiedener Hersteller.
Man kann sie durch heute noch problemlos erhàltliche
"Industriestandard"-HD-Laufwerke ersetzen, denn die HD-Laufwerke sind
vollstàndig abwàrtskompatibel zu den DD-Laufwerken.

Da TransDiskSync leider Kickstart 2.04 vorraussetzt habe ich die Justage
nicht im Amiga 1000 durchgeführt sondern das Laufwerk ausgebaut


[...wahnwitzigen Aufwand gesnipped...]

Alles, was man zu Justage der Spurlage benötigt, ist eine
5V-Spannungsqelle, die ein paar Dutzend mA liefern kann, einen
prellfreien Taster, eine Referenzdiskette und ein handelsübliches
Billich-Multimeter mit AC-Meßbereich.
Das Multimeter klemmt man einfach auf den Eingang des Leseverstàrkers
des Laufwerks, wàhlt den kleinsten AC-Spannungsmeßbereich, làßt das
Laufwerk schön im Lesemodus drehen, auf Track 0 seeken und gleicht dann
auf Maximum der Wechselspannung ab. Das alles geht ganz ohne Computer
und irgendwelche Programme.
Ein Programm kann den prellfreien Taster ersetzen, niemals aber das
Meßgeràt, denn es bekommt nur die bereits durch Verstàrker und Trigger
des Laufwerks gelaufenen Signale zu "sehen". Damit ist kein Abgleich auf
Maximum möglich, sondern bestenfalls einer auf die Mitte des Bereiches,
in dem das Signal überhaupt die Triggerschwelle überschreitet.

Ein Programm braucht man dann allerdings, um zu kontrollieren, daß man
die richtige Spur und nicht etwa schon Track 1 erwischt hat. Dafür
reicht aber das Kickstart-ROM bzw. der Urlader des Amiga1000. Entweder
es passiert das Erwartete, dann war's die richtige Spur, oder eben
nicht, dann war man einen Track zu hoch und muß entsprechend weiter nach
"außen" gehen und auf das nàchste Maximum abgleichen.

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