Fachpraesentation als Klassenarbeitsersatz

19/05/2014 - 11:48 von Timo | Report spam
F'up an schule.mathe.

Hallo,

ich bin in Baden Württemberg Schüler an einem
mathematisch-naturwissenschaftlichen Gymnasium.

Jede/r Schüler/in der Klasse soll in Mathe vor der
Klasse eine Pràsentation zu einem bestimmten Thema
frei halten, die 45 Minuten dauert und benotet wird und
als Klassenarbeit zàhlt.

Ich soll etwas über lineare diophantische Gleichungen
erzàhlen. Weil das ein Thema ist, das gerne als
Einstieg in die Zahlentheorie genommen wird, wàhrend
wir aber laut Lehrplan in der ganzen restlichen Schulzeit
keine Zahlentheorie machen werden, sondern
Differentialrechnung, Wahrscheinlichkeitsrechnung,
Analysis und analytische Geometrie auf dem Plan stehen,
habe ich gefragt, obs vom Thema her nicht ein wenig
konkreter ginge bzw ob ich einen "Bogen spannen" soll
zwischen dem Thema "lineare diophantische Gleichungen"
und irgendwelchen der Themen aus dem Lehrplan.

Ausserdem wollte ich wissen
- zu welchem Termin ich die Pràsentation halten soll.
- zu welchem davorliegenden Termin ich meinen
Inhaltsentwurf, meine Vorstellungen zum Ablauf
und etwaige an die Klasse zu verteilende Handouts
zur vorherigen Begutachtung bei der Lehrerin
abgeben soll.

Zur Antwort bekam ich von der Lehrerin, die einzige Regel
sei, dass jede/r die Pràsentation spàtestens zwei Wochen
vor Schuljahresende gehalten haben solle. Inhaltsentwürfe
oder dergleichen wolle sie vorher nicht haben, sondern sich
überraschen lassen. Termine setze sie nicht fest, ich
solle einfach sagen wenn ich so weit sei.

In Mathe musste ich noch nie einen Auftritt vor der Klasse
absolvieren der über kurz etwas Vorrechnen hinausging.

Meine Fragen an die Newsgroups sind nun:

- Ist das normal, dass Lehrer/innen gar nicht vorher wissen
wollen, was (für einen Mist?) jemand vor der Klasse
abzuliefern gedenkt und es offenbar auch nicht
wichtig finden, ob das Vortragsthema zum derzeit
im "normalen Unterricht" behandelten Stoff passt?
Immerhin geht da pro Pràsentation eine komplette
Unterrichtsstunde drauf und wenn bei zu vielen Schülern
was schiefgeht, und sich das aufsummiert, könnte die
Zeit für den regulàren Lehrstoff knapp werden.

- Was sind eigentlich die Unterschiede zwischen einer
frei zu haltenden Pràsentation, einem frei zu haltenden
Vortrag und einem frei zu haltenden Referat?

Die Leute, die bisher ihren Auftritt hatten, haben alle
mit iPad und Beamer herumgespielt - ist das wichtig
für eine Pràsentation, dass man mit Geràten
herumspielt, die das Klassenzimmer leuchtend bunt
machen? Mir persönlich würde (farbige) Kreide, ein
Schwamm, Wasser, eine Tafel und ein langes Lineal
reichen. (Das hab ich sogar alles selber daheim.)
Dadurch, dass ich zum Schreiben immer die Tafel
kurz zu mir herunterziehen müsste, kàme sogar etwas
Bewegung in die Sache...
Ich könnte auch auf alles verzichten und nur vortragen, müsste
mich dann aber sehr auf das Vorstellungsvermögen der
Zuhörenden verlassen.
Aber ich kann auch kreativ sein und GNUPlot und LaTeX
anschmeissen und mit AMSMath, TiKz, dem AcroTeX-Bundle,
dem attachfil2-package, dem graphcx-package und der
beamer.cls eine Pràsentation im pdf-Format basteln
und auf meinen Raspberry-Pi kopieren und den dann an
den Pocket-Beamer von meinem Onkel anschliessen
(der würde ihn mir leihen) und könnte dann wàhrend
meiner Pràsentation so richtig kreatives Unterhaltungskino
machen...

- Falls ich zur Auflockerung irgendwelche Bildchen zeigen will,
die ich nicht selbst gebastelt habe, zB eine Karte, auf der man
sieht, wo das Alexandria lag, wo der Diophantos herkam,
oder irgendwas von Sun Tzu (in Zusammenhang mit
Ràtseln, bei denen man den "Chinesischen Restesatz"
braucht) oder irgendwas von Etienne Bézout, oder ein Photo
von Carl Ludwig Siegel oder ein Bild von Ernst Kummer,
dann darf ich das ja wahrscheinlich nicht einfach so tun,
sondern brauche dazu die Erlaubnis des jeweiligen
Rechteinhabers. Wie geht man da am besten vor?
Oder wie sieht es aus, wenn man ein Buch aus der UB
mitnimmt - darf man das in der Klasse herumzeigen
oder verstösst man damit gegen irgendwelche Urheberrechte?

- Diejenigen meiner "Kolleg/inn/en", die ihre Auftritte schon hatten,
waren etwas leger und von denen hat zB keine/r gesagt, wo sie/er
ihr/sein pràsentiertes Wissen her hat.

Wie gibt man in der frei gehaltenen Pràsentation bzw im frei
gehaltenen Vortrag die Quellen an, aus denen das Wissen
stammt?

Muss ich immer _just in dem Moment, zu dem ich eine Information
gebe_, dazusagen, wo ich selbst sie herhabe, oder würde es zB
ausreichen, _lediglich am Anfang des Vortrags ganz kurz einen
Überblick_ zu geben, wie man seine folgenden Ausführungen
untergliedert hat, welche Gedankengànge in welchem "Abschnitt"
vorgestellt werden sollen und auf welche Quellen man für den
jeweiligen Abschnitt zurückgegriffen hat?
Oder muss man da gar nicht dazusagen, wo man seine Informationen
her hat, wenn man zusàtzlich"Handouts" verteilt, in denen dann auch
die Quellenangaben drinstehen?

Freundliche Grüße

Timo
 

Lesen sie die antworten

#1 Ernst Sauer
19/05/2014 - 13:27 | Warnen spam
Am 19.05.2014 11:48, schrieb Timo:
...

Die Leute, die bisher ihren Auftritt hatten, haben alle
mit iPad und Beamer herumgespielt - ist das wichtig
für eine Pràsentation, dass man mit Geràten
herumspielt, die das Klassenzimmer leuchtend bunt
machen?



Du kannst Dir die Frage stellen, ob Du nur einen
- Überblick über ein Thema geben willst, oder
- ob die Zuhörer etwas lernen und mitnehmen sollen.
Letzteres ist sicher zu bevorzugen.


Mir persönlich würde (farbige) Kreide, ein
Schwamm, Wasser, eine Tafel und ein langes Lineal
reichen. (Das hab ich sogar alles selber daheim.)
Dadurch, dass ich zum Schreiben immer die Tafel
kurz zu mir herunterziehen müsste, kàme sogar etwas
Bewegung in die Sache...



Das wàre in jeder Hinsicht die beste Methode, weil dann die
Zuhörer eine Chance haben, etwas zu lernen.

Meine Ratschlàge:
Mach es so (auch so langsam), dass die meisten mitschreiben
und mitdenken können. Setze gezielt (aber sparsam) Farben ein
(keine grellen) und gestalte die Tafel so, dass am Ende ein
volles, schönes und abgerundetes Tafelbild zu sehen ist.
Dann kannst Du zum Schluss noch einmal eine kurze
Zusammenfassung geben (das ist wichtig).
Es darf aber kein "Geferkele an der Tafel" entstehen, was an den
Hochschulen nicht selten der Fall ist.

Rede, schreibe und zeichne an der Tafel nicht zu schnell.
Stelle zwischendurch kurze Fragen, warte aber nicht zu lange
auf eine Antwort, bzw. gebe schnell eine pfiffige Hilfestellung
(vor allem wenn die Lehrperson die Frage auch nicht
beantworten kann ).

Einen Beamer kannst Du auch an den Rand stellen um
mal das Inhaltsverzeichnis, ein Bild, eine Animation oder eine
Zwischenrechnung zu zeigen.
Damit zeigst Du dann auch, dass Du die Technik beherrschst.

Mach es außerdem so, wie es Dir am meisten Spaß macht,
trage den Stoff genau so vor, wie Du ihn Dir erarbeitet hast.
Das wirkt immer authentisch.

Powerpointpràsentationen sind (jedenfalls dort, wo es ums Lernen geht)
meistens der allergrößte Mist, weil kein Mensch in so kurzer Zeit die
visuellen Eindrücke verarbeiten kann.

Ich könnte auch auf alles verzichten und nur vortragen, müsste
mich dann aber sehr auf das Vorstellungsvermögen der
Zuhörenden verlassen.
Aber ich kann auch kreativ sein und GNUPlot und LaTeX
anschmeissen und mit AMSMath, TiKz, dem AcroTeX-Bundle,
dem attachfil2-package, dem graphcx-package und der
beamer.cls eine Pràsentation im pdf-Format basteln
und auf meinen Raspberry-Pi kopieren und den dann an
den Pocket-Beamer von meinem Onkel anschliessen
(der würde ihn mir leihen) und könnte dann wàhrend
meiner Pràsentation so richtig kreatives Unterhaltungskino
machen...



Das ist alles andere als kreativ, es ist im Kern einfallslos.


- Falls ich zur Auflockerung irgendwelche Bildchen zeigen will,
die ich nicht selbst gebastelt habe, zB eine Karte, auf der man
sieht, wo das Alexandria lag, wo der Diophantos herkam,
oder irgendwas von Sun Tzu (in Zusammenhang mit
Ràtseln, bei denen man den "Chinesischen Restesatz"
braucht) oder irgendwas von Etienne Bézout, oder ein Photo
von Carl Ludwig Siegel oder ein Bild von Ernst Kummer,
dann darf ich das ja wahrscheinlich nicht einfach so tun,
sondern brauche dazu die Erlaubnis des jeweiligen
Rechteinhabers. Wie geht man da am besten vor?
Oder wie sieht es aus, wenn man ein Buch aus der UB
mitnimmt - darf man das in der Klasse herumzeigen
oder verstösst man damit gegen irgendwelche Urheberrechte?



Nenne kurz die Quelle, das ist immer ein guter Stil.

...

... am Anfang des Vortrags ganz kurz einen
Überblick_ zu geben,...



so, oder ganz kurz dazwischen.

Mit Gruß
E.S.

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