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Fisher-Prinzip Geschlechterverhaeltnis

15/11/2008 - 13:25 von Ralf Kusmierz | Report spam
X-No-Archive: Yes

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Hallo,

es geht um das Argument, warum sich angeblich auch bei ungleichen
Überlebenswahrscheinlichkeiten von m und w ein ausgeglichenes
Geschlechterverhàltnis in der Population einpendeln soll. Ich verstehe
es nàmlich nicht.

Ich zitiere mal einen Abschnitt, den ich im Internet gefunden habe,
und der das angeblich erklàren soll:

"Fishers Begründung, warum das Geschlechterverhàltnis sich immer
wieder auf 1:1 einpendelt (Ridley 295; Sober 17). Ein entscheidendes
Argument dabei ist, dass sich Mànner in einer Gesellschaft, in der es
überwiegend Frauen gibt, hàufiger sexuell reproduzieren werden als die
Frauen. (Z.B. werden viele Frauen ohne Nachkommen bleiben, oder aber,
ein Mann wird sich mit mehreren Frauen paaren). Das allein erklàrt
aber noch nichts. Überhaupt wird in den meisten Lehrbüchern Fishers
Argument nicht befriedigend dargestellt, denn zunàchst einmal ist zu
fragen, was es hierbei überhaupt zu erklàren gibt: wenn nàmlich die
Aufteilung der Chromosomen bei der Meiose zufàllig erfolgt, dann wird
jedes Fortpflanzungspaar mit einer 1:1 Wahrscheinlichkeit Sohn oder
Tochter zeugen, egal wie viel Mànner und Frauen es in der
Elterngeneration gibt, und somit wird, auch wenn in der alten
Generation 70% der Mànner durch einen Krieg hinweggerafft wurden, in
der Nachkommengeneration das Mann-zu-Frau-Verhàltnis wieder 1:1
betragen. Wenn wir eine erhöhte Nachkommensrate annehmen, sodass die
Populationszahl erhalten bleibt, dann wàre eigentlich alles in
Ordnung, und der Erklàrungsgrund für die 1:1-ratio wàre nichts anderes
als die Zufàlligkeit der Chromosomenaufteilung in der Meisose (es gibt
eine 1/2-Wahrscheinlichkeit für das Y-Chromosom es Mannes, in die
Zygote zu gelangen, und ebenso 1/2 für das X-Chromosom des Mannes).
Fishers Argument dagegen wird erst relevant, wenn man Bedingungen
annimmt, unter denen jene Generation ein Anteil eines Geschlechts,
sagen wir 70% der Mànner, durch Kriege hinweggerafft werden. Unter
diesen Bedingungen wàre bei bloß zufàlliger Aufteilung ein anhaltender
Frauenüberschuss von 3:1 die Folge. Fishers Argument zeigt nun, dass
eine solche Gesellschaft dazu tendiert, den Frauenüberschuss dadurch
zu kompensieren, dass mehr Söhne als Töchter gezeugt werden.

Sein Argument geht wie folgt. Angenommen wird, dass es gewisse
genetische Anlagen gibt, deren Besitzer eher dazu tendieren, mànnliche
bzw. weibliche Nachkommen zu produzieren (nehmen wir an, diese Anlagen
sitzen am X-Chromosom oder einen nichtgeschlechtlichen, damit sie sich
über Söhne und Töchter weitervererben; denn bekanntlich besitzen
Frauen zwei X-Chromosomen; Mànner ein X- und ein Y-Chromosom). Wir
nennen diese Allele M und F. Dann wird es so sein, dass in einem
Zustand des Gleichgewichtes unter den Mànnern das Allel M und unter
Frauen das Allel F einen gewissen Hàufigkeitsvorsprung (über 50%
hinaus) besitzt. Kommt es nun zu einer Abweichung vom phànotypischen
Gleichgewicht (etwa durch einen Krieg, in dem viele Mànner sterben),
dann haben die Mànner bessere Fortpflanzungschancen als Frauen, denn
einem Mann stehen, sagen wir, zwei Frauen in der Population gegenüber.
Daher werden im Schnitt Mànner mehr Nachkommen zeugen als Frauen, und
als Folge wird sich das M-Allel stàrker ausbreiten als das F-Allel und
deutlich über 50% hinausschießen; in der Folge werden mehr Söhne als
Töchter geboren; solange, bis das Gleichgewicht der Geschlechter
wieder hergestellt ist. Kurz gesagt, bei jeder Abweichung vom
1:1-Gleichgewicht treiben evolutionàre Selektionskràfte die Verteilung
wieder auf 1:1 zurück."

Wer jetzt "alles klar" sagt, wird gebeten, mir das Argument zu
erlàutern.


Gruß aus Bremen
Ralf
R60: Substantive werden groß geschrieben. Grammatische Schreibweisen:
adressiert Appell asynchron Atmosphàre Autor bißchen Ellipse Emission
gesamt hàltst Immission interessiert korreliert korrigiert Laie
nàmlich offiziell parallel reell Satellit Standard Stegreif voraus
 

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#1 Bernhard Kleine
15/11/2008 - 13:54 | Warnen spam
Am Sat, 15 Nov 2008 13:25:12 +0100 schrieb Ralf Kusmierz:

X-No-Archive: Yes

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Hallo,

es geht um das Argument, warum sich angeblich auch bei ungleichen
Überlebenswahrscheinlichkeiten von m und w ein ausgeglichenes
Geschlechterverhàltnis in der Population einpendeln soll. Ich verstehe
es nàmlich nicht.

Ich zitiere mal einen Abschnitt, den ich im Internet gefunden habe, und
der das angeblich erklàren soll:

"Fishers Begründung, warum das Geschlechterverhàltnis sich immer wieder
auf 1:1 einpendelt (Ridley 295; Sober 17). Ein entscheidendes Argument
dabei ist, dass sich Mànner in einer Gesellschaft, in der es überwiegend
Frauen gibt, hàufiger sexuell reproduzieren werden als die Frauen. (Z.B.
werden viele Frauen ohne Nachkommen bleiben, oder aber, ein Mann wird
sich mit mehreren Frauen paaren). Das allein erklàrt aber noch nichts.
Überhaupt wird in den meisten Lehrbüchern Fishers Argument nicht
befriedigend dargestellt, denn zunàchst einmal ist zu fragen, was es
hierbei überhaupt zu erklàren gibt: wenn nàmlich die Aufteilung der
Chromosomen bei der Meiose zufàllig erfolgt, dann wird jedes
Fortpflanzungspaar mit einer 1:1 Wahrscheinlichkeit Sohn oder Tochter
zeugen, egal wie viel Mànner und Frauen es in der Elterngeneration gibt,
und somit wird, auch wenn in der alten Generation 70% der Mànner durch
einen Krieg hinweggerafft wurden, in der Nachkommengeneration das
Mann-zu-Frau-Verhàltnis wieder 1:1 betragen. Wenn wir eine erhöhte
Nachkommensrate annehmen, sodass die Populationszahl erhalten bleibt,
dann wàre eigentlich alles in Ordnung, und der Erklàrungsgrund für die
1:1-ratio wàre nichts anderes als die Zufàlligkeit der
Chromosomenaufteilung in der Meisose (es gibt eine
1/2-Wahrscheinlichkeit für das Y-Chromosom es Mannes, in die Zygote zu
gelangen, und ebenso 1/2 für das X-Chromosom des Mannes). Fishers
Argument dagegen wird erst relevant, wenn man Bedingungen annimmt, unter
denen jene Generation ein Anteil eines Geschlechts, sagen wir 70% der
Mànner, durch Kriege hinweggerafft werden. Unter diesen Bedingungen wàre
bei bloß zufàlliger Aufteilung ein anhaltender Frauenüberschuss von 3:1
die Folge. Fishers Argument zeigt nun, dass eine solche Gesellschaft
dazu tendiert, den Frauenüberschuss dadurch zu kompensieren, dass mehr
Söhne als Töchter gezeugt werden.

Sein Argument geht wie folgt. Angenommen wird, dass es gewisse
genetische Anlagen gibt, deren Besitzer eher dazu tendieren, mànnliche
bzw. weibliche Nachkommen zu produzieren (nehmen wir an, diese Anlagen
sitzen am X-Chromosom oder einen nichtgeschlechtlichen, damit sie sich
über Söhne und Töchter weitervererben; denn bekanntlich besitzen Frauen
zwei X-Chromosomen; Mànner ein X- und ein Y-Chromosom). Wir nennen diese
Allele M und F.


Gruß aus Bremen
Ralf



Ich denke, die Annahme von Allelen, die bei Mànnern oder Frauen hàufiger
sind, ist schlichtweg falsch. Die Verteilung von Chromosomen in der
Meisose ist stochastisch: Bei Mànnern gibt es kein somatisches Allel,
(jedenfalls keines, das ich kenne) dass sich bevorzugt auf die Seite des
Y-Chromosoms schlàgt. Und das X-Chromosom geht sowie auf die andere
Seite.

Spàtestens in der nàchsten Generation sind die behaupteten Unterschiede
wieder auf Mànnlein und Weiblein gleichmàßig verteilt!

Die tatsàchlichen Unterschiede zwischen Spermien mit X und solchen mit Y
sind so klein, dass man eine Ultrazentrifuge braucht um überhaupt den
Größenunterschied in einer Dichtezentrifugation auszunutzen. Das ganze
erinnert mich an Pseudowissenschaft, bei der Behauptungen aufgestellt
werden, die expermentell nicht verifiziert werden können und von Laien
gebetsmühlenartig wiederholt werden, bis sie sich im Bewusstsein
verankert haben.

Bernhard

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