Gelesen: Dava Sobel, Längengrad

26/07/2015 - 18:43 von Ignatios Souvatzis | Report spam
Dava Sobel, "Làngengrad", Berliner Taschenbuch Verlags GmbH, Berlin
ISBN 978-3-8333-0271-8, 238 S. einschl. einer kurzen Bibliographie
und eines Schlagwortverzeichnisses.

Das Erscheinen von "Làngengrad" (1996: Berlin Verlag; Original
"Longitude" 1995) ist damals spurlos an mir vorüber gegangen. Und
es soll sogar verfernsehfilmt worden sein, was ich auch nicht bemerkt
habe.

Vor wenigen Wochen erwischte ich die Taschenbuchausgabe in der 5.
Auflage von 2008. Ich erlaubte mir erst nach der Rückkehr von einer
Ausbildungs- und Prüfungsreise, sie zu lesen, und verschlang sie
innerhalb weniger Tage, noch vor Erhalt des Tryptichons.

Die Person John Harrison war mir vorher nur vage und nicht dem Namen
nach bekannt. Es handelt sich um einen autodidaktischen Uhrmacher,
der als erster einige Uhren anfertigte, die trotz Luftdruck- und
Temperaturànderungen und der Stampf-, Roll- und Gierbewegungen auf
einem Seeschiff genau genug ging, um mit den auch damals erst in
Entwicklung befindlichen rein astronomischen Methoden der
Làngengradbestimmung mithalten oder sie sogar übertreffen zu können.

Es ist auch die Geschichte der Intrigen gegen ihn, mit dem Ziel,
ihm das vom britischen Parlament 1714 ausgesetzte Preisgeld für
ein Verfahren zur Bestimmung des Làngengrads streitig zu machen.

Ich bin mit beiden Seiten des Streits assoziiert - als Gelegenheitssegler
sind mir die auf der Zeitmessung beruhende Verfahren zur Ortsbestimmung,
die Harrisons Uhren und deren Nachfolger ermöglicht hatten, bekannt;
gleichzeitig bin ich der Ausbildung nach, wenn auch nicht vom ausgeübten
Beruf her, mit der Astronomie verbunden.

Niemand vorher hat mir erzàhlt, dass zum einen die Astronomen jener
Zeit zum einen vom Longitude Act profitierten, weil eine Reihe
berühmter Observatorien und wichtiger Expeditionen damals gegründet
bzw. finanziert wurden, um Sternkataloge und Tabellenwerke über
die Mondbahn zu erstellen, die für die konkurrierenden Methoden
gebraucht wurden. Das betrifft nicht nur Großbritannien, sondern
auch die Bemühungen einiger anderer seefahrender Nationen.

So hat am Ende die Astronomie als Wissenschaft sehr davon profitiert,
denn neben der Mondbahn wurden auch Expditionen zur genauen
Beobachtung eines Venusdurchgangs vor der Sonne vorgenommen, die
letztendlich zu einem genauen physikalischen Modell unseres
Sonnensystems führten.

Auch wenn die Methode der Monddistanzen gegen die einfachere
Navigation mithilfe einer technischen Uhr historisch verloren hat,
profitiert aber auch letztere von diesen Bemühungen, denn es stehen
gute Vorausberechnungen der Positionen der hellen Planeten zur
Verfügung.

Dava Sobel hat diese historischen Zusammenhànge ebenfalls
herausgearbeitet und verstàndlich gemacht.

Gewidmet hat sie das Buch übrigens ihrer Mutter Betty Gruber Sobel,
einer "Vier-Sterne-Seglerin, die nach dem Himmel navigieren kann,
aber immer via Canarsie fàhrt."
 

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#1 Peter J. Holzer
26/07/2015 - 20:38 | Warnen spam
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On 2015-07-26 16:43, Ignatios Souvatzis wrote:
Dava Sobel, "Làngengrad", Berliner Taschenbuch Verlags GmbH, Berlin
ISBN 978-3-8333-0271-8, 238 S. einschl. einer kurzen Bibliographie
und eines Schlagwortverzeichnisses.

Das Erscheinen von "Làngengrad" (1996: Berlin Verlag; Original
"Longitude" 1995) ist damals spurlos an mir vorüber gegangen. Und
es soll sogar verfernsehfilmt worden sein, was ich auch nicht bemerkt
habe.



Ich muss das vor ca. 15 Jahren gelesen haben.

Gutes Buch, ja. Der Wermutstropfen für mich war, dass es zu wenig
technisch war. Aus meinen Notizen von damals:

| Leider geht sie auf die Uhrenkonstruktion kaum ein, man erfàhrt zwar,
| daß Bimetallstreifen verwendet wurden, um Temperaturunterschiede
| auszugleichen, oder daß Harrison die »Grasshopper-Hemmung« erfunden
| hàtte - aber wie die funktioniert, bleibt dem technisch interessierten
| aber nicht als Uhrmacher ausgebildeten Leser verborgen. Statt dessen
| kann man sich über blumige Beschreibungen wie »die Uhr àhnelt einer
| wohlgekleideten Frau, die hinter einem Röntgenschirm steht, der ihr
| schlagendes Herz entblößt« freuen.

hp

_ | Peter J. Holzer | Fluch der elektronischen Textverarbeitung:
|_|_) | | Man feilt solange an seinen Text um, bis
| | | | die Satzbestandteile des Satzes nicht mehr
__/ | http://www.hjp.at/ | zusammenpaßt. -- Ralph Babel

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