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Gemischtes Netzwerk - Backup-Konzept

15/06/2009 - 21:31 von Christine Kremsmayr | Report spam
Ich bin gerade dabei, mir ein Backup-Konzept für mein Heim-Netzwerk zu
überlegen, und es hapert schon beim Grundsàtzlichen. Die Fakten:
Gemischtes Netzwerk:

- Windows-Rechner als Büro-Rechner
- Windows-Rechner als Multimedia-Maschine, aber auch zum Arbeiten
- Linux-Rechner: alles Mögliche
- NAS-Box mit Windows Home Server, Platten sind NTFS-formatiert
- Notebook mit Windows und Linux im Dualboot: Hier werden die Daten auf
einer
NTFS-Partition abgelegt (ntfs-3g im Einsatz)

Auf dem NAS will ich von allen Rechnern Backups ablegen, also jeweils
von Linux oder Windows aus. Weiterhin hàngt an dem NAS für Sicherungen
dieser Backups und weiterer Daten eine externe eSATA-Platte, die nur
dann eingeschaltet wird, wenn ich Daten vom NAS rübersichere.

Derzeit sichere ich nur die Windows-Rechner mit robocopy. Funktioniert
wunderbar, mir gefàllt aber nicht, dass da dauernd Dateien geschaufelt
werden, ist nicht elegant.

Daher würde ich gerne hin zu rsync oder rsnapshot. Bloß: Geht das bei
dem Dateisystem-Dschungel? Nach überblicksmàßiger Durchsicht der
Rsnapshot-Doku habe ich den Eindruck, das Ding làuft nur von Linux- zu
Linux-Dateisystem, nicht aber, wenn die Daten sich auf NTFS befinden.
Oder soll ich einfach Samba-Server einrichten? Wàre das besser?

Christine
 

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#1 Marcel Müller
15/06/2009 - 23:40 | Warnen spam
Hallo,

Christine Kremsmayr wrote:
Daher würde ich gerne hin zu rsync oder rsnapshot. Bloß: Geht das bei
dem Dateisystem-Dschungel? Nach überblicksmàßiger Durchsicht der
Rsnapshot-Doku habe ich den Eindruck, das Ding làuft nur von Linux- zu
Linux-Dateisystem, nicht aber, wenn die Daten sich auf NTFS befinden.



bei Remotezugriff auf Dateien über das Netz ist das Dateisystem aus
Sicht des lokalen Rechners der File-Sharing-Protokoll-Treiber (z.B. SMB
aka CIFS). Insofern ist das Dateisystem erstmal egal. Allerdings stellt
sich der kleinste gemeinsame Nenner von Client, File-Sharing-Protokoll,
Server und Server-Dateisystem sowie der Konfiguration der genannten
Komponenten ein.

Oder soll ich einfach Samba-Server einrichten? Wàre das besser?



Das wàre ein potentieller Teil der Lösung.


Allerdings muss man sich beim Dateiweisen Sichern über Systemgrenzen
hinweg darüber im Klaren sein, dass eben nur der kleinste gemeinsame
Nenner der Beteiligten Systeme überleben wird. Das Dateisystem ist dabei
nur ein kleiner Teil des Puzzles.

Nur mal ein paar Stichworte.

Windows:

- ACLs (Berechtigungen)
Linux kennt zwar àhnliches, aber doch nicht 100% àquivalent. Zudem würde
ich nicht darauf Wetten, dass Samba das in allen Auspràgungen sauber
konvertieren kann, vor allem dann nicht, wenn keine Gemeinsame
Benutzerdatenbank genutzt wird (z.B. über LDAP). Eine transparente
Ablage in geschützten Erweiterten Attributen ist möglich, wird aber dann
nur von Windows-Clients erfasst.

- Klassische Datei-Attribute
Kann von Samba über erweiterte Attribute Emuliert werden, so er denn
vernünftig konfiguriert ist.

- Erweiterte Attribute
Geht auch unter Linux, muss aber oft erstmal aktiviert werden. Mit
ext2/ext3 besteht zudem eine Größenbeschànkung auf 4kB, die zu
Datenverlusten führen kann.

- Sparse Files
Geht auch unter Linux, aber nicht mit allen Dateisystemen. Es ist
vernünftig anzunehmen, das Samba das nicht (fehlerfrei) kann. Im Zweifel
kann dadurch der Speicherbedarf einer an sich kleinen Datei explodieren.

- Alternate File Streams
Mit Linux No-Go.

- Transparente Dateikompression
Stirbt auf dem Weg über die Systemgrenzen.

Linux:

- Hard-Links
Geht auch mit Windows (NTFS vorausgesetzt), allerdings kommen etliche
Windows-Programme damit nicht klar. (MS-Office macht sie beim Speichern
platt, der Explorer zeigt die Verzeichnisgrößen falsch an und kopiert
sie nicht usw.)

- Symbolic Links
Mit Windows No-Go, respektive Endlosschleife (bei remote).

- Special Files (Sockets, Devices und was weiß ich)
Mit Windows No-Go.

- Unix Berechtigungen
Kann bei Windows allenfalls über Erweiterte Attribute emuliert werden.
Diese liegen dann aber im Userspace und können beim Restore mit
übernommen und letztlich Inkonsistent werden.

Sonstiges:

- Encoding-Spielchen bei textbasierten Dateiformaten
Die Daten bleiben zwar üblicherweise inhaltlich erhalten, aber auf dem
jeweils anderen System sind sie möglicherweise nicht vernünftig
interpretierbar.

- Zeitzonenspielchen bei den Datei-Zeitstempeln können die inkrementelle
Synchronisation durcheinander würfeln.


Für ein Paar Userdaten mag man gut ohne das ein oder andere Feature
auskommen. Eine halbwegs bootfàhige Sicherung des Systems wird man mit
Dateiweisem Kopieren aber über OS-Grenzen hinweg nicht hinbekommen.
Zudem ist unter Windows der Dateizugriff auf essentielle Systemdateien,
wie z.B. der HKLM- und SAM-Zweig der Registry aus einem laufenden System
heraus grundsàtzlich nicht möglich.

Und weil das alles so ist, hat man Backup-Programme erfunden. Diese
Serialisieren die Daten bereits auf dem Client in ein mehr oder minder
proprietàres Binàrformat, das letztlich keine Extra-Features beim
Speichern braucht.
Im Lizenzfreien Bereich kann man unter Unix mit dem Klassiker TAR oder
dem stark verbesserten, halbwegs kompatiblen STAR (Schily-TAR), sowie
anderen freien Programmen arbeiten. Unter Windows ist mir außer dem an
Bord befindlichen NTBACKUP.EXE noch nichts brauchbares zwischen die
Finger gekommen. Letzteres ist Bedienungstechnisch allerdings eine
Katastrophe, in Sachen Vollstàndigkeit der gesicherten Informationen
hingegen sogar den meisten (günstigeren) Kauflösungen überlegen.


Marcel

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