[gentoo-user-de] IPv6 Frage

05/04/2009 - 13:20 von Sandy Marko Knauer | Report spam
Hallo Liste,

ich bin etwas Irritiert und ich hoffe das ihr mir helfen könnt.

Ich habe das Buch Linux im Netzwerk von Computer&Literatur aus dem Jahr 1997.
Ist also schon etwas àlter. In diesem Buch wird das ISO/OSI-Modell so wie
TCP/IP usw. behandelt. Das die Adressen immer weniger werden war mir bekannt,
jedoch habe ich dieses Buch nie gelesen (weil ich damals zu dumm war um es zu
verstehen) jetzt wo ich es (annàhernd) verstehe kommt mir folgende Frage.

Wenn 1997 oder Früher schon von IPv6 (IPng) nachgedacht wurde, warum fungieren
noch heute überwiegend IPv4? Sind die Adressen doch nicht so knapp geworden
wie befürchtet? Oder Laufen die Provider auf IPv6 und machen IPv6 over IPv4?

Ich verstehe halt nicht warum das ganze solange dauert. Wir haben immerhin
2009.

Und ab wann macht IPv6 überhaupt Sinn?

MfG
Sandy Marko Knauer
 

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#1 Bernd Wurst
05/04/2009 - 13:40 | Warnen spam

Hallo.

Am Sonntag 05 April 2009 13:18:15 schrieb Sandy Marko Knauer:
Wenn 1997 oder Früher schon von IPv6 (IPng) nachgedacht wurde, warum
fungieren noch heute überwiegend IPv4? Sind die Adressen doch nicht so
knapp geworden wie befürchtet? Oder Laufen die Provider auf IPv6 und machen
IPv6 over IPv4?



Das Problem ist, dass es im Internet extremst viele verschiedene Systeme gibt.
Und die wirklichen Kern-Komponenten laufen auf Spezialhardware (Cisco-Router,
...) und nicht auf PCs. Der Austausch bzw. das Upgrade eines Betriebssystems
ist also nicht trivial und die Neuanschaffung kostet Geld.

Seit einigen Jahren können praktisch alle (neuen) Geràte IPv6.

Die IP-Adressen aus IPv4 und IPv6 sind nicht ausreichend kompatibel, d.h.
jemand der nur IPv4 spricht, kann nur mit einem IPv4-Server reden, jemand der
nur IPv6 spricht, kann nur mit Servern reden, die auch IPv6 sprechen.
Um mit allem reden zu können braucht man einen Dual-Stack. Das stellt keinen
normalen Rechner vor ernsthafte Probleme, aber grade die performance-
kritischen spezialgeràte lassen sich teilweise nicht mit beidem Betreiben.

Die Adressràume wurden großzügig vergeben und daher haben alle (westlichen)
Netze so viele Adressen wie sie brauchen und in naher Zukunft brauchen werden.
Die Zahl der wirklichen Neuzuteilungen (also nicht recycling von "gebrauchten"
Adressen) ist also nicht so hoch wie damals vorhergesagt.

Schon damals als man IPv6 entworfen hat war klar, dass die Umstellung nicht
einfach wird. Die irgendwann aufkommende Adressknappheit war schon immer das
einleuchtendste Argument für IPv6 und der vorhergesehene Adressverbrauch ist
daher in den Statistiken etwas höher angesetzt worden um die notwendigkeit
frühzeitig zu demonstrieren.
Leider hat's keinen interessiert und wir stehen 2009 immer noch so da wie vor
10 Jahren, nàmlich das Internet làuft auf IPv4.

Jeder kann privat oder als Unternehmen mittels Tunnels ein eigenes IPv6-Netz
ans Internet anbinden. Über einen Tunnel ist die Verbindung aber
logischerweise langsamer und instabiler als die direkte IPv4-Anbindung. Daher
wird das selten produktiv eingesetzt.

Native IPv6-Anbindungen sind zwar von oberster Stelle problemlos zu bekommen,
RIPE verteilt Adressen und DeCIX bietet auch IPv6-Uplink an.
Nur kostet das alles was (mindestens den Aufwand den man selbst damit hat) und
so lange man nicht auf zusàtzliches IPv4 verzichten kann und nur den Aufwand
für eine Technik betreiben will, bleibt IPv6 oft auf der Strecke.

Als Endkunde sucht man üblicherweise vergeblich nach brauchbarem Server-
Stellplatz mit nativer IPv6-Anbindung, genauso wie man als Endkunde zu Hause
quasi keine Chance hat eine native IPv6-Anbindung zu bekommen.


Ich verstehe halt nicht warum das ganze solange dauert. Wir haben immerhin
2009.
Und ab wann macht IPv6 überhaupt Sinn



IPv6 macht dann Sinn wenn es Angbeote gibt, die die Vorteile nutzen. Bisher
traut sich keiner für irgendwas ein IPv6-only-Angebot zu machen.

Ich wette, sobald es eine Free-Pron-Seite gibt, die IPv6-only erreichbar ist,
àndert sich das. :)

Gruß, Bernd

Früher, wenn man da Luft im Schàdel hatte, da kam man in eine Anstalt.
Heute kommt man ins Fernsehen und darf der ganzen Welt mitteilen,
warum das unglaublich geil ist, Luft im Schàdel zu haben. Und am
nàchsten Tag wollen sich alle den Kopf aufpumpen und überall sind die
Luftpumpen ausverkauft. - Dieter Nuhr (dt. Comedian)




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