Geschlechterverhaeltnis Geburten F, CH

22/11/2009 - 02:54 von Ralf . K u s m i e r z | Report spam
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Moin!

Von den Internetauftritten der nationalen Statistikàmter in Frankreich
und der Schweiz kann man lange Zeitreihen der Geburtenzahlen
herunterladen.

Frankreich:
<http://www.insee.fr/fr/themes/detai...d20071>

Schweiz:
<http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/...1.html>

Ich habe das daraus sich ergebende Verhàltnis der Geschlechter der
Lebendgeborenen mal geplottet:
<http://img30.imageshack.us/img30/28...ch.png> - die
Fehlerbalken ergeben sich aus der Varianz der Binomialverteilung zu
+/-1/SQRT(N) mit der Gesamtzahl N der Geburten pro Jahr - die
Fehlerbalken für die Schweizer Sex Odds sind einfach deswegen größer,
weil die Zahl der Geburten in der Schweiz logischerweise kleiner als
in Frankreich ist. (Die Trendlinie ergibt sich durch Glàttung mit
einem Hamming-Fenster der Fensterlànge 7 Jahre.)

Und nun die Frage:
Kann mir mal jemand den prinzipiellen Verlauf und die Oszillationen
dieser Kurven erklàren? An reines Rauschen glaube ich nicht:
Offensichtlich sind die Verlàufe trendbehaftet, der
deutsch-französische Krieg von 1870/71 sowie die Weltkriege
hinterlassen offenbar Spuren, und angesichts der Größe der zufàlligen
Varianz müssen die wesentlich größeren Oszillationen um den Trend auch
deterministische Ursachen haben, aber welche, und wei funktioniert
das? (Die Verlàufe für das Deutsche Reich bzw. Nachkriegsdeutschland
sehen noch wesentlich "wilder" aus, aber die Zahlen sind schwierig zu
beschaffen und wegen der dauernden Gebietsànderungen - Versailler
Vertrag, Ostgebiete, Wiedervereinigung - auch etwas inkonsistent.)

Aber wie "funktioniert" das biologisch?

Als denkbare Ursachen bzw. Einflußfaktoren fielen mir ein:
- Epidemien (Infektionen)
- Klimaeinflüsse (z. B. auf die Ernten)
- sozialer Streß, wirtschaftliche Verànderungen
- Umweltgifte
- Vulkanismus
- kosmische Strahlung
- ionisierende Strahlung
- Infantizid

Offenbar existieren psychische bzw. kulturelle Faktoren:
<http://www.jewishencyclopedia.com/v....jsp?artid90&letter=B>.

(Die ionisierende Strahlung könnte übrigens mit dem Kohlenverbrauch
korreliert sein, Steinkohle setzt bei der Verbrennung relativ viel
Uran und dessen Folgeprodukte frei. Als weiteres Argument für eine
mögliche radioaktive Belastung habe ich die im Krieg verschossene
Leuchtmunition gehört, wobei ich jetzt nicht weiß, welche speziellen
radioaktiven Nuklide darin enthalten gewesen sein sollten.)

Ich würde dazu gerne mehr wissen: Hàngt das Geschlechterverhàltnis bei
der Geburt evtl. von der Jahreszeit oder der Hàufigkeit des
Geschlechtsverkehrs ab (Mànner beim Militàr, sehen die Frauen
seltener)? Ist es vom Alter der Eltern abhàngig? Hàngt die
Schwangerschaftsdauer vom Geschlecht des Kindes ab? (Letzteres
deswegen, weil es die "Oszillationen" evtl. erklàren könnte: Je nach
irgendwas fàllt dann ein höherer Anteil der Geburten eines Geschlechts
vor oder nach den Jahreswechsel - da die Verhàltniszahlen relativ
empfindlich sind, könnte das etwas ausmachen - sollte sich übrigens
prinzipiell feststellen lassen, weil es in den Statistischen
Jahrbüchern auch monatliche Geburtenzahlen nach Kantonen gibt, aber
die Auswertung ist etwas àtzend.)

Eine andere Erklàrung für Oszillationen wàre eine jàhrliche Schwankung
der Geburtenzahlen: Bei bestehendem Kinderwunsch legt es die Frau um
so intensiver auf eine Schwangerschaft an, wenn es zuvor nicht
geklappt hat. Wenn nun aufgrund àußerer Einflüsse (Klima) sich die
Geburtenzahlen kollektiv gleichgerichtet veràndern oder die Geburten
sich früher oder spàter im Jahr hàufen, dann kann es im Folgejahr zu
einer entgegengesetzten Anpassungsreaktion kommen.

Kennt jemand Literatur zum Geschlechterverhàltnis und dessen
Verànderung, weiß jemand gute Quellen für möglichst lange, möglichst
zuverlàssige Zeitreihen (und zwar möglichst schon elektronisch
aufbereitet: Ich habe wenig Lust, ellenlange Tabellen aus hundert
Jahrgàngen Statistischer Jahrbücher abzutippen)?


Gruß aus Bremen
Ralf
R60: Substantive werden groß geschrieben. Grammatische Schreibweisen:
adressiert Appell asynchron Atmosphàre Autor bißchen Ellipse Emission
gesamt hàltst Immission interessiert korreliert korrigiert Laie
nàmlich offiziell parallel reell Satellit Standard Stegreif voraus
 

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#1 Roland Damm
23/11/2009 - 00:03 | Warnen spam
Moin,

Ralf . K u s m i e r z wrote:

Ich habe das daraus sich ergebende Verhàltnis der Geschlechter der
Lebendgeborenen mal geplottet:
<http://img30.imageshack.us/img30/28...ch.png>



Was ist oben, Jungen oder Màdchen?

Aber wie "funktioniert" das biologisch?

Als denkbare Ursachen bzw. Einflußfaktoren fielen mir ein:
- Infantizid



Ich würde sagen, dass das der Grund ist. Gerade in den letzten Kriegsjahren
(Frankreich war von den Weltkriegen mehr betroffen als die Schweiz), wenn
man sowieso nicht so einfach alle Kinder großziehen kann, überlegt man sich
vielleicht schon, ob man eher einen Jungen oder ein Màdchen kaltstellt.

Wie rechnen sich diese Odds aus, also wie viele Kinder müssen nicht geboren
werden oder umgebracht werden, damit diese Verschiebung im Vergleich zum
langjàhrigen Mittel entsteht?

Nach der Achsenbeschriftung ist die Abweichung vom Mittelwert ja in der
Größenordnung von 0,01. Heißt dass, dass ein Prozent der Jungen umbringen
eine solche Verschiebung erzeugen würde?

CU Rollo

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