Glockensteuerung und Überspannungsschutz

01/08/2009 - 15:16 von Carsten Kreft | Report spam
Hallo,
ich war gestern beruflich in einem Kirchturm unterwegs.
Nach Arbeiten des Netzbetreibers an einem Straßenverteiler mit mehrstündigem
Spannungsausfall gingen die Glocken nicht mehr. Zunàchst zwei defekte 10A
Sicherungen an der Glockensteuerung gefunden und ersetzt, dann 1,5h die
Vorsicherungen gesucht und letztlich im Dachstuhl des Kirchenschiffs
gefunden, dort dann eine 16A Sicherung ersetzt.
OK, Motoren knurren nicht mehr, sonder laufen. Aber bimmeln wollten sie
nicht.
Also noch eine wackelige Leiter höher gekrabbelt und die Glocken selber
angeschaut.
Der Motor làuft, aber schaltet nicht in die andere Drehrichtung (wer es
nicht kennt: Das sind Drehstrommotoren mit einer diffizilen Mechanik, die
für rhythmisches Umschalten und Anschubsen der Glocke sorgt).
Na, da werden die Stadtwerke doch nicht etwa zwei Dràhte beim
Wiederanklemmen vertauscht haben? Flugs L2/L3 vertauscht, siehe da, die
Glocken bimmeln. Nur gehen sie nicht mehr aus. Sehr àrgerlich, wenn man
direkt neben den Dingern steht und der Helfer den direkt vor seinen Augen
befindlichen Hauptschalter nicht sieht (sehen will?).
Der Spuk mit dem Dauerlauf konnte beendet werden, als ich die Steuerspannung
von Sicherung 2 auf 3 umklemmte.

Also: Ursprünglich war L1-L2-L3 auf Sicherung 1-2-3 (rechtsdrehend),
Steuerspannung von Sicherung 2.
Nun hatte ich nur den Motorabgang vertauscht, die Steuerspannung verblieb
auf Sicherung 2.
Nachdem ich nun die Steuerspannung auf Sicherung 3 legte, blieb das Schütz
nicht mehr in Selbsthaltung.
Leider schweigt sich der Schaltplan zum Thema Selbsthaltung / Hilfskontakt
13-14 aus.
Ich habe nur sehen können, dass die Schütze über den N geschaltet werden
(unschön, ist aber mal-eben-so-schnell nicht ànderbar).
Parallel zum Glockenschalter liegt der Hilfskontakt (Schließer) des
jeweiligen Schützes.
Daran angeschlossen ist:
an 13: A2 des Schützes (über Motorschutzrelais) und Schalter (geschalteter
N)
an 14: eine blaue Ader zum Motor (sw-bn-sw sind U-V-W)

Weiß jemand, warum vom Glockenmotor über diese 4. Ader eine Spannung zurück
kommt?
Offensichtlich wird da über einen Widerstand ein Außenleiter
durchgeschaltet.
Wenn dieser Außenleiter die selbe Phasenlage hat, wie die Steuerspannung,
dann fàllt das Schütz beim Ausschalten des Schalters ganz normal ab, wenn
nicht, dann habe ich 400V über einen Widerstand am Schütz anliegen.
Den Widerstand habe ich nicht gesehen, es muss ihn aber geben, da ansonsten
diese Spannung ja bei geschlossenem Schalter (wir erinnern uns: Der N wird
geschaltet) einen Kurzschluss machen würde.

Vielleicht kennt ja jemand die Schaltung dieser Motoren. (Vermutlich
Herforder, ist aber nicht ganz klar).


So, und zum Überspannungsschutz:
Im Glockenturm befinden sich Uralt-Ableiter.
Diese sind parallel zum Eingang der Glockensteuerung angeschlossen.
Als Erde wurde der Einfachheit ein im Turminneren(!) verlegter
Blitzableiter(!!!) benutzt.
Irre ich mich, oder ist das glatter Wahnsinn?
Ich meine, wenn es in die Turmspitze einschlàgt, dann haut mir der
Blitzstrom doch über die Ableiter voll in die Steuerung / ins Stromnetz der
Kirche?
OK, der Blitzableiter geht ja 10m weiter unten ins Erdreich, aber da oben
weiß der Stoßstrom doch nicht, dass unten das Erdreich lockt und wird einen
gehörigen Anteil in die sich demütig anbietenden Ableiter schicken.
Wàre es nicht sinnvoller, diese Verbindung zum Blitzableiter zu trennen und
die vier Ableiter nur gegen PE wirken zu lassen?
 

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#1 helmut
01/08/2009 - 16:21 | Warnen spam
Hallo, Carsten,

Du meintest am 01.08.09:

Als Erde wurde der Einfachheit ein im Turminneren(!) verlegter
Blitzableiter(!!!) benutzt.
Irre ich mich, oder ist das glatter Wahnsinn?
Ich meine, wenn es in die Turmspitze einschlàgt, dann haut mir der
Blitzstrom doch über die Ableiter voll in die Steuerung / ins
Stromnetz der Kirche?
OK, der Blitzableiter geht ja 10m weiter unten ins Erdreich, aber da
oben weiß der Stoßstrom doch nicht, dass unten das Erdreich lockt und
wird einen gehörigen Anteil in die sich demütig anbietenden Ableiter
schicken.



Der geht in jede Ritze. Nicht einzig senkrecht in die Erde.

Wàre es nicht sinnvoller, diese Verbindung zum
Blitzableiter zu trennen und die vier Ableiter nur gegen PE wirken zu
lassen?



Auch dann musst Du noch mit Schàden rechnen, aber Du kannst hoffen, dass
sie seltener oder nicht so heftig sind.

Andererseits: die Anlage hat gewiss schon einige Gewitter mitsamt
Einschlàgen erlebt und offenbar überstanden.

Viele Gruesse!
Helmut

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