Gottesbeweis

19/08/2010 - 09:10 von Joerg Middendorf | Report spam
Angenommen, ein glàubiger Wissenschaftler, vielleicht ein
Naturwissenschaftler, möglicherweise ein Physiker oder Biologe, mit einem
"Ich glaube an Gott", hàtte die Idee zu einem Experiment, mit dem die
Existenz Gottes bewiesen werden könnte. Angenommen, das Experiment verliefe
erfolgreich. Was würde der Wissenschaftler nach Abschluss des Experimentes
sagen? "Ich weiß Gott"? Könnte er überhaupt noch sagen, dass er an Gott
glaubt? Der Begriff des Glaubens wàre wohl noch insofern berechtigt, dass
Gott eben nur dann wirklich, eventuell sogar sinnlich oder eben nur über
Messapparate, erfahren werden kann unter den Bedingungen des Experiments.
Wàre der Beweis der Existenz Gottes nicht gerade das Ende vieler Religionen?
Die sich ja gerade fundamental definieren und konstituieren durch dieses
"Ich glaube". Eigentlich müssten die Religionen bzw. deren màchtige Vetreter
doch ein Interesse daran haben, dass die Existenz Gottes niemals bewiesen
wird. Nur so làsst sich das "Ich glaube" wirklich aufrecht erhalten.
Dies führt zu folgendem Schluss: Da potenziell und somit zumindest
hypothetisch die Gefahr besteht, dass die Existenz Gottes bewiesen werden
könnte, wàre es am besten und einfachsten, wenn er überhaupt nicht
existieren würde. Die màchtigsten Vertreter der Religionen (die größten
Manipulatoren der Masse?) haben ein Interesse daran, im Sinne eigener
Machtinteressen, dass Gott nicht existiert und ein Konstrukt bleibt. Nur so
kann seine Existenz wirklich nicht bewiesen werden. Hier würde das
eigentlich Verlogene an der Religion verborgen liegen. Und hier liegt
natürlich auch die Gefahr neuer Religionen. Da kommt jemand daher und
behauptet, Kenntnis von einem bestimmten Gott zu haben. Wenn man sein
Anhànger wird, wird man das Heil erwarten. Hier ist das Feld der
Manipulatoren der Masse. Sie brauchen noch nicht einmal einen Gott dazu, sie
machen sich selbst zu einem Quasigott. Was haben die totalitàren Verführer
der Weltgeschichte denn anderes getan?
Weitere scheinbar absurde, sich widersprechende Schlüsse ergeben sich: Wenn
man das Böse nicht will, darf man nicht an Gott glauben (aus Sicht des
potenziell Manipulierbaren). Jedoch auch: Wenn man das Böse will, darf man
nicht an Gott glauben (aus Sicht des Manipulators). Und: Atheisten sind die
besten Menschen. Dies gilt aber wiederum offenbar nicht: Die Manipulatoren
sind ja selbst Atheisten. Der potenziell Manipulierbare sollte nicht an Gott
glauben.
Wie kommt es, dass so aufgeklàrte Menschen wie Kant an Gott glaubten? Er tat
es jedenfalls im weitesten Sinne, da er zumindest seine Existenz theoretisch
für nötig hielt ("Postulate der praktischen Vernunft").
Es müsste wengistens eine rudimentàre Vorstellung davon existieren, was man
in einem Experiment, das die Existenz Gottes beweisen soll, überhaupt
beweisen will: Gott als Schöpfer? Gott als universelle Intelligenz? Gott als
bestimmte Information? Gott als Ganzheit?
Dementsprechend müsste ja das Experiment aufgebaut sein. Wenn Gott als
Schöpfer des Universums bewiesen werden soll, so muss es um eine Information
gehen, die dies dem Experimentator zeigt. Z.B. könnte es sich um
Elementarteilchen handeln, in denen Gott eine Information hinterlassen hat,
welcher Art auch immer. Es müsste sich um eine Information handeln, die über
bloße physikalische Information hinausgeht. Dass ein Wasserstoffatom
bestimmte Zustànde hat, muss man als physikalisches Wissen annehmen, ohne
dass man aus dieser Kenntnis auf einen Schöpfer schliessen müsste, was gemàß
Occams Razor ja auch überflüssig wàre.
Denkbar wàre auch eine codierte Information in einer bestimmten DNA, z.B. in
Milliarden Jahre alten Einzellern - dem ersten Leben. Aber selbst dann
könnte es sich ja noch um eine außerirdische Intelligenz handeln, die diese
DNA geschaffen hat. Dasselbe würde gelten, wenn man in der menschlichen DNA
eine solche Information finden würde, dies würde etwas über unsere Schöpfer
aussagen, jedoch nicht zwangslàufig etwas über den Schöpfer des Universums.
Wenn Gott als universelle Intelligenz nachgewiesen werden soll, müsste diese
auch aktuell als solche existieren. Diese Intelligenz müsste unter den
Bedingungen des Experiments zum Vorschein kommen. Vielleicht dadurch, dass
sie die Bedingungen des Experiments selbst àndert.
Vielleicht könnte aber auch eine komplexe materielle Struktur geschaffen
werden, die so komplex ist, dass etwas Neues auf ihr superveniert, analog
dem menschlichen Bewusstsein, das auf dem menschlichem Gehirn superveniert,
wenn man der Emergenztheorie glauben will.
Wenn Gott und sein Tun nicht zwangslàufig den Gesetzen der uns bekannten
Physik unterliegen, wàre es denkbar, dass er sich gerade durch die
Verletzung dieser Gesetze zeigen könnte. Dann wàre er jedoch im gewissen
Sinne allmàchtig. Und damit wàre man mitten im Theodizeeproblem, das sich
damit beschàftigt, warum ein allmàchtiger Gott das Böse in der Welt zulàsst.
Vielleicht würde ein experimenteller Gottesbeweis das Universum aber auch
entzaubern. Aus àsthetischen Gesichtspunkten könnte dafür argumentiert
werden, dass sich Gott dem Menschen besser nicht zeigen sollte. Nicht, weil
er so hàsslich ist, sondern weil dem Menschen die Welt dann nicht mehr so
geheimnisvoll erscheint und er dann möglicherweise nicht mehr so schön über
sie dichten kann.
Atheisten sind in der Regel so von ihrem Atheismus überzeugt, dass es schon
wieder langweilig wirkt, zuweilen selbst an Religion erinnert.
Philosophieren làsst sich wohl nicht immer gut mit ihnen. So eine
übertrieben mathematische Abgeklàrtheit steckt oft dahinter.
Vielleicht làsst sich theoretisch zeigen, dass es ein Experiment, das die
Existenz Gottes beweist, nicht geben kann. Zudem müsste es ja auch irgendwo
stattfinden: Wenn Gott als Ganzheit des Universums nachgewiesen werden soll,
würde dieses Experiment ja in einem Teil Gottes stattfinden. Das
Nachzuweisende würde das Experiment von vornherein selbst enthalten. Gott
würde dieses Experiment dann vielleicht sogar wollen, und damit sich selbst
in sich als existent nachweisen. Was sollte das für einen Sinn haben? Der
Mensch würde dann dasjenige an Gott sein, das sich selbst als göttlich noch
nicht erkannt hat, sozusagen ein Makel Gottes. Der Erfolg dieses Experiments
wàre das Ende des Menschen, wenn er in seinem Wesen so definiert wàre.
Vielleicht làsst sich Gott als Ganzheit nur auf theoretischem Wege
nachweisen. Vielleicht werden die Gleichungen der theoretischen Physik der
Zukunft einmal derart selbstbezüglich, dass das Ergebnis folgt, dass das
Universum nur eine Struktur sein kann, bei der alle Bestandteile mit allen
anderen Bestandteilen permanent Informationen austauschen. Und die
Gleichungen wàren nur eine Abbildung dieses holistischen
Informationsaustauschs. Oder sie wàren letztlich das Endergebnis, in dem
sich Gott selbst als solcher schaut.
Gott könnte ein ganz raffiniertes Wesen sein und die Naturwissenschaftler
und Popperianer àrgern wollen. Und zwar könnte er die Welt so eingerichtet
haben, dass er sich nur einem einzelnen Individuum offenbart, z.B. in Gebet,
Meditation oder existenziellem Erlebnis. Mit Hilfe intersubjektiver
empirischer Überprüfung und Falisifikation wàre dann nicht viel
auszurichten. Trotzdem würde Gott existieren, auch wenn er nicht beweisbar
wàre. Das Schöne daran wàre, dass dabei jeder einen ganz eigenen und
individuellen Draht zu Gott hàtte.
Insofern Gott auch im weitesten Sinne Realitàt wàre, wàre die Aussage Kants
zu revidieren, dass der Mensch per se nicht dazu in der Lage ist, die
Realitàt als solche zu erkennen: und zwar gemàß Kant selbst.
Es spricht wohl bis jetzt nichts dafür, dass sich Gott auf empirischem Wege
feststellen làsst. Hier können wir mit Occams Razor ganz gut leben.
Aber Kant hat auf dem Wege reinen Denkens seine Existenz postuliert. Und
zwar ergibt sie sich aus seiner Ethik und seiner Religionsphilosophie. In
seiner Religionsphilosophie stellt er drei Postulate auf: Die Freiheit des
Menschen, die Unsterblichkeit seiner Seele und die Existenz Gottes. Dies
sind die Postulate der praktischen Vernunft.
Nach Kant hat der Mensch von Natur aus den Hang zum Bösen. Dies bedeutet
aber nichts anderes, dass er trotz besseren Wissens (Sittengesetz) gegen
dieses verstößt. In einem endlichen Menschenleben làsst sich ein gutes Leben
in Freiheit und Verantwortung nicht vollstàndig verwirklichen, dieses kann
sich nur im Unendlichen vollziehen. Damit dies möglich ist, bedarf es einer
unsterblichen Seele und eines Gottes als letztgültiger moralischer Instanz;
deshalb stellte er die drei Postulate auf.
Die Existenz Gottes kommt bei Kant also nicht über seine Erkenntnistheorie
und Transzendentalphilosophie, sondern über seine Ethik und
Religionsphilosophie ins Spiel.
Selbst wenn Gott auf empirischem Wege (Gott als Schöpfer, Gott als
universelle Intelligenz, Gott als Ganzheit) nicht feststellbar sein sollte,
so zwingt das reine Denken dazu, ihn zu postulieren (Gott als letztgültige
moralische Instanz).
Wenn Gott aber nun im weitesten Sinne auch Realitàt ist, so làsst sich über
das reine Denken etwas über die Realitàt herausfinden. Dies ist ja auch mit
der Tatsache vereinbar, dass die Menschen im Sinne des kategorischen
Imperativs und gemàß ihres Gewissens vor Gott (im kantischen Sinne!) handeln
können und auch tatsàchlich handeln, und so die physikalische Welt veràndern
können und auch tatsàchlich veràndern.
"Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung
und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit
beschàftigt: der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in
mir." - Immanuel Kant.
 

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#1 Gregor Scholten
19/08/2010 - 11:09 | Warnen spam
On 19 Aug., 09:10, "Joerg Middendorf" wrote:
Angenommen, ein glàubiger Wissenschaftler, vielleicht ein
Naturwissenschaftler, möglicherweise ein Physiker oder Biologe, mit einem
"Ich glaube an Gott", hàtte die Idee zu einem Experiment, mit dem die
Existenz Gottes bewiesen werden könnte.



wàre dieser Wissenschaftler imstande, seine Texte übersichtlich zu
gliedern, so dass man sie auch lesen kann? Hast du schon mal was von
Absàtzen gehört? Nein, nicht die an Damenschuhen...

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