Gottesbeweise

28/10/2015 - 13:25 von WM | Report spam
Genau wie im richtigen Leben gibt es auch in der Mathematik zwei
Welten, nàmlich eine, die man erkunden und benutzen kann, und eine, an
die man allenfalls glauben kann.

Alle Ziffern, die jemals gedacht, genannt oder geschrieben werden, und
erst recht alle reellen Zahlen einschließlich aller Infima, Suprema,
Grenzwerte und Diagonalzahlen, die als Individuen benutzt werden, um
Überabzàhlbarkeit zu "beweisen", gehören zu einer abzàhlbaren Menge -
selbst in einem unendlichen und ewigen Universum. Der Beweis ist
leicht geometrisch zu führen. (Geometrie und geometrische Überlegungen
gehören schließlich zur Mathematik.) Man bilde jedes rationale
Quadrupel von Raum-Zeit-Koordinaten auf die Definition oder Erwàhnung
des mathematischen Objektes ab, das in geometrischem Kontakt mit den
Raum-Zeit-Koordinaten steht. Im Prinzip genügt die Abbildung eines
Quadrupels, doch es dürfen auch alle der stets unendlich vielen sein.
Die Abzàhlbarkeit aller rationalen Raum-Zeit-Koordinaten impliziert
die Abzàhlbarkeit der Bildpunkte.

Undefinierbare "reelle Zahlen" können nicht für den Beweis von
Überabzàhlbarkeiten herangezogen werden. Cantors
"Beweise" (ungeschickte Ansàtze zur Nummerierung von unendlichen
Mengen unter Verschwendung von Zahlen und - da die "Listen" vor dem
Zeitpunkt der Prüfung vorzulegen, die Diagonalzahlen aber erst nach
Fertigstellung der Listen definiert sind - die Einführung der Zeit in
die Mengenlehre) besitzen denselben Status wie die Gottesbeweise in
der physikalischen Realitàt. Schon Kant erkannte (nach vergeblichen
eigenen Bemühungen), dass die Existenz Gottes nicht beweisbar ist. Er
meinte dass der ontologische Gottesbeweis ebensowenig nützt, wie wenn
ein Kaufmann seine Bilanz durch Anhàngen einiger Nullen aufbessern
wollte. Trotzdem besteht das Dogma, wonach die Existenz Gottes mit
wissenschaftlichen Methoden beweisbar sei. Gödel hat tatsàchlich einen
vermeintlichen Gottesbeweis geführt (Gödel: Wenn es möglich ist, dass Gott existiert, dann ist es möglich, dass Gott notwendig existiert. Wenn Gott aber in irgendeiner Welt notwendig existiert, existiert er in allen möglichen Welten, auch in unserer.
http://www.kath.de/lexikon/philosop...goedel.php
)
und Cantor meinte, dass mit Hilfe der transfiniten Mengenlehre ein Beweis für ein endliches Schöpfungsdatum erbracht werden könne. Er hat das niemals nàher erlàutert, aber zumindest ein Gottesbeweis kann aus der Mengenlehre geführt werden, und der geht so:
1. Es gibt überabzàhlbar viele reelle Zahlen.
2. Biologisch erzeugte Kreaturen können nur abzàhlbar viele Zahlen identifizieren.
3. Nur was identifizierbar ist, kann wohl geordnet werden.
4. Biologisch erzeugte Kreaturen können also nicht alle reellen Zahlen wohlordnen.
5. Alle reellen Zahlen können wohlgeordnet werden.
QED

Gruß, WM
 

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#1 Hans Wussel
28/10/2015 - 18:44 | Warnen spam
On 28/10/15 13:25, WM wrote:
und Cantor meinte, dass mit Hilfe der transfiniten Mengenlehre ein Beweis für ein endliches Schöpfungsdatum erbracht werden könne. Er hat das niemals nàher erlàutert, aber zumindest ein Gottesbeweis kann aus der Mengenlehre geführt werden, und der geht so:
1. Es gibt überabzàhlbar viele reelle Zahlen.
2. Biologisch erzeugte Kreaturen können nur abzàhlbar viele Zahlen identifizieren.
3. Nur was identifizierbar ist, kann wohl geordnet werden.
4. Biologisch erzeugte Kreaturen können also nicht alle reellen Zahlen wohlordnen.
5. Alle reellen Zahlen können wohlgeordnet werden.



Zum Glück sind wissenschaftliche Erkenntnisse unabhàngig von dem Unsinn
den Leute in ihrer Freizeit erzàhlen.

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