GSMA: Telekommunikationsbetreiber fordern neue und fortschrittliche öffentliche IKT-Politik, um Wirtschaft, Beschäftigung und sozialen Wohlstand in Europa zu fördern

09/07/2014 - 18:25 von Business Wire
GSMA: Telekommunikationsbetreiber fordern neue und fortschrittliche öffentliche IKT-Politik, um Wirtschaft, Beschäftigung und sozialen Wohlstand in Europa zu fördern

Die GSMA und führende europäische Telekommunikationsbetreiber legten Matteo Renzi, dem italienischen Premierminister und EU-Ratspräsidenten, auf der Digital Venice 2014 in dieser Woche eine Erklärung vor. Diese wurde während eines Rundtischgesprächs auf hoher Ebene präsentiert, an dem auch Neelie Kroes, Vizepräsidentin der Europäischen Kommission, sowie führende CEOs der Branche teilnahmen.

Anlässlich der neuen italienischen EU-Ratspräsidentschaft, die ihren Fokus verstärkt auf die digitalen Chancen Europas richtet, wurde in der Erklärung eine neue öffentliche IKT-Politik gefordert, die Europa dabei unterstützt, andere Industrieregionen in Bezug auf die IKT-Herausforderung einzuholen oder möglicherweise zu überholen und somit das Wirtschaftswachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen anzukurbeln und den sozialen Wohlstand in der gesamten Region zu verbessern.

Nachfolgend ist der Wortlaut der gemeinsamen Erklärung aufgeführt, die von folgenden CEOs der europäischen Telekommunikationsbetreiber unterstützt wird:

  • Timotheus Höttges, Vorstandsvorsitzender, Deutsche Telekom AG
  • Stéphane Richard, Chairman und CEO, Orange
  • Marco Patuano, CEO, Telecom Italia
  • César Alierta, Executive Chairman und CEO, Telefónica
  • Jon Fredrik Baksaas, President und CEO, Telenor Group und Chairman, GSMA Board
  • Vittorio Colao, CEO, Vodafone Group

DIGITAL VENICE 2014 – SCHAFFUNG DER RICHTIGEN VERBINDUNGEN ZWISCHEN WIRTSCHAFT UND POLITIK FÜR EIN BESSERES EUROPA

Europa ist derzeit mit einer beispiellosen Wirtschaftskrise konfrontiert. Die Mitgliedstaaten der Union setzen sich dafür ein, die Beschäftigung mithilfe konjunkturpolitischer Maßnahmen umfassend zu fördern. Das aktuelle politische Ziel besteht derzeit zweifelsohne darin, zu einem robusten Wachstumskurs zu gelangen. Zu diesem Zweck müssen europäische Unternehmen auf den In- und Auslandsmärkten in einen starken Wettbewerb treten, wobei technologische Innovation eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg ist. Die IKT-Branche repräsentiert eine tragende Säule und großartige Chancen für erfolgreiches Wachstum. Die Mehrzahl der radikalsten technologischen Innovationen wird dabei in der Tat durch die IKT-Branche erbracht.

Durch die Bereitstellung schneller, zuverlässiger und intelligenter Konnektivität trägt die Kommunikationsbranche erheblich zum geschäftlichen Erfolg eines jeden kleinen oder großen Unternehmens in Europa bei. Sie kann daher die Grundlage für eine neue Welle wirtschaftlichen Wachstums, die Schaffung von Arbeitsplätzen und Verbesserung des sozialen Wohlstands in Europa bilden.

Europa, historisch gesehen ein Vorreiter der Kommunikationsbranche, ist gegenüber den USA und Asien bei der Einführung einer neuen Kommunikationsinfrastruktur nun im Rückstand. Diese Lücke ist kein Zeichen für fehlende Investitionsbereitschaft. Sie ist auf Unterschiede bei politischen Rahmenbedingungen und Branchenstrukturen zurückzuführen, die in anderen Regionen ein günstiges Klima für Investitionen schaffen werden und geschaffen haben, die erforderlich sind, um die nächste Welle wirtschaftlichen Wachstums auszulösen.

Europa braucht eine Neue Digitale Agenda, um die anderen Industrieregionen im Hinblick auf die IKT-Herausforderung einzuholen und möglicherweise auch zu überholen. Der Erfolg Europas in diesem technologischen Wettbewerb wird das Wirtschaftswachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen kräftig ankurbeln.

Aus diesem Grund ist eine neue öffentliche IKT-Politik dringend erforderlich, die folgende wesentliche Ziele verfolgt.

FÖRDERUNG DER IKT-INFRASTRUKTUREN, UM VERBRAUCHERWOHL UND WIRTSCHAFTSWACHSTUM ZU UNTERSTÜTZEN

1. Die EU sollte die Entwicklung moderner digitaler Infrastrukturen durch einen vereinfachten, digital ausgerichteten, investitionsfreundlichen Rechtsrahmen unterstützen, der für eine angemessene, langfristige Rendite für Investitionen in eine neue Infrastruktur sorgt. Eine Überprüfung des europäischen Rechtsrahmens ist das geeignete Instrument, um diesem wesentlichen Ziel Rechnung zu tragen.

2. Die Erreichung der Ziele der Digitalen Agenda 2020 erfordert sowohl private als auch öffentliche Investitionen. Während Betreiber ihre Investitionen in der EU erhöhen, werden unweigerlich Fälle von Marktversagen auftreten. Diesen sollte durch entsprechende öffentliche Mittel Rechnung getragen werden, um der Entstehung einer neuen digitalen Spaltung vorzubeugen. Private Investitionen sollten jedoch nicht aufgrund des Wettbewerbs durch öffentliche Projekte verdrängt werden.

3. Die EU sollte die fortlaufende Neuvergabe von Funkfrequenzen an die Kommunikationsbranche unterstützen und fördern, sodass Betreiber den Bedürfnissen von Verbrauchern und Wirtschaft nach höheren Verbindungsgeschwindigkeiten und stärkerer Kapazität weiterhin nachkommen können. Dieser Prozess muss auf europäischer Ebene koordiniert werden. Maßnahmen im Hinblick auf Funkfrequenzlizenzen, die jüngst durch Kommission und Parlament unterstützt wurden, sind die richtigen Antworten auf diese Fragestellungen. Darüber hinaus muss sichergestellt werden, dass die Vergabeverfahren nicht zu übermäßigen Aufwendungen für Funkfrequenzen führen, da sich dies unmittelbar auf die finanziellen Möglichkeiten für Infrastrukturinvestitionen auswirkt.

4. Die EU sollte eine neue Auslegung und Anwendung der Fusionskontrollverordnung und Richtlinien unterstützen, um dem sich rasch wandelnden Umfeld, das sich durch ein starkes Wachstum beim Datenkonsum und neue Quellen des internetbasierten Wettbewerbs auszeichnet, Rechnung zu tragen. Die Konsolidierung der europäischen Telekommunikationsmärkte kann in Kombination mit angemessenen Schutzmaßnahmen die Investitionstätigkeiten anregen, die Schaffung von Arbeitsplätzen fördern und zu innovativen Dienstleistungen führen, ohne dass der Wettbewerb beeinträchtigt wird.

5. Die EU muss gleiche Ausgangsvoraussetzungen im Hinblick auf Regelungen zwischen der Kommunikations- und der Internetbranche unterstützen. Die europäische Kommunikationsbranche benötigt mehr Spielraum, um gleichberechtigt mit der Internetbranche in Wettbewerb zu treten. Gleichzeitig sollten für Internetakteure dieselben Vorschriften gelten.

GEWÄHRLEISTUNG DIGITALER BÜRGERSCHAFT

1. Die Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung wird die Verbreitung von IKT in Europa erheblich beschleunigen. Telekommunikationsbetreiber sind bereit, an ehrgeizigen Projekten für die zeitnahe Digitalisierung von öffentlicher Verwaltung, Schulen und Gesundheitswesen teilzunehmen.

2. Schnelle Breitbandnetze und die vollständige Umstellung auf IP werden zu einer Reihe neuer und innovativer Dienstleistungen führen. Um die Verfügbarkeit von maßgeschneiderten Dienstleistungen zu unterstützen, die sich auf Grundlage von Qualität und Preis unterscheiden, ist ein ausgewogener Ansatz bei den Vorschriften des offenen Internets erforderlich, die auf allgemeinen Grundsätzen anstatt auf detaillierten, präskriptiven und restriktiven Regeln basieren.

3. Die europäischen Bürger müssen die Kontrolle über ihr „digitales Leben“ behalten. Die EU muss allen Engpässen Rechnung tragen, die aufgrund mangelnder Interoperabilität und/oder Portierbarkeit personenbezogener Daten, Inhalte und Anwendungen bestehen, wenn zwischen Plattformen oder Anbietern gewechselt wird. Es muss ein offener und transparenter Rahmen sowohl für Telekommunikationsanbieter als auch Internetfirmen geschaffen werden.

4. Es ist ein koordinierter Ansatz für Datenschutz und digitale Sicherheit erforderlich, um die Vertrauensbildung bei der Akzeptanz und Nutzung neuer digitaler Dienstleistungen durch die EU-Bürger zu fördern und ihnen einen wirksamen und homogenen Schutz entlang der digitalen Wertschöpfungskette zu bieten. Diese hohen Datenschutz- und Sicherheitsstandards müssen in Europa harmonisiert werden und auch für Unternehmen außerhalb der Region gelten. Die Kommunikationsbranche kann für den Zweck angemessene, neue digitale Identitätsdienstleistungen wie den GSMA Mobile Connect Service bereitstellen, der eine umfassende Interoperabilität zwischen Betreibern und Dienstleistern ermöglicht.

5. Die EU muss die systematische Verschlüsselung des Datenverkehrs durch Internetakteure thematisieren, da dies die ansonsten gleichen Ausgangsvoraussetzungen für den Wettbewerb verzerren könnte und die koordinierte Bekämpfung der Internet-Kriminalität gefährdet.

FÖRDERUNG DER SCHAFFUNG VON ARBEITSPLÄTZEN

1. Telekommunikationsbetreiber in Europa sind einer der wichtigsten Motoren der europäischen Wirtschaft; sie beschäftigen mehrere Millionen von Mitarbeitern. Die EU sollte die Schaffung politischer Rahmenbedingungen unterstützen, die IKT-Investitionen durch Telekommunikationsbetreiber fördern, die, alljährlich in einer Größenordnung im zweistelligen Euro-Milliardenbereich, eine Belebung der europäischen Wirtschaft in den nächsten fünf Jahren bewirken können und somit sowohl die direkte als auch die indirekte Beschäftigung fördern.

2. Die EU sollte eine Sozialpolitik unterstützen, die zu einem Wandel der auf dem Arbeitsmarkt erforderlichen Qualifikationen führt. Diese Umstellung des europäischen Arbeitsmarkts ist von großer Bedeutung, wenn die Region ihre Führungsposition in der digitalen Wirtschaft zurückerobern und die potenzielle Auswirkung auf Wachstum und Entwicklung maximieren soll.

3. Europäische Institutionen müssen dafür Sorge tragen, dass sich ein stärkeres Innovations-Ökosystem in Europa entwickeln kann. Die öffentliche Politik sollte alle Mechanismen fördern, die sinnvoll sind, um den wirtschaftlichen Nutzen aus IKT-Forschungsinvestitionen zu vergrößern: Verbesserung der Rahmenbedingungen für Unternehmen, Förderung unternehmerischen Denkens, Unterstützung der Bildung in jungen und kleinen Unternehmen, gegebenenfalls Verbesserung des Zugangs zu Kredit- und Beteiligungsfinanzierungen und Förderung von Innovations- und Internationalisierungsaktivitäten für neue und kleine Unternehmen.

4. Europa benötigt einen verstärkten Anreiz für die Startup-Ökosysteme europäischer digitaler Dienstleistungen. Dieses Programm sollte rationalisiert werden und sich auf eine geringe Anzahl von Exzellenzprogrammen konzentrieren, sich mehr auf die „Internetwirtschaft“ verlagern und eine europaweite Ausrichtung haben.

BEHERRSCHUNG DER WELTWEITEN HERAUSFORDERUNGEN DES INTERNETS

Europa muss eine Schlüsselrolle bei der Gestaltung der Zukunft der weltweiten Internetverwaltung spielen. Das Internet muss einer Reihe kohärenter Grundsätze unterliegen, die von allen Beteiligten mitgetragen werden. Das aktuelle Modell der multilateralen Mitbestimmung, das auf der ausgewogenen Beteiligung von verschiedenen Akteuren wie Regierungen, Privatwirtschaft und Zivilgesellschaft beruht, muss erheblich gestärkt werden. Die Globalisierung zentraler Entscheidungen (beispielsweise die Koordinierung von Domänennamen und IP-Adressen) leistet einen wichtigen Beitrag zur Sicherung von Stabilität, Sicherheit und Zuverlässigkeit des Internets. Dieser Prozess sollte durch die Festlegung eines klaren Zeitrahmens für die Globalisierung der Funktionen der Zentralstelle für die Vergabe von Internet-Namen und ‑Adressen (ICANN) und der Internet Assigned Numbers Authority (IANA) umgesetzt werden.

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Über die GSMA

Die GSMA vertritt die Interessen der weltweiten Mobilfunkindustrie. Die Organisation vereint fast 800 Netzbetreiber weltweit sowie mehr als 250 Unternehmen aus dem Umfeld der mobilen Kommunikation aus über 220 Ländern wie beispielsweise Mobiltelefon- und Gerätehersteller, Software-Unternehmen, Ausrüstungsanbieter, Internetfirmen sowie Unternehmen in Branchen wie Finanzdienstleistungen, Gesundheitswesen, Medien, Transport und Versorgungsunternehmen. Die GSMA organisiert zudem branchenweit führende Veranstaltungen wie den Mobile World Congress und die Mobile Asia Expo.

Weitere Informationen finden Sie auf der Internetseite der GSMA unter www.gsma.com. Folgen Sie der GSMA auf Twitter: @GSMA.

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Source(s) : GSMA