Harpstedter Sonnenstein

18/09/2007 - 04:27 von Ralf Kusmierz | Report spam
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Moin,

ich war letzten Sonntag in Harpstedt <http://www.harpstedt.de> und
fand dort vor dem "Amtshof" (historisches Gebàude der
Gemeindeverwaltung) Nordseite als Bestandteil eines Arrangements von
Feldsteinen, die mit den Namen der Gliedgemeinden beschriftet sind und
die beiden Schenkel eines rechtwinkligen gleichschenkligen Dreiecks
von ca. zehn Metern Seitenlànge bilden
(<http://maps.google.de/?llR.909203,8...;t=k&z&om=1>),
dieses Objekt
<http://img503.imageshack.us/img503/...v0.jpg>
an dessen Spitze angeordnet vor. (Der Durchmesser des àußeren Kreises
soll ca. 67 cm betragen.)

Natürlich hatte ich keine Ahnung, was das sein sollte - inzwischen
habe ich mich ein bißchen schlau gemacht: Diesem Stein aus rötlichem
Basalt wird nachgesagt, ein bronzezeitliches Kultobjekt eines
"Sonnenkultes" zu sein, daher nennt man ihn den "Harpstedter
Sonnenstein". Es gibt einige wenige àhnliche Objekte, darunter den
"Beckstedter Sonnenstein" ausder gleichen Gegend, der sich
möglicherweise hier im Focke-Museum (Bremer Landesmuseum) befindet.
Nach einigen Angaben im Internet scheinen allerdings am Alter dieses
Artefakts auch Zweifel zu bestehen (der hervorragende Erhaltungsgrad
würde mich auch eher auf "Mittelalter" tippen lassen, womit
"pràhistorischer Sonnenkult" natürlich obsolet wàre).

Verblüffend ist, daß die guten Harpstedter dieses Objekt "einfach so"
im Freien und allgemein zugànglich herumstehen lassen (es scheint sich
um das Original und nicht um eine Kopie zu handeln). Hier noch ein
Ausschnitt:
<http://img117.imageshack.us/img117/...0.jpg>.

Die Frage ist nun: Was könnte das wirklich sein (wenn man mal von der
Standardantwort "pràhistorisches religiöses Kultobjekt" der
Archàologen für alles Unbekannte absieht)? Als ich es sah und
feststellte, daß es kein Mühlstein ist (der Amtshof befindet sich
direkt gegenüber der historischen Wassermühle), dachte ich zunàchst an
eine stilisierte Zielscheibe, aber das ist auch offensichtlich falsch.
Vielleicht ein metrologischer Standard? (Früher wurden die Taufbecken
in den Kirchen gerne als Hohlmaßverkörperungen mit definiertem Volumen
ausgeführt und auch in den Kirchen irgendwo "Normellen" usw.
angebracht.) Aber für was - vielleicht für die Durchmesser runder
Behàlter (Töpferware etc.)? Andererseits sind die "Kreise" für einen
Standard wieder eine Spur zu unregelmàßig.

Hat jemand gute Ideen, vielleicht auch für sinnvolle
Untersuchungsverfahren, z. B. zur Feststellung von Werkzeugspuren,
soweit noch möglich? (Basalt ritzt sich nicht so ganz einfach.)


Gruß aus Bremen
Ralf
R60: Substantive werden groß geschrieben. Grammatische Schreibweisen:
adressiert Appell asynchron Atmosphàre Autor bißchen Ellipse Emission
gesamt hàltst Immission interessiert korreliert korrigiert Laie
nàmlich offiziell parallel reell Satellit Standard Stegreif voraus
 

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#1 Harald Maedl
18/09/2007 - 15:04 | Warnen spam
Ralf Kusmierz wrote:
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[Harpstedter Sonnenstein]
<http://img503.imageshack.us/img503/...v0.jpg>



Interssante hierzu, die du sicherlich schon besucht haben wirst:
<http://www.steinzeugen.de/sz_steine...pstedt>

[...]
Die Frage ist nun: Was könnte das wirklich sein (wenn man mal von der
Standardantwort "pràhistorisches religiöses Kultobjekt" der
Archàologen für alles Unbekannte absieht)? Als ich es sah und
feststellte, daß es kein Mühlstein ist (der Amtshof befindet sich
direkt gegenüber der historischen Wassermühle), dachte ich zunàchst an
eine stilisierte Zielscheibe, aber das ist auch offensichtlich falsch.



Verblüffend ist, dass sich jemand die Mühe gemacht hat, Kreise auf eine
relativ roh bearbeitete Flàche zu ritzen. Möglicherweise wurde der
Stein gespalten und es existiert noch irgendwo ein dazu passendes
Gegenstück.
Vielleicht war die Erhöhung oben rechts auf dem Photo jedoch auch
Absicht.
Eine Zielscheibe schließe ich aus, da sind Strohscheiben o.à doch
wesentlich besser geeignet, auch um ggf Verletzungen (z.b beim Stoß mit
einer Lanze) zu vermeiden oder um Pfeile o.à zu schonen.

Sind diese "Sonnensteine" erst spàter so aufgestellt worden, dass die
Ringe in die Vertikale gebracht worden sind oder kann es sein, dass
diese Steine zur Zeit des Gebrauches auch gelegen sind, die Ringe also
horizontal ausgerichtet waren?

Ich könnte mir vorstellen, dass solche Sonnensteine zur Bestimmung
irgendwelcher astronomischer Daten oder zur Bestimmung von Entfernungen
etc diente und dass lediglich noch ein entsprechendes Hilfsmittel
notwendig war, um das Teil bedienen zu können. Ich gehe mal davon aus,
dasss die Kreislinien des Steines horizontal ausgerichtet waren, dass
also der Stein lag:

Als tragbares Hilfsmittel wàre dann z.B so eine Art Jakobsstab
vorstellbar. Das eine Ende wird im Zentrum des Steines "gelagert". Die
Auflageplatte des Stabes könnte nun verschiebbar ausgeführt worden
sein. Die Kreise auf dem Stein stellen dann lediglich eine Art Raster
dar. Je weiter also die Platte vom Mittelpunkt entfernt ist, umso
niedriger wird die Steigung des Stabes.

Ich vermute, dass je nach geographischer Lage der Steine, die Abstànde
der Ringe variieren, so dass unabhàngig von Standort z.B ein bestimmter
Stern/Ziel anvisiert werden konnte.

Es könnte auch eine Art Sonnenuhr, die zur Bestimmung der Nordrichtung
dient gewesen sein, vgl auch "Gnomon" bei Wikipedia:
"Zur Bestimmung der Nordrichtung werden um den Gnomon mehrere Kreise
gezogen... Die Sonne schneidet jeden Kreis einmal am Vormittag (V) und
einmal am Nachmittag (N). Die Nordrichtung ist die Winkelhalbierende
der jeweiligen Schenkelpaare zu V und N. Das Verfahren kann zur
Genauigkeitssteigerung an verschiedenen Tagen oder [...] mit
verschiedenen Kreisen wiederholt werden. Zur Tagundnachtgleiche steht
die Sonne in der Äquatorebene. Dann entspricht das zu Mittag
(Höchststand der Sonne) gemessene Verhàltnis Schattenlànge : Stablànge
dem Tangens der geografischen Breite..."

Das praktische daran, zur Bestimmung mußte auch nur ein entsprechender
Stab mitgenommen werden.

Wenn damit tatsàchlich irgendwelche Sonnen-/Sternenstànde gemessen
wurde, dann war so ein Sonnenstein vermutlich an einem Kultplatz
platziert. Da wàre es schon praktisch, wenn man so ein schweres Teil
einfach liegen lassen kann, ohne dass Nichteingeweihte etwas damit
anfangen könnten, wenn sie entsprechende Geràtschaften nicht zur
Verfügung haben.

Vielleicht stellt der Mittelpunkt auf dem Sonnenstein auch die Erde dar
und die Kreise so eine Art Armillarsphàren

Was man damit nun aber bestimmen könnte, wissen sicherlich die Jungs in
dsa.

Ingesamt denke ich nicht, dass der Stein zur Sonnenverehrung diente,
sondern eher für ganz konkrete praktische Dinge.
Wenn du irgendwann mal Neuigkeiten darüber bekommen solltest, wàre es
nett, wenn du diese hier oder in eine andere passende NG posten
könntest.

#-post/fup2 de.sci.astronomie

HTH und Grüße
Harald

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