Hilfe bei der Schaltungsanalyse gesucht

29/12/2008 - 20:41 von Martin Jangowski | Report spam
Hallo Gemeinde,

zwischen den Jahren habe ich mal wieder den Lötkolben angeworfen und versuche mich
an der Instandsetzung eine dreissig Jahre alten Hifi-Receivers, eines
Yamaha CR-2020, damals ein TOTL-Geràt.

Wie die Beschreibung in der Bucht schon vermuten liess ("kann nicht testen,
lampen brennen") sind die Endstufen hinüber. Drei der vier Endtransistoren
waren zusammenlegiert. Da es noch adàquaten Ersatz gibt (Onsemi MJ21193/4)
und die Treibertransistoren gàngig sind, sollte eine Reparatur gelingen.
Ich hab die beiden Endstufen ausgebaut und eine fliegend verdrahtet.

Da ich zu Weihnachten ein nettes Spielzeug geschenkt bekam (ein
Halbleiteranalyzer AS4002 vom QRP-Versand), hab ich ein paar kritische
Halbleiter ausgelötet und getestet. Die waren eigentlich alle noch
brauchbar. Da ich den Treibern nicht mehr ganz traue, habe ich die
und die Endtransistoren gegen neue ersetzt. Da ich ein misstrauscher Mensch
bin, wurden die 5A-Sicherungen auf der Endstufenplatine gegen 10 Ohm 1/4
Widerstànde ausgetauscht und ein Meßgeràt drübergehàngt, um einen Anhaltspunkt
für den Strom zu haben. War eine gute Idee, die Dinger fingen sehr spontan
an zu glühen, als Saft drauf kam. 20V Spannungsabfall (= 40W) war wohl etwas viel..

Nach Ersatz der Teile gegen besser dimensionierte 12 Ohm/20W-Typen (hab ich gerade
rumliegen) konnte man dann mal kurz einschalten und ein paar Spannungen messen.
Als Problem stellt die VAS-Stufe mit der Ruhestromeinstellung der Endstufen raus.

Um folgendes nachvollziehen zu können, habe ich einen Schaltplanauszug auf dem Webserver
gepackt:

http://www.jangowski.de/CR-2020%20Poweramp.jpg

Die Spannungen im Differenzverstàrker stimmen ganz gut. Problematisch ist der Teil
um den VAS-Transistor TR606. Am Kollekor von TR606 liegen statt der angegebenen
-1.23V satte -3.8V an. Schön symmetrisch dazu liegen am Emitter von TR607 ebenfalls
statt +1.28V nette +3.8V an. Die Ruheströme durch Treiber und Endtransistoren sind
also beachtlich... ich hab zum ruhigen Messen die End- und Treibertransistoren
ausgebaut und zwischen Basis- und Emitteranschluss jeweils 150 Ohm geschaltet,
damit das ganze nicht völlig in der Luft hàngt. Dadurch wird nix mehr warm und man
kann in Ruhe messen, die Spannungen haben sich nicht veràndert.

Meine Frage: kann mir jemand kurz erklàren, wie der ganze Komplex TR605-608 arbeitet?
Nach meinem Verstàndnis ist TR607-608 eine Stromquelle im Kollekor-Zweig des
TR606. Da die Masseleitung "E" (die drei "E"-Anschlüsse sind alle am zentralen
Sternpunkt zusammengeführt, natürlich sind alle angeschlossen) über die beiden R620/621
die Sache symmetriert, muß die Spannung am Emitter von TR607 schön symmetrisch zu der
Spannung am Kollektor von TR607 sein... passt ja auch. Was ich nicht begreife:
wer oder was bestimmt die Spannung am Kollektor von TR606? Mit dem Poti VR601 kann
ich diese Spannung wunderbar um ein paar mV verschieben, genau wie es bei der Bias-Einstellung
sein soll. Nur der Absolutwert liegt halt grob daneben...

Getestet bislang: sàmtliche Halbleiter im Umkreis (alle gut) und diverse R. Passt alles...
Ein probehalber Austausch sàmtlicher Transistoren TR605-608 brachte exakt nix.

Zuletzt noch ein besonderes Schmankerl... die andere Endstufe hat exakt den selben
Fehler, nur sind es da -4.5V statt der korrekten -1.23V an TR606.

Ein paar Meßwerte:

R622 +23 statt +22V
Emitter TR607 +4.3V statt +1.23V
Basis TR607 -3.9V statt +0.56V
Basis TR608 -3.2V statt -0.69V (im Bild sind die Werte für Basis und Emitter vertauscht)
Emitter TR606 -72.4V statt -70.3V
Basis TR606 -71.8V statt -69.7V

Kann sich da jemand einen Reim drauf machen? Ich bin langsam mit meinem Latein am Ende...

Martin
 

Lesen sie die antworten

#1 MaWin
29/12/2008 - 21:24 | Warnen spam
"Martin Jangowski" schrieb im Newsbeitrag
news:gjb94p$kul$

Meine Frage: kann mir jemand kurz erklàren, wie der ganze Komplex
TR605-608
arbeitet?




TR607 und 608 stellt den Ruhestrom ein per Poti VR601.
Der Ruhestrom stimmt, wenn (ohne Aussteuerung) am Emitter
von TR607 1.23V und am Kollektor -1.23 liegen.
Da du am Kollektor -3.8 hast, stimmt entweder dein Massebezug
nicht, oder du hast auch 3.8V am Emitter und muesstest VR601
runterregeln.
TR606 macht die Verstaekrung in der Schaltung, daher ist er
auch mit C611 gegen Schwingneigung abgeblockt. TR605 ist eine
Uebertsromsicherung, ist de Spannungsabfall an R6161zu hoch,
dreht er die Basis von TR606 runter. TR609 und 610 bilden die
sicherung und Strombegerzung der Ausgangstransistoren bei
Kurzschluss oder Ueberlastung am Ausgang.

Was ich nicht begreife: wer oder was bestimmt die Spannung am Kollektor
von TR606?



Dessen Basis.

mit dem Poti VR601 kann ich diese Spannung wunderbar um ein paar mV
verschieben



Klar. Also sind TR607/608 nicht ganz kaputt, alle Widerstaende
dort in Ordnung ?

Wie ist die Spannung an Eingang E der Platine ?

Emitter TR607 +4.3V statt +1.23V



zu hoch, spiegelbildlich zu Kollektor zu niedrig

Emitter TR606 -72.4V statt -70.3V Basis TR606 -71.8V statt -69.7V



Sagt wenig aus, wenn man nciht weiss, wie negativ die negative
versorgungsspannung ist.

Manfred Winterhoff, reply-to invalid, use mawin at gmx dot net
homepage: http://www.geocities.com/mwinterhoff/
de.sci.electronics FAQ: http://dse-faq.elektronik-kompendium.de/
Read 'Art of Electronics' Horowitz/Hill before you ask.
Lese 'Hohe Schule der Elektronik 1+2' bevor du fragst.

Ähnliche fragen